Aufarbeitung und Reform
SOS-Kinderdorf setzt Maßnahmen in Richtung einer umfänglichen Organisationsreform.
Update 29.07.2026
Umsetzung der Empfehlungen der Reformkommission
SOS-Kinderdorf dankt der Reformkommission für ihren umfassenden und professionellen Bericht.
Er ist kein Schlusspunkt, sondern ein wichtiger Meilenstein in einem Reformprozess, den wir bereits vor der Veröffentlichung des Berichts begonnen haben. Viele der enthaltenen Empfehlungen bestätigen den eingeschlagenen Weg und geben uns zugleich zahlreiche weitere wertvolle Impulse für die konsequente Weiterentwicklung unserer Organisation.
Kinderschutz ist nie abgeschlossen. Schutz, Beteiligung, Beschwerdewege und Kontrolle müssen laufend überprüft, weiterentwickelt und an neue Erkenntnisse angepasst werden. SOS-Kinderdorf versteht sich dabei als lernende Organisation und wird künftig aktiv an der Weiterentwicklung von Standards für Kinderschutz und der Umsetzung von Kinderrechten mitwirken.
Was ist seit Präsentation des Berichts der Reformkommission geschehen?
Unter Leitung der neuen Bereichsleiterin für Qualitätsmanagement bei SOS-Kinderdorf analysierte eine österreichweite und interdisziplinäre Arbeitsgruppe in den vergangenen vier Wochen die Ergebnisse des Berichts der Reformkommission. Dabei wurden die Empfehlungen mit den bereits laufenden Reformmaßnahmen abgeglichen, priorisiert und in einen strukturierten Umsetzungsplan überführt.
Die Arbeitsgruppe besteht aus 27 Expert*innen aus Pädagogik, Qualitätsentwicklung, Compliance, Personalentwicklung, Public Affairs, Kommunikation, Fundraising sowie Vertreter*innen der Care-Leaver-Arbeit. In internen Teams wurden die einzelnen Kapitel aus dem Reformbericht analysiert. Dadurch konnten unterschiedliche fachliche Perspektiven und praktische Erfahrungen in die Bewertung der Empfehlungen sowie in die Ableitung konkreter Maßnahmen einfließen.
Was hat die Analyse des Berichts ergeben?
Die unabhängige und externe Analyse der Reformkommission hat uns als Organisation wichtige Impulse gegeben. Wir sehen den Bericht als klare Chance für die Weiterentwicklung und als wichtige Arbeitsgrundlage für die nächsten Schritte. Er bestärkt uns in der Fortsetzung bereits eingeleiteter Reformen und zeigt, dass bereits angestoßene Veränderungen auf dem richtigen Weg sind. Und er macht zugleich deutlich, wo wir weitere Maßnahmen setzen oder bestehende Veränderungen konsequenter und verbindlicher gestalten müssen.
Der Bericht bestätigt, dass die eingeleitete Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit konsequent fortgeführt werden muss. Dabei geht es nicht nur um individuelles Handeln, sondern ebenso um Strukturen, Führungskultur und Kontrollmechanismen, die Machtmissbrauch ermöglicht oder nicht verhindert haben.
Der Bericht macht deutlich: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten täglich wichtige und wertvolle Arbeit und begleiten Kinder und Jugendliche in ein selbstbestimmtes Leben. Die Qualität dieser Arbeit wird durch die Fehler der Vergangenheit nicht geschmälert. Zugleich darf sie niemals dazu führen, diese Fehler zu relativieren. Diesem Spannungsfeld zwischen Verantwortung für die Vergangenheit und dem Auftrag in der Gegenwart stellen wir uns jeden Tag aufs Neue. Dazu gehört auch die konsequente Auseinandersetzung mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Hermann Gmeiner und weiteren belastenden Kapiteln unserer Geschichte. Die bereits eingeleitete Aufarbeitung werden wir offen, konsequent und selbstkritisch fortführen – mit dem Ziel, daraus zu lernen und Kinder und Jugendliche heute und in Zukunft noch besser zu schützen.
SOS-Kinderdorf
Viele Empfehlungen der Reformkommission reichen über SOS-Kinderdorf hinaus und können nicht von einer Organisation allein umgesetzt werden. Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. SOS-Kinderdorf ist bereit, seine Erfahrungen offen zu teilen, sich zu vernetzen und einen breiten gesellschaftlichen Diskurs über Kinderschutz und Kinderrechte aktiv mitzugestalten. Gemeinsam mit Politik, Behörden, Justiz, Wissenschaft, Kinder- und Jugendhilfe sowie der Zivilgesellschaft wollen wir dazu beitragen, Kinderschutz in Österreich weiter zu stärken.
Konkrete Maßnahmen
Maßnahme 1
Schutz und Beteiligung im Alltag wirksam machen
Wir verstehen Kinderschutz als verbindliches und überprüfbares System aus Risikoanalyse, klaren Zuständigkeiten, Beteiligung, Beschwerdewegen, Vorfallsmanagement, Schulung und unabhängiger Qualitätskontrolle. Bestehende Strukturen werden aktuell zusammengeführt, weiterentwickelt und österreichweit verbindlich verankert.
Maßnahme 2
Fehlerkultur leben, Kontrolle stärken
Machtmissbrauch lässt sich nicht allein durch Regeln oder Verhaltenskodizes verhindern. Es braucht klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Entscheidungen, wirksame Kontrolle und eine Organisationskultur, in der Fehler angesprochen und Widerspruch ohne Nachteile möglich sind.
Maßnahme 3
Erinnerungskultur
SOS-Kinderdorf würdigt die gesellschaftliche Wirkung und die Leistungen des Sozialwerks seit seiner Gründung. Gleichzeitig stellen wir uns offen den belastenden Kapiteln unserer Geschichte. Die Rolle Hermann Gmeiners, die gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfe und die ihn tragenden Strukturen müssen unabhängig aufgearbeitet und historisch eingeordnet werden. Niemand steht über Verantwortung.
Maßnahme 4
Verantwortung gegenüber Betroffenen von Gewalt weiterentwickeln
Menschen, die in unserer Betreuung Gewalt oder anderes Unrecht erfahren haben, brauchen faire, transparente und dauerhaft tragfähige Verfahren.
Maßnahme 5
Kinderrechte leben und Beteiligung verbindlich machen
Kinder und Jugendliche sind nicht nur zu schützen, sondern Rechtsträger*innen und Mitgestaltende ihres Lebensumfelds. Bestehende Foren und Kinderparlamente sollen zu österreichweit verbindlichen Standards und wirksamen Einflussmöglichkeiten weiterentwickelt werden.
Maßnahme 6
Care Leaver nachhaltig begleiten
SOS-Kinderdorf versteht Erwachsenwerden nicht als Stichtag, sondern als Weg. Verantwortung bedeutet, junge Menschen in Übergängen nicht allein zu lassen, sondern ansprechbar zu bleiben – auch über formale Zuständigkeiten hinaus. Entwicklung endet nicht mit 18, sondern dann, wenn junge Erwachsene gut im Leben angekommen sind.
Zusätzliche Informationen
Q&A
Fragen & Antworten
Chronologie