SOS-Kinderdörfer in Malawi

Malawi leidet schwer an der HIV/AIDS-Pandemie. Zehntausende Malawier sterben jedes Jahr an AIDS. Die Kinder des Landes leiden in beispiellosem Ausmaß an den Auswirkungen der Krankheit. Zehntausende Kinder wachsen ohne elterliche FĂŒrsorge auf. SOS-Kinderdorf hilft Kindern und Jugendlichen in Not im Rahmen von landesweit vier verschiedenen Programmen.

Eines der am wenigsten entwickelten LĂ€nder der Welt.

Kleine Kinder aus dem SOS-Kindergarten besuchen einen Lehrbauernhof (Foto: SOS-Archiv).
Kleine Kinder aus dem SOS-Kindergarten besuchen einen Lehrbauernhof (Foto: SOS-Archiv).

Malawi ist ein Binnenland in Schwarzafrika und grenzt an Sambia, Tansania und Mosambik. Nach den Daten der jĂŒngsten VolkszĂ€hlung belĂ€uft sich die Bevölkerung auf etwa 17,3 Millionen. Die grĂ¶ĂŸte Stadt Malawis, Lilongwe, liegt im Zentrum des Landes und ist gleichzeitig die Hauptstadt. Derzeit gehört Malawi zu den am dichtesten besiedelten und am wenigsten entwickelten LĂ€ndern der Welt. Obwohl die Regierung einige Anstrengungen unternommen hat, um die hohe PrĂ€valenzrate von HIV/AIDS zu bekĂ€mpfen, leidet das Land sowohl demographisch als auch wirtschaftlich gesehen schwer unter der Pandemie. Die Lebenserwartung ist sehr niedrig, und die Sterberate in Malawi gehört zu den höchsten der ganzen Welt.

Die tragende SĂ€ule der Wirtschaft ist die Landwirtschaft, in der etwa 90 Prozent der ErwerbstĂ€tigen beschĂ€ftigt sind und etwa 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet werden. Der Tabak ist das wichtigste Handelsgut und macht ca. die HĂ€lfte aller Exporte aus. Malawi ist in hohem Maße auf die multilaterale und bilaterale Wirtschaftshilfe durch den IWF, die Weltbank und einzelne GeberlĂ€nder angewiesen.

HIV/AIDS betrifft das Leben von vielen Familien

Malawi gehört zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt. Nach Angaben der Vereinten Nationen lebt mehr als die HĂ€lfte der Bevölkerung in Armut. Malawi belegt derzeit Platz 170 von 182 LĂ€ndern auf dem Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen. Zehntausende Menschen leben vor allem in lĂ€ndlichen Gebieten unter unvorstellbar prekĂ€ren Bedingungen. Sie haben keinen Zugang zu fließendem Wasser, ordentlichen sanitĂ€ren Anlagen und medizinischer Versorgung. Die Armut ist in den lĂ€ndlichen Regionen im SĂŒden und Norden des Landes am grĂ¶ĂŸten. Der Zugang zu öffentlichen Diensten und die Chancen auf Arbeit sind in der Bevölkerung Ă€ußerst ungleich verteilt. 30 Prozent der Kinder haben gar nicht erst die Möglichkeit, eine Grundschule zu besuchen. Die HIV/AIDS-Pandemie hat schwere Auswirkungen auf die Gesellschaft. Ca. 11 Prozent der Malawier zwischen 15 und 49 Jahren sind mit HIV/AIDS infiziert, womit das Land eine der weltweit höchsten PrĂ€valenzraten aufweist.

