SOS-Kinderd├Ârfer in Jamaika

Jamaica ist eine stolze Nation, die sich durch einen ausgepr├Ągten Sinn f├╝r kulturelle Identit├Ąt auszeichnet. Ber├╝hmte Pers├Ânlichkeiten wie Bob Marley, Marcus Garvey oder der Athlet Usain Bolt haben diesem entlegenen Inselstaat zu weltweiter Bekanntheit verholfen. Dennoch steht das Bild, das h├Ąufig in den internationalen Medien vermittelt wird, in krassem Gegensatz zu der weit verbreiteten Armut, der Arbeitslosigkeit und den hohen Kriminalit├Ątsraten. SOS-Kinderdorf unterst├╝tzt Kinder und Jugendliche in Jamaika seit den 70er Jahren.

Wirtschaftliche Probleme dr├╝cken ihren Stempel auf die Bev├Âlkerung

Ein Junge in unserer Obhut zeigt, dass er Reggae tanzen kann.(Foto: SOS-Archiv)

Jamaika ist ein Inselstaat und geh├Ârt zu den Gro├čen Antillen. Das Land liegt in der Karibik und ist nach Kuba und Hispaniola die drittgr├Â├čte Insel in der Region. Jamaika wurde 1494 von Kolumbus entdeckt und von den Spaniern besiedelt. Die Ureinwohner, die einst das heutige Jamaika bewohnten, wurden nach und nach ausgerottet und durch afrikanische Sklaven ersetzt. Im 17. Jahrhundert wurden die Spanier von den Engl├Ąndern besiegt, die daraufhin die Insel besetzten. Im Jahr 1962 erkl├Ąrte Jamaika seine Unabh├Ąngigkeit von Gro├čbritannien. Die Insel ist weltweit als Geburtsst├Ątte des Rastafarianusmus und der Reggae-Musik bekannt. Der Reggae-Musiker und S├Ąnger Bob Marley gilt weltweit als Ikone dieses Genres.

Obwohl Jamaika in j├╝ngster Zeit einen hohen Grad an Gewalt erlebt hat, sind die Ergebnisse von Wahlen immer anerkannt worden, und die politischen Institutionen verrichten ihre Arbeit. Die Wirtschaft des Landes basiert in hohem Ma├če auf dem Dienstleistungssektor. Die wichtigste S├Ąule ist der Tourismus aus Europa und den Vereinigten Staaten. Dennoch spielt auch der Export von Bauxit und Aluminium eine gro├če Rolle. Das Wirtschaftswachstum des Landes wird durch Korruption, eine hohe Arbeitslosigkeit - vor allem in einigen Landesteilen - und extrem hohe Kriminalit├Ątsraten gebremst. Jamaika hat au├čerdem eine der weltweit h├Âchsten Auslandsverschuldungen zu verzeichnen.

Nach Angaben des Human Development Index der Vereinten Nationen hat sich die Lebenssituation f├╝r die Menschen in Jamaika in den letzten Jahren gebessert. Das Land steht derzeit auf Platz 80 des HDI. Die Lebenserwartung ist relativ hoch und steigt weiter an. Dennoch leben nach wie vor Zehntausende von Menschen unter prek├Ąren sozio├Âkonomischen Bedingungen und haben keinen Zugang zu flie├čendem Wasser, sanit├Ąren Einrichtungen und menschenw├╝rdigen Behausungen. Die Arbeitslosigkeit ist vor allem im armen Teil der Bev├Âlkerung weit verbreitet. Jamaika leidet schwer unter dem hohen Ausma├č von Gewalt.

Es gab zahlreiche Berichte ├╝ber Polizisten, die ungestraft morden, und ├╝ber willk├╝rliche Festnahmen und Verhaftungen. Das Land weist mit ├╝ber 1600 T├Âtungsdelikten pro Jahr eine der h├Âchsten Raten von Gewalt und durch die Polizei ver├╝bten Mordtaten auf dem amerikanischen Kontinent auf. Im Jahr 2009 wurden offiziell 1680 Morde begangen - ein historisches Rekordhoch in der jamaikanischen Geschichte. Jedes Jahr werden viele wegen eines Verbrechens verurteilte Jamaikaner aus Gro├čbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten in ihre Heimat abgeschoben. Einigen Berichten zufolge k├Ânnte die steigende Mordrate mit der wachsenden Zahl von Straft├Ątern zusammenh├Ąngen, die aus diesen L├Ąndern nach Jamaika zur├╝ckkehren.

