Das Große muss im Kleinen beginnen
Am Küchentisch, am Spielplatz, im Kinderparlament
Was passiert, wenn junge Menschen auf Dauer überhört werden, für Anliegen, Meinungen, Diskussionen Raum und Rahmen fehlt, Demokratie ins Wackeln kommt, zeigen täglich Nachrichten und Bilder in den Medien. Anlässlich des österreichischen Nationalfeiertags, der auch an Demokratie und aktive Bürgerbeteiligung appelliert, zeigt SOS-Kinderdorf Burgenland, wie Beteiligung funktionieren kann.
„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, es geht darum, sie als Persönlichkeiten anzuerkennen, die genauso das Recht auf eine eigene Meinung haben. Wir Erwachsenen müssen dafür den Rahmen schaffen“, betont Marek Zeliska, Standortleiter SOS-Kinderdorf Burgenland. Ob im Alltag, Hausrunden, oder Kinderparlament - Beteiligung hat bei SOS-Kinderdorf hohen Stellenwert. „Wenn Kinder die Möglichkeit haben zu erleben, dass sie selbst etwas bewirken können, werden sie bestärkt durchs Leben gehen.“
Fixer Bestandteil ist auch das Einbeziehen außenstehender Facheinrichtungen wie die Kinder- und Jugendanwaltschaft. „Wir suchen aktiv das SOS-Kinderdorf auf, die einzelnen Wohngruppen und das Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen, aber auch deren BetreuerInnen und Leitungen“, betont Teresa Neuwirth, von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Burgenland. „In Form verschiedener Projekte und auch der Öffnung nach Außen, erleben wir ein ernsthaftes Interesse seitens SOS-Kinderdorf Burgenland am Wohlergehen der Kinder“, so Neuwirth weiter. Was Beteiligung vor allem bei Kindern in der Fremdunterbringung bedeutet: „Wissen zu bekommen, geachtet zu werden. Nur so kann es gelingen, selbst später mal Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Nur so können sich Kinder und Jugendliche als wertvolle Mitglieder einer Gemeinschaft erleben, wo sie sich respektiert fühlen, ernst genommen und Selbstwirksamkeit erleben, das Gefühl, „Pilot im eigenen Leben“ zu sein, zumindest in Teilbereichen je nach Alter.“
Von Sandkiste bis Privatsphäre, von Ferienplanung bis Haustiere
Die Themen, sind altersgemäß entsprechend verschieden. Von „Wir wollen das der Fußballplatz neu hergerichtet ist“, über mehr Medienzeit, späteres zu Bett gehen, Ferienplanung, mehr Privatsphäre, neue Sandkiste, bis „Wir wollen eine Katze“ oder auch jüngst eine Diskussion über Hygieneartikel, dass es ungerecht ist, das Mädchen mehr Ausgaben haben als Burschen. Marek Zeliska: „Jedes Thema hat seinen Platz, darf diskutiert und zielführend bearbeitet werden. Manches wird untereinander geregelt, manches wird von uns Erwachsenen entsprechend geklärt.“ Untereinander wurde zum Beispiel geregelt, dass keiner mehr mit dem Fahrrad über die Blumenbeete fahren darf. Aber auch Themen wie, „Wir wollen nicht im Auto zur Schule fahren, wo das SOS-Kinderdorf-Logo drauf ist“, werden geäußert. „Jedes Thema muss ernst genommen und gehört werden. Entscheidend ist, dass Beteiligung altersgerecht und nachvollziehbar ist.“
Auch Kummerboxen stehen in jedem Haus. Manche nennen sie Beschwerdebox, manche Wünschebox. „Und auch im Dorf selbst, gibt es so eine Box, wo jeder zu jeder Zeit auch anonym etwas loswerden kann.“
Aber nicht nur in der Betreuungsarbeit mit den Kindern und Jugendlichen gehört Beteiligung zum Alltag. Auch in der Zusammenarbeit mit den leiblichen Eltern wird Beteiligung vorgelebt. „Wo immer es möglich ist, wenn es die Umstände zulassen, ist auch diese Form der Beteiligung ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Wir versuchen in sämtliche Entscheidungen und Anliegen auch die leiblichen Eltern der Kinder mit einzubeziehen. Das ist sowohl für die Eltern ein wichtiger Prozess als auch für ihre Kinder, genau das mitzubekommen: Beteiligung. Echte Beteiligung.“