29.11.19

Wenn die Wünsche ans Christkind zu groß sind

Wir haben Tipps, wie man Bewusstsein schaffen kann, dass sich nicht alle Wünsche leicht erfüllen lassen.

"Papa, ich will heuer zu Weihnachten das iPhone 11, dazu brauch ich bitte die AirPods Pro, ein Hoverboard und über Silvester will ich mit Justins Eltern in den Skiurlaub nach Kärnten. Ach ja und es gibt neue Fußballschuhe, die man mit Namen besticken lassen kann. Das passende Trikot dazu brauch ich auch! Alle anderen Kinder kriegen das." Tja - so schnell sind, ginge es nach den Vorstellungen der Kids, gleich mehrere Monatsgehälter weg. Wir haben Tipps, wie man Bewusstsein schaffen kann, dass sich nicht alle Wünsche leicht erfüllen lassen.

#1 Zeigen Sie Verständnis, auch wenn es schwer erscheint

Kaufempfehlung von Influencern auf Instagram, Produktplatzierung auf YouTube und Werbung zwischen Spotify-Songs: Aufforderungen zum Konsum verfolgen uns und auch Kinder und Jugendliche fast den ganzen Tag. Besonders in der Pubertät bilden Kinder ihre eigene Identität und damit geht einher, sich mit anderen zu vergleichen. Setzen Sie sich deshalb mit den Wünschen Ihres Kindes auseinander und hinterfragen Sie genau, warum es sich etwas so sehr wünscht.

# 2 Schaffen Sie neue Traditionen

Ja klar: Geschenke sind super! Aber wie wäre es mit mehr gemeinsamer Zeit statt dem fünften oder sechsten materiellen Geschenk? Führen Sie die Tradition ein, sich gegenseitig ein Erlebnis zu schenken oder sogar fixe, wöchentliche oder monatliche Verabredungen einzuhalten. Zum Beispiel ein gemeinsamer Filmeabend pro Monat oder eine Radtour im Sommer. Suchen Sie etwas aus, das der ganzen Familie Spaß macht – das muss nicht immer teuer sein und bleibt bestimmt in Erinnerung.

# 3 Akzeptieren Sie, dass nicht alles "wie früher" ist

Wie gern erinnern wir uns an unsere Kindheit: Der Brief ans Christkind war bescheiden und im Nikolosackerl waren Mandarinen, Nüsse und Schoki. Mittlerweile sieht das oft anders aus. Dennoch kann man Kindern und Jugendlichen auch mit Kleinigkeiten und Dingen, die wenig kosten, eine Freude bereiten. Die Kids in unseren Wohngruppen hatten in den letzten Wochen große Freude an "Sleim", der kostet im Geschäft oft weniger als 5 € oder man kann ihn auch leicht selbst herstellen und dabei beim gemeinsamen Basteln Spaß haben. Hier ein Beispiel zur Anfertigung.

Die Jugendlichen (aber selbstverständlich auch die Jüngeren) kann man happy machen, indem man sich zwischendurch einfach mal eine gemeinsame Auszeit nimmt. Ein warmes Getränk, Naschereien und ein gemeinsamer Filmabend mit Wunschfilm vom Nachwuchs oder ein Weihnachtsmarktbesuch, gemeinsames Backen etc., kann für alle Freude bringen.

# 4 Beteiligen Sie Ihr Kind bei den Familienfinanzen

Je näher an der eigenen Lebenswelt Kinder den Umgang mit Geld lernen, desto leichter werden sie auch den Wert von Geld begreifen. Nehmen Sie Ihr Kind mit zum Wocheneinkauf und binden Sie es ein. Die Jüngeren können im Geschäft helfen, die Lebensmittel zu holen, später können Sie auch abfragen: "Was kosten denn die Cornflakes?" – "2,79 Euro." – "Ist das jetzt mehr oder weniger als 3 Euro?" Oder: "Wieviel Taschengeld bekommst du in der Woche?" – "5 Euro." – "Wieviel Packungen Cornflakes könntest du dir davon kaufen?"

Ältere Kinder kann man im Sinne eines Vertrauensvorschusses mit kleineren Beträgen alleine zum Einkaufen schicken. Wenn das Kind einmal "scheitert", das Falsche kauft oder das Geld verliert, ist das auch kein Riesendrama. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, was das jetzt heißt und handeln Sie eine Wiedergutmachung mit Ihrem Kind aus.

# 5 Schaffen Sie Bezug zur Realität

Seien wir realistisch – die Zeiten, in denen Pippi Langstrumpf und Benjamin Blümchen die Vorbilder der Kinder sind, gehen schneller vorbei, als uns lieb ist. Denn bald werden die beiden von RapperInnen wie Capital Bra oder Cardi B abgelöst. In Rap-Texten wird nicht selten mit 500 PS in einem Maserati GTS durch die Stadt gecruist und werden an einem Abend 7.000 € in einem Club verprasst. Doch das ist weit weg von der Realität. Besprechen Sie deshalb mit Ihrem Kind, wie viele Monate oder Jahre Sie für gewisse Anschaffungen arbeiten müssen. Oder wie lange das Taschengeld gespart werden müsste, um zum Beispiel das neueste iPhone zu kaufen.

# 6 Schenken Sie gemeinsam

Besprechen Sie mit dem Nachwuchs nicht nur die eigenen Wünsche, sondern auch, worüber sich andere freuen würden. Was könnte man zum Beispiel Oma und Opa heuer zu Weihnachten schenken? Und worüber freuen sich die Geschwister? Das schafft Bewusstsein dafür, dass auch andere Leute Bedürfnisse und Wünsche haben.

Wenn sich im Keller oder Dachboden Spielsachen stapeln, die Ihre Kinder bereits aussortiert haben, könnten Sie diese gemeinsam durchsehen und spenden. So bereiten Sie anderen eine Freude und vermitteln gleichzeitig Ihren Kindern, dass gebrauchte Dinge einen Wert haben und man nicht immer alles neu kaufen muss.

#7 Holen Sie Ihr Kind in die Verantwortung

Wenn Ihr Kind eine lange Wunschliste für Weihnachten hat, machen Sie ihm klar, dass nicht alles auf einmal möglich ist. Auf die Erfüllung größerer Wünsche muss man warten und manchmal auch etwas dafür tun. Einige Wünsche lassen sich vielleicht gar nicht erfüllen. Ist der Wunsch umsetzbar, können Sie mit Ihrem Kind eine Vereinbarung aushandeln. Zum Beispiel: „Du übernimmst ab jetzt Zusatzaufgaben in unserem Haushalt. Wir hängen die Liste dafür an den Kühlschrank und wenn ich sehe, dass du dich bemühst, können wir in drei Monaten gemeinsam das neue Handy kaufen.“ Ab dem 15. Lebensjahr ist auch der gute alte Ferialjob eine Möglichkeit, sich größere Wünsche selbst zu erfüllen. Außerdem: Auf das erste selbstgekaufte Handy wird Ihr Kind bestimmt gut aufpassen und merken, wie schnell das hart erarbeitete Geld auch schon wieder weg ist.

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