Die rivalisierenden Banden gehen vor allem in der Hauptstadt Kingston mit ├Ąu├čerster Gewalt vor. In einigen Gemeinden befinden sich gegnerische Banden "im Krieg" ├╝ber Gebietsanspr├╝che, was f├╝r die Bev├Âlkerung bedeutet, dass sie nach Einbruch der Dunkelheit ihre H├Ąuser nicht verlassen k├Ânnen, da sie sonst Gefahr laufen, erschossen zu werden. Die wachsende Gewalt gegen Homosexuelle stellt ein weiteres Problem dar. Homosexualit├Ąt ist in Jamaika nach wie vor gesetzlich verboten. Dar├╝ber hinaus weist das Land mit 1,7 Prozent eine relativ hohe HIV/AIDS-Pr├Ąvalenzrate auf. Wirtschaftlich gesehen stellt HIV/AIDS eine gro├če Bedrohung dar, da haupts├Ąchlich die Erwerbsbev├Âlkerung geschw├Ącht wird. Tausende von Kindern sind zu Aidswaisen geworden. Die Regierung hat mittlerweile eine Reihe von Programmen und Initiativen ins Leben gerufen, um diese Krankheit zu bek├Ąmpfen.

Von Gewalt gepr├Ągte Kindheit

Kinder benutzen den Computer, um ihre Haus├╝bungen zu machen. (Foto: SOS-Archiv).

Dank deutlicher Verbesserungen bei der Gesundheitsversorgung ist die Sterblichkeitsrate der Kinder unter f├╝nf Jahren seit den 90er Jahren in Jamaica leicht zur├╝ckgegangen. Dennoch leben nach wie vor etwa 15 Prozent der jamaikanischen Kinder in erdr├╝ckender Armut. Viele dieser Kinder m├╝ssen bereits in jungen Jahren ganze Haushalte f├╝hren und wachsen ohne elterliche F├╝rsorge auf.

Auf der Insel leben ca. 73 000 Waisenkinder, die ein oder beide Elternteile verloren haben. Zehntausende von Kindern sind in Jamaika bereits in jungen Jahren einem hohen Grad an Gewalt ausgesetzt. Einem Bericht zufolge gaben 60 Prozent der Kinder zwischen neun und 17 Jahren an, dass eins ihrer Familienmitglieder ermordet worden sei. Aufgrund der gro├čen Armut schlie├čen sich viele m├Ąnnliche Jugendliche Stra├čenbanden an. In vielen F├Ąllen f├╝hren die in der Kindheit erlebten Benachteiligungen zu Folgeproblemen im Teenageralter.

M├Ądchen werden h├Ąufig Opfer der weit verbreiteten sexuellen Gewalt. Obwohl die Regierung Bem├╝hungen zur Bek├Ąmpfung der Gewalt gegen Frauen unternommen hat, sind die Vergewaltigungszahlen in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Auch die Bek├Ąmpfung der Kinderarbeit ist in Jamaika ein nationales Anliegen. Nach Angaben von UNICEF m├╝ssen sechs Prozent der Kinder in Jamaika Kinderarbeit verrichten. F├╝r die Kinder in den Stra├čen von Kingston scheint Kindheit ein Luxus zu sein, den sich viele Familien schlichtweg nicht leisten k├Ânnen. Kleine Jungen verkaufen Kleinwaren auf den Stra├čen, putzen Windschutzscheiben oder betteln, um zu ├╝berleben.

SOS-Kinderdorf begann seine T├Ątigkeit in Jamaika im Jahr 1970, als der nationale jamaikanische SOS-Kinderdorf-Verein gegr├╝ndet wurde. SOS-Kinderdorf unterst├╝tzt Kinder und Jugendliche in Jamaika an zwei verschiedenen Standorten durch Kindertagesst├Ątten und medizinische Zentren. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht l├Ąnger bei ihren Familien bleiben k├Ânnen, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.

Website von SOS-Kinderdorf Jamaika
(verf├╝gbar auf Deutsch, Englisch und Spanisch)



Werden Sie jetzt SOS-Pate!


Teaser-klein-2


Mit 1 Euro am Tag schenken Sie einem Kind in Not ein liebevolles Zuhause. Dar├╝ber hinaus erm├Âglichen Sie Ihrem Patenkind eine Schulausbildung und damit die Chance seinen Berufswunsch zu erf├╝llen. Werden Sie jetzt SOS-Pate!