26.04.26 |  Interview

Pädagogische Leitung mit Verantwortung: Ein Einblick in Davids Arbeitsalltag

David Arming ist seit einem Jahr als Pädagogischer Leiter bei SOS-Kinderdorf tätig. Dort ist er verantwortlich für das sogenannte Eltern-Kind-Wohnen und die ambulante Familienarbeit in Imst sowie bis vor kurzem auch für die ambulante Familienarbeit in Landeck. Seit kurzem übt er seine Funktion in der Krisenwohngruppe Imst aus. Ursprünglich war er einige Jahre lang als Sozialarbeiter tätig.

Im nachfolgenden Interview berichtet David Arming von den Besonderheiten der einzelnen Angebote sowie den Herausforderungen, mit welchen er in seiner beruflichen Tätigkeit konfrontiert ist.

"Das übergeordnete Ziel aller Maßnahmen ist die Stabilisierung und Unterstützung von Familiensystemen, um eine Fremdunterbringung der Kinder zu vermeiden."

 

Welchen Werdegang hast du hinter dir und welche Tätigkeiten hast du vor und bei SOS-Kinderdorf bereits ausgeübt?


Nach dem Abschluss des Sozialpädagogik-Kollegs in Stams, das ich berufsbegleitend absolvierte, sammelte ich erste Praxiserfahrungen als Praktikant im SOS-Clearing House Salzburg. Dort arbeitete ich mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen und gewann wichtige Einblicke in die Herausforderungen der Arbeit mit jungen Menschen in belastenden Lebenssituationen. Parallel dazu war ich als Betreuer im Feriencamp Caldonazzo tätig und vertiefte meine Kompetenzen in der Freizeitpädagogik. Im Anschluss arbeitete ich zwei Jahre lang als Betreuer in der Kinder- und Jugendwohngemeinschaft Nidus des Trägers KOKO in Salzburg, wo ich die alltägliche Begleitung und Förderung von Kindern und Jugendlichen in einem stationären Setting verantwortet habe. Es folgte ein weiteres Jahr als Betreuer in der Kinderwohngruppe in Imst, einer Wohngruppe mit einer reduzierten Belegung, was eine besonders intensive und individuelle Betreuung der dort lebenden Kinder und Jugendlichen ermöglichte. Zu einer weiteren Station zählte die Mitarbeit als Sprengelsozialarbeiter bei der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land, (BH Innsbruck, Kinder- und Jugendhilfe Innsbruck-Land) wo ich für die Beratung und Unterstützung von Familien im Bezirk zuständig war. In dieser Funktion lag mein Schwerpunkt auf der Beratung und Unterstützung von Familien im Bezirk, um passgenaue Hilfsangebote zu vermitteln und soziale Stabilität zu fördern.


Während meiner beruflichen Laufbahn als Sozialpädagoge und als Sozialarbeiter sammelte ich wertvolle Erfahrungen in der direkten Arbeit mit Kindern und Familien und lernte die unterschiedlichen Herausforderungen und Bedürfnisse von Familien kennen – wodurch ich ein tiefes Verständnis für die Bedeutung von Unterstützungssystemen entwickelt habe.


Im März 2025 übernahm ich eine neue, verantwortungsvolle Aufgabe im Kinderdorf Österreich. Ich übernahm die Pädagogische Leitung für das Eltern-Kind-Wohnen (EKIWO) und die ambulante Familienarbeit (AFA) in Imst sowie für die AFA in Landeck. In dieser Position war ich ein Jahr lang für die fachliche und organisatorische Leitung mehrerer Teams zuständig und bin maßgeblich für die Weiterentwicklung der Angebote verantwortlich. Seit kurzem übe ich meine Funktion als pädagogische Leitung in der Krisenwohngruppe Imst aus. Als Pädagogischer Leiter koordiniere ich die Betreuung von Familien sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Besonders wichtig ist mir dabei die enge Zusammenarbeit im Team, regelmäßige Supervision und die stetige Sicherung hoher Qualitätsstandards. Mein Ziel ist es, Familiensysteme so zu stärken, dass sie langfristig eigenständig und stabil bleiben – immer mit dem Fokus auf das Wohl der Kinder.


