SOS-Kinderdorf im Kosovo

SOS-Kinderdorf begann die Kosovo-Albaner zu unterstĂŒtzen, als sie 1999 vor dem Konflikt nach Albanien flohen. Nach ihrer RĂŒckkehr in das Kosovo und in Anbetracht der schrecklichen sozialen UmstĂ€nde beschloss SOS-Kinderdorf, direkt im Kosovo tĂ€tig zu werden. Seither unterstĂŒtzt SOS-Kinderdorf kosovarische Kinder und Familien durch familienpĂ€dagogische Betreuung, KindergĂ€rten und Sozialzentren in der Hauptstadt Pristina.

Ein junger Staat, der Anerkennung sucht


Ein kleines MÀdchen, das in der Obhut des SOS-Kinderdorf in Pristina aufwÀchst (Foto: SOS-Archiv)

Kosovo hat ca. 1,8 Millionen Einwohner (Juli 2014, SchĂ€tzung). Die Mehrheit der Bevölkerung sind Kosovo-Albaner, daneben gibt es Serben, Bosniaken, Gorani, Roma, TĂŒrken, Aschkali und Ă€gyptische Minderheiten.

Die heutige Republik Kosovo wurde nach dem Zerfall des frĂŒheren Jugoslawiens und dem Kosovo-Konflikt von 1998 bis 1999 zwischen der Befreiungsarmee des Kosovo und der jugoslawischen Regierung gegrĂŒndet. Im Jahr 2008 erklĂ€rte die Republik Kosovo ihre UnabhĂ€ngigkeit. Seither wurde sie von 110 Mitgliedstaaten der UNO als unabhĂ€ngiger Staat anerkannt und ist Mitglied des Internationalen WĂ€hrungsfonds und der Weltbank. In den Letzen Jahren hat Kosovo Verhandlungen ĂŒber seine Mitgliedschaft in der EuropĂ€ischen Union aufgenommen.    

Eines der Àrmsten LÀnder Europas

Die Wirtschaft im Kosovo hat sich in den letzten Jahren wieder erholt. Die Armut ist dennoch nach wie vor ein ernstes, weitverbreitetes Problem. Die Kosovaren haben einen niedrigen Lebensstandard, und ungefĂ€hr 46 Prozent der Menschen leben von weniger als €1,42 pro Tag; 17 Prozent sind nicht in der Lage, sich ausreichend zu ernĂ€hren. Haushalte mit Ă€lteren Menschen, Familienmitgliedern mit Behinderungen, mit weiblichem Familienvorstand oder mit Kindern sind ĂŒberproportional hĂ€ufig von Armut betroffen.

Die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 45 Prozent: ethnische Minderheiten, Frauen und Jugendliche sind am stÀrksten betroffen. Diese hohe Arbeitslosenrate treibt viele Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben in die Auswanderung. SchÀtzungsweise 15 Prozent des BIP kommt von Kosovaren, die im Ausland leben, die meisten von ihnen in Deutschland, der Schweiz und den skandinavischen LÀndern. In einigen FÀllen stammen 70 Prozent der Einnahmen einer Familie aus Geldsendungen von Verwandten, die im Ausland leben.

Das organisierte Verbrechen stellt nach wie vor ein großes Problem dar. Die Mitglieder krimineller Vereinigungen sind in GeldwĂ€sche, Waffenhandel, Drogen- und Menschenhandel verstrickt. Nach Angaben der Internationalen Organisation fĂŒr Migration zĂ€hlt das Kosovo zu den LĂ€ndern in Europa, in denen besonders hohe Opferzahlen von MenschenhĂ€ndlern zu verzeichnen sind.
Laut internationaler Behörden werden ethnische Minderheiten diskriminiert. Diese Diskriminierungen findet man im Gesundheitssystem, auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssektor. Was den Bildungsbereich angeht, haben Kinder ethnischer Minderheiten eine vergleichsweise niedrige Einschulungsrate (77 Prozent) gegenĂŒber der Einschulungsquote in der Allgemeinbevölkerung  (98 Prozent).
 

Die höchste Kindersterblichkeitsrate in Europa


SOS-Familien machen einen Ausflug  (Foto: SOS-Archiv)

Das Kosovo ist eine junge Gesellschaft; 27 Prozent der Bevölkerung ist jĂŒnger als 14 Jahre, und ĂŒber die HĂ€lfte der Bevölkerung unter 25. Die Armut trifft vor allem Kinder – fĂŒnf Prozent der Kinder sind unterernĂ€hrt. Die Sterblichkeitsrate der Kinder unter fĂŒnf Jahren wird auf 69 von 1000 Geburten geschĂ€tzt (der EU-Durchschnitt liegt bei 4,66 je 1000 Lebendgeburten). Die Verbreitung von Tuberkulose und Hepatitis ist grĂ¶ĂŸer als in anderen LĂ€ndern der Region. Kinder werden zur Arbeit gezwungen, um zum Einkommen der Familie beizutragen.

Die Zahl der kleinen Kinder im Kindergarten bleibt erschreckend niedrig. Die Situation ist fĂŒr Ă€ltere Kinder besser, vor allem, weil die Regierung in der letzten Zeit in Schulen investiert hat. Dennoch gibt es in einigen Regionen nicht genĂŒgend Schulen. DarĂŒber hinaus schwankt die QualitĂ€t des Bildungsangebots je nach ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht und Herkunftsort. In lĂ€ndlichen Gebieten sind 14 Prozent der Frauen Analphabetinnen (im Vergleich zu vier Prozent der MĂ€nner). Desweiteren haben nur zehn Prozent der Kinder mit speziellem Förderbedarf die Möglichkeit, eine Sonderschule zu besuchen.
 

SOS-Kinderdorf im Kosovo

SOS-Kinderdorf betreibt eine Reihe unterschiedlicher Einrichtungen und Programme zur UnterstĂŒtzung von Kindern, Jugendlichen und Familien im Kosovo.

FamilienstĂ€rkung: Wir setzten alles daran, damit Familien zusammenbleiben können. Jede Familie hat andere BedĂŒrfnisse, aber wir helfen ihnen oft mit materiellen GĂŒtern und erleichtern ihnen den Zugang zu sozialen Dienstleistungen. Wir bieten auch UnterstĂŒtzung und Beratung, und helfen den Eltern, einen Job zu finden.  

Familiennahe Betreuung: Kinder, die elterliche FĂŒrsorge verloren haben, finden in einer der SOS-Familien in SOS-Kinderdorf Pristina ein liebevolles Zuhause. BrĂŒder und Schwestern wachsen zusammen auf. 

Betreuung fĂŒr verlassene Babys: Aufgrund der hohen Anzahl der Babys, die bei der Geburt im Krankenhaus aufgegeben werden, haben wir spezielle SOS-Familien eingerichtet. Sie. kĂŒmmern sich um die Babys, bis eine dauerhafte Familie gefunden wird. 

Bildung: Im SOS-Kindergarten werden Kinder von ausgebildeten FachkrÀften betreut.

Website von SOS-Kinderdorf Kosovo
(verfĂŒgbar auf Englisch)
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