Jugendliche sitzt mit ihrer Mutter auf einem Sofa, beide sind traurig und legen die Hände über ihre Gesichter
Kinderarmut – 20.12.23

Nationaler Aktionsplan zur Bekämpfung von Kinderarmut ist erst ein Anfang

Armutsbetroffene Familien haben deutlich weniger Möglichkeiten, ihre Kinder im Bildungssystem zu unterstützen. Aktionsplan der Bundesregierung ist möglicherweise ein erster Schritt.

Rund 353.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind in Österreich von Armut oder Ausgrenzung bedroht. Das zeigen die Zahlen der Statistik Austria. Um dem entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung heute den lange geforderten Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Kinderarmut präsentiert.

SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser begrüßt die Einigung, für ihn ist sie allerdings nur ein erster Schritt. „Das in Aussicht gestellte Programm hat schmerzliche Lücken und ist nicht besonders innovativ. Wir bedauern etwa, dass das österreichische Schulsystem abgesehen von der Frage des Schulessens und einem Ausbau der schulspezifischen Gesundheitsversorgung kaum in Zusammenhang mit Armutsbekämpfung gesehen wird. Fakt ist, dass soziale Benachteiligung an unseren Schulen nicht ausgeglichen, sondern weiter vertieft wird“, so Moser.

Er kritisiert, dass armutsbetroffene Familien deutlich weniger Möglichkeiten hätten, ihre Kinder im Bildungssystem zu unterstützen. Diese würden deshalb im Schnitt auch niedrigere Abschlüsse als Kinder von wirtschaftlich besser gestellten Familien erreichen. Das mache es schwierig, jemals aus der Armutsspirale auszubrechen.

Nicht nur Bildung, auch Armut wird in Österreich vererbt. Es ist wirklich schade, dass dieses zentrale Defizit wieder nicht aufgegriffen wurde.

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf Österreich

 

Als skurril bezeichnet der SOS-Kinderdorf Geschäftsführer, dass Staatssekretärin Claudia Plakolm im Zuge der heutigen Präsentation sowie des österreichischen Jugendberichtes den aktuellen Jugendcheck für Gesetzesentwürfe als österreichisches Erfolgsprojekt hervorhebe. „Hier von einer Erfolgsgeschichte zu reden ist mehr als erstaunlich. Egal mit welcher Kinderrechts- oder Jugendorganisation man redet, wir sind uns alle einig, dass dieser Jugendcheck nicht funktioniert und es dringend eine Überarbeitung des Instrumentes braucht. In seiner derzeitigen Ausgestaltung werden die Interessen von Kindern und Jugendlichen jedenfalls nicht ausreichend berücksichtigt.“

 

Weiter & unsicherer Weg zu mehr Chancen armutsbetroffener Kinder

Kritisch sieht Moser auch den Zeitpunkt. „Ein Nationaler Aktionsplan ist eine Absichtserklärung und keine langfristige Verpflichtung. Das Budget für 2024 ist beschlossen. So kurz vor der anstehenden Nationalratswahl im kommenden Jahr, hat die aktuelle Regierung also kaum Spielraum für die Umsetzung der Maßnahmen - ob die nächste diese halbwegs engagiert verfolgen wird, ist völlig offen.“ Tut sie es nicht, gebe es jedenfalls keine relevanten Konsequenzen, so Moser. Insofern müsse man leider sagen: „Ja, heute wurde ein kleiner Schritt getan, aber der Weg zu mehr Chancen für armutsbetroffene Kinder in Österreich ist noch ein sehr weiter und unsicherer. Wir verlieren immer mehr Zeit und damit setzen wir die Zukunft tausender Kinder in Österreich aufs Spiel.“

 

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