Ich setze mich dafür ein, dass Unterstützungsangebote wie AFA und EKIWO individuell auf die Bedürfnisse der Familien abgestimmt werden. Mit viel Einfühlungsvermögen und meiner über die Jahre gewonnene fachliche Expertise begleite ich Familien in herausfordernden Lebenssituationen und unterstütze meine Teams dabei, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Das übergeordnete Ziel aller Maßnahmen ist die Stabilisierung und Unterstützung von Familiensystemen, um eine Fremdunterbringung der Kinder zu vermeiden. Unterschiedliche Betreuungsformen wie AFA und EKIWO bieten je nach Bedarf und Intensität passende Unterstützung. Freiwilligkeit, Hilfe zur Selbsthilfe sowie Teamarbeit und Qualitätsstandards stehen im Vordergrund. Die Wahl der Maßnahme orientiert sich immer am Kindeswohl und an der konkreten Familiensituation.


Mein Anspruch an mich selbst ist es, für Kontinuität, Innovation und Menschlichkeit in der Kinder- und Jugendhilfe zu stehen. Mit meinem Beitrag und Engagement möchte ich Familien in schwierigen Zeiten beistehen und dafür sorgen, dass Kinder in einem sicheren und unterstützenden Umfeld aufwachsen können.


Wodurch unterscheiden sich die von dir betreuten unterschiedlichen Angebote im SOS-Kinderdorf? 


Die ambulante Familienarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass die Betreuung direkt in den Wohnungen der Familien durch aufsuchende Teams stattfindet. Ziel dieser Maßnahme ist es, Familien so zu unterstützen, dass eine Fremdunterbringung der Kinder möglichst vermieden und das Herkunftssystem gestärkt wird. 


Ein*e Betreuer*in ist eigenverantwortlich für die von ihr bzw. ihm betreuten Familien zuständig. Die Dauer der Betreuung ist nicht festgelegt und kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Im Mittelpunkt steht dabei die Hilfe zur Selbsthilfe – es soll keine Abhängigkeit von der Institution entstehen. Aufgrund der oft schwierigen Hintergründe der betreuten Familien werden häufig Tandem-Settings eingesetzt, bei denen zwei Fachkräfte gemeinsam arbeiten. Wichtig ist zudem eine klare Abgrenzung zur Haushaltshilfe: Es geht um Anleitung und Unterstützung, nicht um die Übernahme von Aufgaben. Der wichtigste Aspekt bleibt stets die Einschätzung, ob die Familie langfristig eigenständig bestehen kann.


Das Angebot Eltern-Kind-Wohnen stellt eine intensivere und vertiefende Form der Betreuung dar. Hier ziehen Familien in eine Einrichtung ein und werden engmaschig für maximal zwei Jahre begleitet. Das oberste Ziel dieser Maßnahme ist die Sicherstellung des Kindeswohls. In Imst stehen dafür aktuell drei Häuser und zwei Wohnungen zur Verfügung. Die Betreuung erfolgt in Tandems.


Die Betreuung erfolgt phasenweise, wobei die Restverantwortung stets bei den Eltern bleibt. Teamarbeit und regelmäßige Supervisionen sind essenziell, um die Qualität der Arbeit zu sichern. Wöchentliche Teamsitzungen sorgen für Austausch und Reflexion. Im ambulanten Bereich basiert die Betreuung zu 90 Prozent auf Freiwilligkeit – die Eltern unterschreiben die Betreuung eigenständig.


Aktuell besteht ein hoher Bedarf an Plätzen, insbesondere für Mutter-Kind-Einrichtungen. Entscheidend ist, dass Sinn und Notwendigkeit der Betreuung für die Familien nachvollziehbar sind. Besonders bei Ängsten gegenüber Kinder- und Jugendhilfe sind Beziehungsarbeit und Aufklärung in dieser Rolle zentral. Eine Betreuung wird beendet, wenn sie nicht mehr sinnvoll erscheint – sei es nach einer positiven Entwicklung, oder wenn sich im Rahmen einer sogenannten Clearing-Phase keine Fortschritte zeigen.


