Care Leaver Aylin

„Das Gefühl, es ist jemand da, wenn ich etwas brauche“ 

Aylin ist im SOS-Kinderdorf Seekirchen aufgewachsen. Für junge Menschen, die in Fremdbetreuung groß werden, endet die Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe oft mit dem 18. Geburtstag. Aylin ist eine Ausnahme. Sie kann auch heute noch auf Beziehungen aus ihrer Zeit bei SOS-Kinderdorf zählen.

Aylin, 19 Jahre, ist in Fremdbetreuung aufgewachsen. 

Aufwachsen mit stabilen Beziehungen

Für viele junge Menschen gehört es zum Großwerden dazu Rückhalt zu haben:  Jemanden, der zuhört, unterstützt oder einfach da ist. Für junge Menschen, die die Fremdbetreuung verlassen, endet diese Unterstützung jedoch oft mit dem 18. Geburtstag. 
Aylin ist eine Ausnahme. Sie kann auch heute noch auf Beziehungen aus ihrer Zeit bei SOS-Kinderdorf zählen. Ihre Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, dass Erwachsenwerden nicht plötzlich mit der Volljährigkeit endet und dass junge Menschen auch darüber hinaus Unterstützung brauchen. 

Aylin, 19 Jahre

 Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich Leute habe, auf die ich mich verlassen kann oder die ich um Hilfe bitten kann. Es ist einfach das Gefühl, es ist jemand da, wenn ich etwas brauche.

Aylin, 19 Jahre

Aylin kann im Alter von drei Jahren ins SOS-Kinderdorf Seekirchen. Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder, der damals noch ein Baby war, hat sie daraufhin ihre Kindheit und Jugend bis zum 15. Lebensjahr hier verbracht. Aylin ist eine von vielen tausenden Kindern und Jugendlichen in Österreich, die aus familiären Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen. Allein im Vorjahr waren es österreichweit rund 13.000 Kinder und Jugendliche, die in Fremdbetreuung waren.  

Aus der kleinen Aylin ist heute eine zielstrebige und selbstbewusste junge Frau geworden. Mit ihren 19 Jahren studiert sie und hat klare Vorstellungen für ihre Zukunft: Sie möchte im sozialen Bereich arbeiten und das mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verbinden. Geprägt wurde sie in ihrer Zeit im SOS-Kinderdorf, so Aylin: „Wir haben früh gelernt, dass wir Rücksicht nehmen müssen auf die anderen Kinder, das Miteinander ist dabei immer im Vordergrund gestanden“, so die Ehemalige. „Kinderdorf-Kinder tragen alle ihren Rucksack, jeder hat seine eigene Geschichte. Deshalb haben wir, denke ich, auch viel mehr Verständnis fürs Anderssein.  



Vorbereitung auf die Selbstständigkeit

Bei SOS-Kinderdorf wird Kindern und Jugendlichen früh beigebracht, Verantwortung zu übernehmen, von der Mithilfe im Haushalt bis hin zu Finanzen. Ziel ist dabei immer eine möglichst gute Verselbstständigung. Denn im Regelfall müssen Jugendliche ein Betreuungssetting mit Vollendung des 18. Lebensjahres verlassen, auch wenn sie das selbst nicht wollen und sind dann auf sich allein gestellt. Aylin hat hier großes Glück, denn sie hat nach wie vor ein enges Verhältnis zu ihrer ehemaligen Kinderdorf-Mutter. Außerdem kann sie als Care Leaverin auf die Begleitungsangebote von SOS-Kinderdorf zurückgreifen. 

Aylins Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn junge Menschen auch über die Volljährigkeit hinaus verlässliche Bezugspersonen haben. Sie zeigt aber auch, wie sehr gelingendes Erwachsenwerden von Beziehungen abhängt und warum es wichtig ist, dass Unterstützung nicht plötzlich mit 18 enden darf. 

Unser Angebot

Anlaufstellen für Care Leaver von SOS-Kinderdorf

Ehemalige SOS-Kinderdorf-Kinder erhalten in jedem Bundesland Beratung und Unterstützung, wenn sie als junge Erwachsene in schwierige Lebenssituationen geraten. So ermöglichen wir rasche, unbürokratische und unentgeltliche Hilfe und Beratung bei finanziellen, rechtlichen und psychischen Problemen an.

Beratungen finden zu folgenden Themen statt:

Wohnen, drohender Delogierung, Arbeit/Ausbildung, Partnerschaft/Familie, psychischer und physischer Gesundheit, persönlichen Krisen, Schriftverkehr mit Behörden, Finanzen, Rechtsfragen Haftentlassung, Sucht, Alltagsbewältigung, Therapie, etc.

Zusätzlich können im Rahmen der Beratung auch Begleitungen zu Terminen stattfinden, die den jungen Menschen allein vielleicht unangenehm sind. Eine Beratung kann (nahezu) überall stattfinden: Beim Spazierengehen, in den Räumlichkeiten der Beraterinnen, in einem Kaffeehaus, über WhatsApp/E-Mail/Telefon, etc.

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