SOS-Kinderdorf Agadir

Der Tourismus wird in vielen afrikanischen L├Ąndern meist als wichtiger Beitrag zur lokalen und regionalen Entwicklung gesehen. Dennoch hat er auch seine Schattenseiten. In Agadir, einem beliebten marokkanischen Badeort, ist der Sextourismus in j├╝ngster Zeit im Ansteigen begriffen. Dieses Ph├Ąnomen ist eng mit dem hohen Grad von Armut und Ausgrenzung verkn├╝pft.

Die dunkle Seite des Tourismus

In unserer Obhut wachsen Kinder gemeinsam in einem liebevollen Zuhause auf (Foto: SOS-Archiv).
In unserer Obhut wachsen Kinder gemeinsam in einem liebevollen Zuhause auf (Foto: SOS-Archiv).

Die Stadt Agadir ist ein bekannter marokkanischer Badeort mit etwa 600 000 Einwohnern und liegt an der K├╝ste des Atlantischen Ozeans. Im Jahr 1960 wurde Agadir vom schwersten Erdbeben getroffen, das je auf dem afrikanischen Kontinent verzeichnet wurde. Fast ein Drittel der Bev├Âlkerung Agadirs kam bei dem schrecklichen Beben ums Leben, das die Stadt in Schutt und Asche legte.

Obwohl Marokko sicher nicht zu den ├Ąrmsten L├Ąndern Afrikas z├Ąhlt, steht die Sch├Ânheit der Str├Ąnde Agadirs in krassem Gegensatz zu der erdr├╝ckenden Armut, unter der Tausende von Menschen in der Stadt und der Umgebung leiden. Der Tourismus, der allgemein mit Wirtschaftswachstum und weiteren positiven Auswirkungen f├╝r die Gesellschaft in Verbindung gebracht wird, stellt jedoch manchmal auch eine Bedrohung f├╝r den schw├Ąchsten Teil der Bev├Âlkerung dar. Durch die Horden von Touristen, die in die Region str├Âmen, hat die Prostitution in Agadir zugenommen.

Manche Touristen aus arabischen und europ├Ąischen L├Ąndern suchen gezielt nach jungen, sogar minderj├Ąhrigen M├Ądchen aus benachteiligten Familien, die bereit sind, ihren K├Ârper zu verkaufen. Armut und Vernachl├Ąssigung durch die Eltern treiben viele jungen Menschen in Marokko in die kommerzielle Sexindustrie. Kinderprostituierte wissen meist wenig oder gar nichts ├╝ber die Gefahren von HIV/AIDS und die Art der ├ťbertragung. M├Ądchen und Jungen, die als Hausangestellte oder Stra├čenverk├Ąufer arbeiten, werden besonders in Marrakesch und Agadir h├Ąufig Opfer des Kindersex-Tourismus.

Die Zahl der jungen weiblichen Haushaltshilfen ("Petite Bonnes") bel├Ąuft sich landesweit auf ca. 70 000. Hausangestellte gibt es meist in den St├Ądten. Zahlreiche Kinder, die Kinderarbeit verrichten m├╝ssen, gehen nicht zur Schule. Nach einem Bericht des Staatssekretariats f├╝r Alphabetisierung und au├čerschulische Bildung besuchen in Marokko sch├Ątzungsweise 1,5 Millionen Kinder zwischen neun und f├╝nfzehn Jahren keine Schule. Unter solch harten sozio├Âkonomischen Bedingungen werden die Grundrechte der Kinder jeden Tag missachtet.

Familien leiden an Zerr├╝ttung

Aufgrund der Armut leidet eine beachtliche Zahl von Familien in und um Agadir an Zerr├╝ttung. Zahlreiche Eltern haben nicht gen├╝gend finanzielle Mittel, um ihre Kinder aufzuziehen. Infolgedessen landen viele Kinder auf der Stra├če und werden Opfer kommerzieller sexueller Ausbeutung. Von Stra├čenbanden angeworben, f├╝hren sie ein Leben voller Drogen und Gewalt.

SOS-Kinderdorf begann seine T├Ątigkeit in Marokko im Jahr 1985, um den verwaisten und vernachl├Ąssigten Kindern des Landes zu helfen. Unsere Arbeit in Agadir begann im Jahr 2008 mit dem Bau des dortigen Kinderdorfes. Obwohl viele Bereiche der regionalen Wirtschaft vom Tourismus profitieren, sind die Kinder in Agadir auf Schutz und Unterst├╝tzung angewiesen, da die sexuelle Ausbeutung zu einem der gr├Â├čten Probleme der Stadt geworden ist.

Unsere Arbeit in Agadir

Kinder vergn├╝gen sich auf dem Spielplatz (Foto: SOS-Archiv)
Kinder vergn├╝gen sich auf dem Spielplatz (Foto: SOS-Archiv)

Seit 2009 arbeitet SOS Kinderdorf in Agadir. 

Betreuung in Familien: Das SOS-Kinderdorf umfasst 14 SOS-Familien. Hier k├Ânnen Kinder, die aus unterschiedlichen Gr├╝nden die elterliche F├╝rsorge verloren haben, von liebevollen SOS-M├╝ttern betreut werden.

Das Dorf liegt im Zentrum einer Wohngegend, so dass die Kinder aus den SOS-Familien die Grund- und Sekundarschulen in der Umgebung besuchen k├Ânnen.

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