Das übergeordnete Ziel aller Maßnahmen ist die Stabilisierung und Unterstützung von Familiensystemen, um eine Fremdunterbringung der Kinder zu vermeiden. Unterschiedliche Betreuungsformen wie AFA und EKIWO bieten je nach Bedarf und Intensität passende Unterstützung. Freiwilligkeit, Hilfe zur Selbsthilfe sowie Teamarbeit und Qualitätsstandards stehen im Vordergrund. Die Wahl der Maßnahme orientiert sich immer am Kindeswohl und an der konkreten Familiensituation.

Was gefällt dir am besten an deiner Arbeit, was ist das Beste an deinem Job?


Am besten gefällt mir, dass ich miterleben und aktiv mitwirken darf, wie sich Kinder, Jugendliche und Eltern - aber auch Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen - im ambulanten & stationären Bereich entwickeln. Zu sehen, dass sich pädagogische Qualität unmittelbar auf Familien in herausfordernden Lebensabschnitten auswirkt und etwas bewirken kann, gibt meiner Arbeit Sinn und mir persönlich viel Hoffnung.


Was gefällt dir am besten an SOS-Kinderdorf, deinem Arbeitgeber?


Ich verbinde sehr viel mit dem Namen und dem Verein SOS-Kinderdorf, sowohl privat als auch beruflich. Ich habe das Gefühl, dass man sich nicht auf vergangenen Erfolgen ausruht, sondern stets bemüht ist, eine klare Werteorientierung zu schaffen und das gemeinsame Ziel zu verfolgen, mit Kindern, Jugendlichen und Eltern an nachhaltigen Perspektiven für den weiteren Lebensweg zu arbeiten.


Was sind die Herausforderungen in deinem Job?


Die sich ständig steigernde Komplexität der Arbeit, verbunden mit immer knapper werdenden Ressourcen - und dabei die Ziele "Weiterentwicklung pädagogischer Standards" und für Familien gewinnbringendes, fortschrittsorientiertes Arbeiten" nicht gänzlich zu verlieren.


Was bedeutet Professionalität für dich? Wie lebst du sie im Joballtag?


Professionalität ist für mich ein Sammelbegriff vieler einzelner, sehr wichtiger Teilbereiche, wie etwa fachliche Kompetenz, Haltung, Wertevermittlung, Reflexionsfähigkeit, Rollenklarheit, Verlässlichkeit und Verantwortung. Für mich persönlich bedeutet es, mit Herz bei der Sache zu sein, aber Entscheidungen auf fachlicher Ebene treffen zu können.

 

Hast du einen Tipp für neue Mitarbeiter*innen und Berufseinsteiger*innen, die sich für einen Job bei SOS-Kinderdorf interessieren?


Wenn ihr euch für einen Einstieg bei SOS-Kinderdorf interessiert, bringt vor allem Neugier, Offenheit und die Bereitschaft mit, zu lernen. Man muss nicht alles wissen - wichtig ist, dass man Fragen stellt, reflektiert und sich auf Beziehungen einlassen kann. Unsere Arbeit ist sinnstiftend, aber auch herausfordernd. Deshalb wird großer Wert auf Teamarbeit, fachliche Begleitung und Selbstfürsorge gelegt. Wer mit der passenden Haltung, Geduld und fachlichem Anspruch an sich selbst und an seine Kolleg*Innen arbeiten möchte, findet bei uns einen Ort, an dem Entwicklung stattfindet - sowohl bei Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien, als auch bei Mitarbeiter*Innen.

Vielen Dank, lieber David, für die spannenden Einblicke in deinen Werdegang und deine Tätigkeit bei SOS-Kinderdorf und weiterhin viel Erfolg!

 

 

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