SOS-Kinderdörfer in Liberia

Die extreme Armut, Nachkriegstraumata und wirtschaftliche Entbehrungen machen das Leben in Liberia zu einer besonderen Herausforderung. Die Ebola-Epidemie hat zu weiterem Leid gefĂŒhrt: mehr als 4.800 Menschen starben, noch viel mehr sind betroffen und versuchen ihr Leben neu aufzubauen.

Jahrzehnte politischer InstabilitÀt haben die Infrastruktur zerstört

FlĂŒchtlingskinder auf ihrem Weg zur Schule (Foto: SOS-Archiv)
Dank der UnterstĂŒtzung von SOS-Kinderdorf können hunderte Kinder zur Schule gehen und einen Arzt aufsuchen (Foto: C. Ladavicius).
Liberia zĂ€hlt rund 4,5 Millionen Menschen (geschĂ€tzt 2015). Die Hauptstadt Monrovia ist gleichzeitig die grĂ¶ĂŸte Stadt, in der rund 25 % der Gesamtbevölkerung Liberias lebt.

In den vergangenen Jahrzehnten war Liberia von politischer InstabilitĂ€t geprĂ€gt. In den 1980er und 1990er Jahren erlebte das Land Zeiten autoritĂ€rer Herrschaft, UnterdrĂŒckung und einen grausamen, langanhaltenden BĂŒrgerkrieg. Rund 250.000 Menschen wurden getötet und noch mehr vertrieben.

Der liberianische BĂŒrgerkrieg zerstörte im Wesentlichen die Infrastruktur des Landes und fĂŒhrte zu lĂ€hmender Armut der Bevölkerung. Trotz ernsthafter Anstrengungen der gegenwĂ€rtigen Regierung, erwies sich der Wiederaufbau des kriegszerstörten Liberia als Ă€ußerst schwierige Aufgabe.

Auch die Ebola-Epidemie, die Liberia zwischen Mitte 2014 und Anfang 2016 heimsuchte, hatte schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der Familien. SchÀtzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge hat der Virus mehr als 4.800 Menschen das Leben gekostet. Noch viel mehr Menschen waren von der gelÀhmten Wirtschaftslage betroffen. Um die Ausbreitung des Virus zu verhindert, wurde der Personenverkehr gezielt eingeschrÀnkt. Die Menschen konnten weder zur Arbeit gehen noch ihre Produkte auf den MÀrkten verkaufen.
 

Das Land erholt sich langsam von der Ebola-Epidemie

Bereits vor der Ebola-Epidemie war Liberia eines der Àrmsten LÀnder Afrikas. Derzeit leben rund 82 % der Menschen in Armut. HÀufig ist die Grundversorgung, wie sauberes Trinkwasser, sanitÀre Einrichtungen und eine öffentliche Stromversorgung nicht gegeben. In den lÀndlichen Gebieten haben rund 30 % der Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser und nur 7 % zu sanitÀren Einrichtungen.

Liberias Gesundheitsversorgung steht ebenfalls vor großen Herausforderungen. Die medizinische Versorgung war von der Ebola-Epidemie schwer betroffen und kam aufgrund der hohen Anzahl an FĂ€llen an ihre Grenzen. Seit dieser Zeit ist es im Gesundheitswesen schwierig, das normale Pensum, beispielsweise die Betreuung von MĂŒttern, DurchfĂŒhrung von Impfkampagnen und die Behandlung und Kontrolle verbreiteter Krankheiten wie Malaria und UnterernĂ€hrung zu bewĂ€ltigen. Liberia hat auch eine hohe HIV/AIDS-Rate. 1,2 Prozent der Erwachsenen leiden an HIV/AIDS. Die Ebola-Epidemie hat auch deren Behandlung und Betreuung beeintrĂ€chtigt.

Rund 36 % der Bevölkerung leiden an chronischer UnterernĂ€hrung. Am stĂ€rken sind Menschen betroffen, die in lĂ€ndlichen Gebieten leben. Der Ebola-Ausbruch hat die Situation fĂŒr viele Familien noch verschlimmert, weil Eltern nicht mehr auf die MĂ€rkte gehen können und die Lebensmittelpreise aufgrund der Warenknappheit angestiegen sind.

