SOS-Kinderdörfer in Ungarn

SOS-Kinderdorf ist seit den 1980er Jahren in Ungarn tÀtig. Aufgrund der steigenden Zahl von gefÀhrdeten Kindern im Land sind die Angebote von SOS-Kinderdorf kontinuierlich ausgebaut worden.

Ungarn hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche VerÀnderungen erlebt


In unserer Obhut haben Kinder wieder die Möglichkeit zu spielen (Foto: M. MÀgi)

Die Republik Ungarn liegt in Mitteleuropa. Die Hauptstadt Budapest hat ca. 1,7 Millionen Einwohner. Die Gesamtbevölkerung belĂ€uft sich auf etwa zehn Millionen (Juli 2011, SchĂ€tzung), davon sind 90 Prozent Ungarn und fĂŒnf Prozent Roma und Sinti. Kinder unter 14 Jahren machen 15 Prozent der Bevölkerung aus. 

Ungarn erklĂ€rte in den spĂ€ten 1980er Jahren seine UnabhĂ€ngigkeit von der Sowjetunion. Im FrĂŒhjahr 1990 fanden die ersten freien Wahlen statt. Ungarn trat 1999 der NATO bei und wurde 2004 Mitglied der EuropĂ€ischen Union.

Hohe Arbeitslosenrate und geringe Lebenserwartung

Die EinfĂŒhrung einer freien Marktwirtschaft fĂŒhrte fĂŒr die meisten Ungarn zu gesunkenen Lebensstandards. DarĂŒber hinaus wurden zahlreiche Sozialleistungen gekĂŒrzt. Aufgrund der hohen Arbeitslosenrate – schĂ€tzungsweise ĂŒber elf Prozent (2012) - und da ca. 14 Prozent der Bevölkerung unter der staatlich definierten Armutsgrenze leben, hatte der Verlust von Sozialleistungen gravierende Folgen fĂŒr das Leben zahlreicher Familien.

Die Wirtschaftskrise von 2008 bis 2010 verschlimmerte die Lage zusĂ€tzlich. Im Jahr 2011 schien sich die Wirtschaft wieder zu erholen, aber die Staatsverschuldung blieb weiterhin hoch. Daher wurden weitere Reformen beschlossen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit besonders diejenigen treffen, die ohnehin nur mĂŒhsam ĂŒber die Runden kommen.

Die meisten Ungarn arbeiten im Dienstleistungssektor. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle - mehr als 10 Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Ungarn. UngefĂ€hr ein Drittel der Bevölkerung ist in der Industrie beschĂ€ftigt, ca. fĂŒnf Prozent arbeiten in der Landwirtschaft.

Ungarn hat eine der niedrigsten Lebenserwartungen in der EuropÀischen Union zu verzeichnen. Die hÀufigste Todesursache sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Obwohl das Gesundheitssystem seit 1990 reformiert worden ist, gibt es immer wieder KorruptionsfÀlle zu verzeichnen.

Die Minderheiten der Sinti und Roma leiden besonders an den Folgen der wirtschaftlichen und sozialen VerĂ€nderungen der letzten Jahrzehnte. Menschenrechtsorganisationen zufolge sind die Roma auf dem Arbeitsmarkt, dem Wohnungsmarkt und dem Bildungssektor nach wie vor benachteiligt. Die Regierung hat einige Gegenmaßnahmen ergriffen, aber es bleibt noch viel zu tun. Die Angehörigen dieser Minderheiten haben beispielsweise eine geringere Lebenserwartung als ethnische Ungarn. DarĂŒber hinaus brechen Roma-Kinder ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig die Sekundarschulbildung ab: nur 13 Prozent beenden die Sekundarstufe, wodurch ihre zukĂŒnftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt eingeschrĂ€nkt sind.

Kinder und Jugendliche leiden an Armut und Mangel an zukĂŒnftiger BeschĂ€ftigung


Kleiner Junge arbeitet am Computer (Foto: M. MĂ€gi)

Die sozialen, politischen und wirtschaftlichen VerĂ€nderungen der spĂ€ten 1980er und frĂŒhen 1990er Jahre hatten auch Folgen fĂŒr das Leben der Kinder. Etwa ein FĂŒnftel von ihnen leidet unter Armut; zum Großteil stammen sie aus Roma- und Sinti-Familien. Erschwerend kommt die hohe Jugendarbeitslosigkeit hinzu – 26 Prozent aller jungen Menschen haben keine Arbeit.

Die ungarische Regierung hat Gesetze zur Verbesserung der Lage der Kinder verabschiedet, aber es fehlt an Ressourcen und qualifizierten FachkrĂ€ften, um diese Reformen durchzusetzen. Nach Berichten lokaler Behörden bekommen gefĂ€hrdete Familien nicht genĂŒgend finanziellen oder psychologischen Beistand, um fĂŒr ihre Kinder sorgen zu können.

Die Regierung hat Maßnahmen ergriffen, um die Rechte der Kinder in Fremdbetreuung besser zu schĂŒtzen. So wurden beispielsweise kleine Betreuungseinheiten errichtet, die sich in der nĂ€heren Umgebung der Herkunftsfamilien befinden. Dennoch werden Kinder mit Behinderungen, die fremdbetreut werden mĂŒssen, meist in großen Heimen untergebracht.

SOS-Kinderdorf in Ungarn

Familien stĂ€rken: Seit 2011 arbeiten wir mit lokalen Gemeinden und Behörden zusammen, um Kinder und ihre Familien zu unterstĂŒtzen, damit sie in einem liebevollen familiĂ€ren Umfeld aufwachsen können. Die Hilfe richtet sich nach den BedĂŒrfnissen der Familien und beinhalten Beratung, soziale und materielle UnterstĂŒtzung.

Betreuung in Familien: Wenn Kinder nicht lĂ€nger in ihren Familien bleiben können, werden sie in einem liebevollen Zuhause betreut. Einige Kinder leben in SOS-Familien innerhalb des SOS-Kinderdorfes, wĂ€hrend andere mit ihren SOS-Pflegefamilien in der Stadt leben. Die Familien wurden von SOS-Kinderdorf ausgewĂ€hlt und ausgebildet, um sicherzustellen, dass die Kinder nach den höchsten Standards von SOS-Kinderdorf betreut werden. Somit erhalten die Pflegefamilien kontinuierlich soziale und emotionale UnterstĂŒtzung von uns.

UnterstĂŒtzung fĂŒr junge Menschen: Wir geben jungen Menschen UnterstĂŒtzung und stehen ihnen beratend bei, bis sie in der Lage sind, selbstĂ€ndig zu leben.

Nothilfe fĂŒr FlĂŒchtlinge: Als Reaktion auf die FlĂŒchtlingskrise von 2015, konzentriert sich das SOS-Nothilfeprogramme auf die UnterstĂŒtzung von Kindern (vor allem von unbegleiteten Kindern), Jugendlichen, MĂŒttern mit Kindern und Schwangeren. SOS-Kinderdorf arbeitet mit anderen lokalen Hilfsorganisationen zusammen, und reagiert auf die sich stĂ€ndig verĂ€ndernde Situation. Wir sorgen fĂŒr Schutz und Nahrungsmittel, sowie medizinische Hilfe (auch fĂŒr die dringend benötigte psychosoziale UnterstĂŒtzung).

Anwaltschaft: SOS-Kinderdorf arbeitet mit der Regierung und anderen Behörden zusammen, um Sozialreformen zu fördern, die die Rechte der Kinder im Land verbessern.

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