Maßnahme 3: Erinnerungskultur
SOS-Kinderdorf würdigt die gesellschaftliche Wirkung und die Leistungen des Sozialwerks seit seiner Gründung. Gleichzeitig stellen wir uns offen den belastenden Kapiteln unserer Geschichte. Die Rolle Hermann Gmeiners, die gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfe und die ihn tragenden Strukturen müssen unabhängig aufgearbeitet und historisch eingeordnet werden. Niemand steht über Verantwortung.
Das ist ein bewusster Bruch mit einer idealisierten Geschichte, der notwendig ist für die Neuaufstellung und Aufarbeitung. Die Person Hermann Gmeiner, sein Handeln und die ihn tragenden Strukturen werden historisch untersucht und öffentlich kontextualisiert.
Wir geben eine unabhängige historische Aufarbeitung in Auftrag und machen Ergebnisse zugänglich – auch wenn sie unbequem sind. Unsere Außendarstellung der Organisation wird nicht mehr mit einer Gründerfigur gleichgesetzt. Namen, Bilder, Texte und Ehrungen werden kontextualisiert und, wo nötig, verändert. Wir verabschieden uns von jeglichem Personenkult.
SOS-Kinderdorf
Worauf wir aufbauen können:
Die bisherige öffentliche Auseinandersetzung mit den belastenden Kapiteln unserer Gründungsgeschichte war nicht ausreichend. Mit der unabhängigen historischen Aufarbeitung setzen wir bewusst einen neuen Maßstab: Ehrliche Aufarbeitung und Kinderschutz haben Vorrang vor jeder Form der Verklärung oder des Schutzes einzelner Persönlichkeiten.
Was wir in den vergangenen Monaten bereits getan haben:
- Wir sind seit mehreren Monaten in intensivem Kontakt mit Schwestervereinen und der Föderation. Ziel ist eine unabhängige historisch-sozialwissenschaftliche Studie zu Hermann Gmeiner und der Geschichte von SOS-Kinderdorf.
- Entfernung bzw. Kontextualisierung von Denkmälern sowie Unterstützung bei Fragen der Umbenennung von Straßen und Plätzen, zum Beispiel SOS-Kinderdorf Burgenland/Pinkafeld, SOS-Kinderdorf Tirol/Imst, SOS-Kinderdorf NÖ/Hinterbrühl.
Nächste Schritte, die wir nun setzen:
- Bestandsaufnahme der öffentlichen Präsenz Hermann Gmeiners, Helmut Kutins und weiterer historisch prägender Persönlichkeiten in Einrichtungen von SOS-Kinderdorf (Büsten, Schriftzüge, Straßennamen etc.)
- Einsetzen einer Arbeitsgruppe unter aktiver Beteiligung von Mitarbeitenden, Geschäftsführung und Aufsichtsrat sowie nach Möglichkeit von Betroffenen zum Thema Erinnerungskultur unter Einbeziehung der historischen Studie.
- Alle Gemeinden und Organisationen, in denen Hermann Gmeiner und Helmut Kutin noch präsent sind, zur gemeinsamen Auseinandersetzung gezielt kontaktieren, Gespräche führen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Erinnerungsorten gemeinsam entwickeln.
- Unser Ziel ist nicht, Geschichte umzuschreiben oder auszublenden, sondern sie vollständig, wissenschaftlich fundiert und transparent aufzuarbeiten. Nur so kann Erinnerungskultur dazu beitragen, Verantwortung zu übernehmen und für die Zukunft zu lernen.