Die Krankheit stellt das grĂ¶ĂŸte Problem der öffentlichen Gesundheit dar. Mehr als 50 000 Malawier sterben jedes Jahr an AIDS. Nach langen Jahren der UntĂ€tigkeit sind die Behörden jetzt aktiv geworden und haben ein ehrgeiziges Programm zur BekĂ€mpfung von HIV/AIDS ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2005 litt Malawi an einer chronischen ErnĂ€hrungsunsicherheit. Klimabedingte ErnteausfĂ€lle und schon die geringsten Preissteigerungen fĂŒr Nahrungsmittel brachten Millionen Menschen an den Rand des Hungertodes. Malawi leidet schwer unter den Folgen des Klimawandels und wird hĂ€ufig von Naturkatastrophen heimgesucht. In den Jahren 2005 und 2006 hatte die Regierung ein heftig kritisiertes Subventionsprogramm gestartet, das es kleinen landwirtschaftlichen Betrieben ermöglichte, DĂŒngemittel zu niedrigen Subventionspreisen zu kaufen, die wiederum zu einem schnellen Anstieg der Produktion fĂŒhrten.

Kinder leiden an UnterernÀhrung und Ausbeutung

Kinder in unserer Obhut  genießen ein gesundes FrĂŒhstĂŒck im Garten  (Foto: SOS-Archiv).
Kinder in unserer Obhut genießen ein gesundes FrĂŒhstĂŒck im Garten (Foto: SOS-Archiv).

In Schwarzafrika gibt es die weltweit höchsten Raten von Kinderarbeit. 26 Prozent der Kinder zwischen fĂŒnf und 14 Jahren mĂŒssen in Malawi Kinderarbeit verrichten. WĂ€hrend kleine Jungen meist auf den Feldern arbeiten, verkaufen MĂ€dchen Kleinwaren oder werden zu kommerzieller Sexarbeit gezwungen. SchĂ€tzungen zufolge arbeiten mehr als 78 000 Kinder auf den Tabakfarmen, einige bis zu 12 Stunden am Tag und ohne die notwendige Schutzbekleidung. Das hohe Armutsniveau und die starke Verbreitung von HIV/AIDS sind die HauptgrĂŒnde dafĂŒr, dass Tausende von Kindern arbeiten mĂŒssen. In den meisten FĂ€llen können die Kinder dieser Familien keine Schule besuchen, da sie arbeiten mĂŒssen, um etwas zum Familieneinkommen beizutragen.

In Malawi leidet jedes fĂŒnfte Kind an UnterernĂ€hrung. Obwohl die Kindersterblichkeit seit den 90er Jahren deutlich gesenkt werden konnte, ist die Sterblichkeitsrate der Kinder unter fĂŒnf Jahren mit 75 von 1000 Lebendgeburten immer noch sehr hoch. Die Zahl der Kinder, die ohne Eltern aufwachsen oder vom Verlust der elterlichen FĂŒrsorge bedroht sind, wird schĂ€tzungsweise in den kommenden Jahren weiter steigen, wenn auch langsamer als zuvor. Derzeit wachsen in Malawi 1 000 000 Kinder ohne Eltern oder mit nur einem Elternteil auf. Darunter sind 770 000 Aidswaisen.

 

SOS-Kinderdorf in Malawi

Die TĂ€tigkeit unserer Organisation in Malawi begann im Jahr 1986. Angesichts des hohen Armutsniveaus beschloss SOS-Kinderdorf, in diesem Land aktiv zu werden. Unsere Organisation hat als Reaktion auf die hohe HIV/AIDS-PrĂ€valenzrate in Malawi ein SOS-FamilienstĂ€rkungsprogramm ins Leben gerufen. Das Programm bietet vom Verlust der elterlichen FĂŒrsorge bedrohten Kindern die Möglichkeit, in einer liebevollen familiĂ€ren Umgebung aufzuwachsen. Wir unterstĂŒtzen derzeit Kinder in Malawi an landesweit vier verschiedenen Standorten durch KindertagesstĂ€tten, Schulen, Berufsbildungszentren und medizinische Zentren. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht lĂ€nger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.

Im FrĂŒhjahr 2015 begannen wir ein weiteres Nothilfeprogramm, um Familien zu unterstĂŒtzen, die von StĂŒrmen stark beeintrĂ€chtigt wurden. Wir versorgten mehr als 2,500 Menschen mit Nahrung, Unterkunft und Schul- und Hygiene-Artikeln.
 

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