Kinder und junge Menschen brauchen Bildung und Ausbildung


Seit 2005 bietet das SOS-medizinische-Zentrum in Monrovia medizinische Versorgung (Foto: N. Sanni).

In Liberia leben 2,1 Millionen Kinder unter 18 Jahre. Jahrzehntelange Konflikte und die jĂŒngste Ebola-Epidemie haben sich negativ auf das Leben der Kinder ausgewirkt, viele mussten von zu Hause fort und haben die elterliche Betreuung verloren.

Obwohl die Regierung in Schulen investiert hat und kostenlose Grundschulbildung anbietet, beenden nur 68 Prozent der Kinder die Grundschule. Oftmals können sich die Eltern die Zusatzkosten wie Transport, Bekleidung, SchulbĂŒcher und –materialien nicht leisten. Viele Familien sind so arm, dass sie darauf angewiesen sind, dass die Kinder zum Familieneinkommen beitragen. GeschĂ€tzte 21 Prozent der Kinder verrichten Arbeit.

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass die Reduzierung der Armut bei jungen Menschen zu StabilitĂ€t und Frieden fĂŒhrt und deshalb gab es große Anstrengungen, um die Arbeitsmöglichkeiten von jungen Menschen zu verbessern. Allerdings bedarf es noch grĂ¶ĂŸerer Anstrengungen. SchĂ€tzungen zufolge haben 85 Prozent der jungen Menschen keine Arbeit.
 

SOS-Kinderdorf in Liberia

SOS-Kinderdorf wurde 1978 in Liberia tĂ€tig.  

Familien stĂ€rken: Wir arbeiten mit lokalen Organisationen, um Familien zu unterstĂŒtzen, die gefĂ€hrdet sind auseinanderzubrechen. Jede Familie benötigt unterschiedliche UnterstĂŒtzung und wir bieten unter anderem materielle Hilfe, damit Kinder nahrhafte Mahlzeiten erhalten und in die Schule gehen können. DarĂŒber hinaus bieten wir auch Beratung und Schulung fĂŒr Eltern, damit sie fĂŒr ihre Familien Sorge tragen können.

Betreuung in SOS-Kinderdorf-Familien: Wenn Kinder, trotz aller UnterstĂŒtzung nicht mehr bei ihren Familien leben können, finden sie in einer SOS-Kinderdorf-Familie in einem der SOS-Kinderdörfer ein neues, liebevolles Zuhause.

Bildung: Aufgrund des Mangels an Bildungseinrichtungen im Land betreiben wir KindergÀrten, und eine Grund- und Sekundarschule in Monrovia und Juah Town.

Medizinische Betreuung: Aufgrund des Mangels an medizinischer Betreuung im Land betreibt SOS-Kinderdorf ein medizinisches Zentrum in Monrovia. WÀhrend des Ebola-Ausbruchs haben wir unsere Dienstleistungsangebote verstÀrkt.

UnterstĂŒtzung fĂŒr junge Menschen: FĂŒr junge Menschen ist es außerordentlich schwer, selbstĂ€ndig zu werden. Wir bieten junge Menschen, die die elterliche FĂŒrsorge verloren haben UnterstĂŒtzung und Schulung, bis sie in der Lage sind ein selbstĂ€ndiges Leben zu fĂŒhren.

Nothilfeprogramm: Im Jahr 2014 startete SOS-Kinderdorf ein Nothilfeprogramm aufgrund des Ebolavirus. Wir stellten Nahrungsmittel, Non-Food-GĂŒter und medizinische Betreuung zur VerfĂŒgung. Unser Fokus lag auf der Betreuung von Kindern, insbesondere jenen, die die elterliche FĂŒrsorge verloren haben. Als das Land als ebolafrei erklĂ€rt wurde, setzten wir unsere UnterstĂŒtzung fĂŒr die betroffenen Kinder und Familien fort.

Anwaltschaft: SOS-Kinderdorf arbeitet mit der Regierung und lokalen Behörden, um die Situation von Kindern und jungen Menschen im Land zu verbessern. 


 


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