SOS-Kinderdorf steht für Offenheit und Aufarbeitung. Gleichzeitig bittet die Organisation Medien und Öffentlichkeit um Sensibilität gegenüber Kindern, Jugendlichen und Betroffenen. Aufklärung und Schutz dürfen einander nicht widersprechen – beides ist Voraussetzung für verantwortungsvolle Berichterstattung und gesellschaftliches Vertrauen.
Versuchen Sie, die Medien in ihrer Berichterstattung einzuschränken?
Nein. Wir stellen uns der öffentlichen Aufarbeitung und stellen Medien alle relevanten Informationen unter Berücksichtigung des Personen- und Opferschutzes zur Verfügung. Gleichzeitig ist es unsere Verantwortung, auf die Folgen hinzuweisen: Unbedachte Bildaufnahmen oder eine überwältigende Medienpräsenz können für Kinder und Jugendliche retraumatisierend sein. Es geht daher nicht um Einschränkung, sondern um eine Bitte um Sensibilität im Umgang mit hochverletzlichen Menschen.
Was meinen Sie konkret mit den Folgen für Kinder und Jugendliche?
Viele der Kinder und Familien, die wir betreuen, sind ohnehin stark belastet. Wenn Kameras vor ihrem Zuhause stehen oder Bilder veröffentlicht werden, entstehen Angst, Verunsicherung und manchmal auch massive Krisen. Das betrifft den gesamten Alltag, von der Betreuung über die pädagogische Arbeit bis zur sozialen Dynamik in den SOS-Kinderdörfern. Auch ehemalige Betreute erleben aktuell, wie ihr früheres Zuhause infrage gestellt wird.
Aber Medien haben doch das Recht auf Aufklärung?
Absolut, und wir respektieren das. Aber Kinderschutz ist ein ebenso hohes Gut wie Transparenz. Wir bitten daher, dass Aufklärung und Sensibilität Hand in Hand gehen.
Haben Sie in der Vergangenheit Studien bewusst zurückgehalten?
Nein. Aber wir waren nicht transparent genug. Das ändern wir jetzt. Alle relevanten Unterlagen werden überprüft und, wo rechtlich zulässig, den Behörden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, immer unter Berücksichtigung des Opferschutzes.