Photo by Thought Catalog on Unsplash
30.04.19

Wenn Sex zum Thema wird

Im Frühling gehen bei uns, bei Rat auf Draht, besonders viele Fragen zu Liebe und Sexualität ein. Wie gelingt ein unverkrampfter Umgang mit Aufklärungsfragen? Wir haben ein paar Tipps gesammelt:

"Wie kommen die Babys in den Bauch? Wieso haben Buben einen Penis und Mädchen nicht?" Im Frühling gibt es besonders viele Anfragen zum Thema Sexualität. Oft melden sich auch die Bezugspersonen, also Eltern oder Großeltern und fragen uns, wie sie mit den Fragen ihrer Kinder oder Enkel umgehen sollen. Für viele ist ungewohnt, über dieses intime Thema zu sprechen, und wir haben unsere Erwachsenensexualität im Kopf, die oft im Weg steht.

Hier einige Tipps wie Sie reagieren könnten:

 

Grundsätzliches zur Sexualerziehung

Sexualität ist nichts Verwerfliches. Kindliche Sexualität entwickelt sich von klein an und unterscheidet sich von der Erwachsenen-Sexualität. In der kindlichen Sexualität spielt das Erforschen des Körpers eine wesentliche Rolle. Das dabei empfundene Lustgefühl ist nicht mit dem sexuellen Lustempfinden Erwachsener vergleichbar. Dies setzt erst mit der Pubertät ein.
 

Wann aufklären?

Für den richtigen Moment für die Aufklärung gibt es keinen fixen Zeitpunkt: Jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich. Jedenfalls sollte die Sexualerziehung beginnen, bevor sich ein Kind aktiv für den Unterschied zwischen Mädchen und Burschen interessiert. Sexualerziehung ist dabei nicht mit „dem einen“ Aufklärungsgespräch abgetan, sondern sollte ein ständiger Teil der Erziehung sein.
 

Altersadäquat antworten

Fängt ein Kind an, Fragen zu stellen, ist es auch alt genug für Antworten. Antworten Sie altersadäquat, klar und einfühlsam. Sagen Sie nie "Dafür bist du noch zu klein", denn damit lassen Sie Ihr Kind mit wichtigen Fragen allein. Verwenden Sie Ausdrücke, die das Kind versteht. Wenn Eltern etwa von "Geschlecht" sprechen, kann das Kind damit nichts anfangen.

Benutzt Ihr Kind für die Geschlechtsorgane spielerische Begriffe, können Sie diese auch verwenden, allerdings sollten Sie die wirklichen Namen ebenfalls nennen. Kinder brauchen auch keine wissenschaftlichen Vorträge. Schulmeisterei sowie übertriebene Moralisierung kommen ebenso nicht gut an.
 

Bis zum 5. Lebensjahr

Im Vorschulalter fangen Kinder an, bei "Doktorspielen" den Körper anderer Kinder zu begutachten und anzufassen. Das ist völlig normal. In aller Regel geschieht das in gegenseitigem Einverständnis und nur unter Kindern, die sich mögen. Wichtig dabei ist, dass Sie Grenzen aufzeigen, und immer ein Auge darauf haben, dass diese auch eingehalten werden.
 

Zwischen dem 6. und 9. Lebensjahr

Bis ein Kind in die Schule kommt, sollte es wissen, wie die Geschlechtsorgane von Männern und Frauen aussehen und woher Kinder kommen. Denn unter Grundschülern sind diese Dinge oft schon Thema, und ein Kind, das nicht aufgeklärt ist, wird verunsichert oder verspottet. Eltern sollten daher das Thema behutsam von sich aus ansprechen.
 

Zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr

In der Vorpubertät ist plötzlich alles peinlich, was die Eltern sagen und tun. Deshalb sollten Sie Ihr Kind nicht drängen, über Sex zu sprechen. Anknüpfungspunkte gibt es im täglichen Leben aber genug, beispielsweise beim Anschauen einer Filmszene.
 

Zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr

Jugendliche sammeln in diesem Alter häufig die ersten sexuellen Erfahrungen. Jetzt ist der Zeitpunkt, offen über Verhütung zu sprechen. Einige unterschätzen, wie sehr eine frühe Schwangerschaft ihr weiteres Leben prägt. Erklären Sie daher nicht nur, dass Verhütung wichtig ist, sondern auch, was eine frühe Schwangerschaft für Schulabschluss und Karriere bedeuten kann.
 

Ab dem 16. Lebensjahr

Viele Jugendliche führen jetzt ihre erste Beziehung. Haben Sie ein offenes Ohr für Liebeskummer. Vielleicht fühlt sich der Jugendliche unter Druck, weil Freunde vom ersten Sex berichten oder der eigene Partner dazu drängt. Verdeutlichen Sie, dass Sie sich für Ihr Kind eine stabile, glückliche Beziehung wünschen, in der Sex in erster Linie ein Ausdruck der Liebe ist.
 

Medien als Ersatz für die Sexualaufklärung der Eltern?

Auch wenn Sexualität in den Medien stark präsent ist: Wirklich aufgeklärt sind die Jugendlichen dadurch keinesfalls. Aufklärung sollte nämlich dort ansetzen, wo das Kind sich aktuell in seiner Entwicklung befindet. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass die unterhaltsame Darstellung von Sexualität meist nichts mit der Realität zu tun hat. Klären Sie Ihr Kind darüber auf, wie Filmemacher in die Trickkiste greifen. Stellen Sie klar, dass Sex immer mit Vertrauen, Wohlfühlen und Verantwortung zu tun hat. So können Sie das einseitige Bild von Sexualität geraderücken. In sozialen Medien tauschen sich Jugendliche aus. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es keinen Grund zur Verunsicherung gibt, wenn andere mit sexuellen Erfahrungen prahlen. Hier wird häufig gemogelt. Dennoch sollten Medien nicht generell verteufelt werden, denn sie können als zusätzliche Aufklärer hinzugezogen werden.