SOS-Kinderdorf in der Tschechischen Republik

SOS-Kinderdorf begann im Jahr 1969 seine TĂ€tigkeiten in Tschechien, als der GrĂŒnder unserer Organisation, Hermann Gmeiner, in die damalige Tschechoslowakei eingeladen wurde. SOS-Kinderdorf unterstĂŒtzt derzeit Kinder und Familien an drei Standorten in Tschechien.


Ein MĂ€dchen in unserer Obhut auf einem Ausflug. (Foto: SOS-Archiv)

Tschechien liegt in Mitteleuropa und grenzt im Nordosten an Polen, im SĂŒdosten an die Slowakei, im SĂŒden an Österreich und im Nordosten an Deutschland. Das Land hat 10,2 Millionen Einwohner, und Kinder unter 14 Jahren machen 15 Prozent der Bevölkerung aus. UngefĂ€hr drei Viertel der Bevölkerung leben in Stadtgebieten. Die Hauptstadt Prag ist mit 1,3 Millionen Einwohnern die grĂ¶ĂŸte Stadt.

Das heutige Tschechien wurde im Januar 1993 nach der “samtenen Scheidung” gegrĂŒndet, die die frĂŒhere Tschechoslowakei in zwei Staaten aufteilte.


Jugendliche im SOS-Kinderdorf Medlanky (Foto: SOS-Archiv)

Die zum Schutz der Kinderrechte ergriffenen Maßnahmen bleiben weiterhin unzureichend. Es gibt keinen nationalen Plan zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, und die Verantwortung fĂŒr den Kinderschutz ist auf verschiedene Abteilungen aufgeteilt, die nicht immer zusammenarbeiten.

In Tschechien leben sehr viele Kinder in veralteten Betreuungseinrichtungen. Der Hauptgrund dafĂŒr ist die mangelnde UnterstĂŒtzung von bedĂŒrftigen Familien, damit sie zusammenbleiben können. Wenn eine Familie beispielsweise obdachlos wird oder in wirtschaftliche Not gerĂ€t, leisten Sozialarbeiter hĂ€ufig keine UnterstĂŒtzung bei der Suche nach einer Unterkunft oder finanzielle Hilfe, sondern nehmen die Kinder aus den Familien heraus und bringen sie in staatlichen Pflegeheimen unter. Es gab zwar einige Verbesserungen im Betreuungssystem, aber die große Mehrheit der Institutionen wird den BedĂŒrfnissen der Kinder nicht gerecht - die Einrichtungen sind groß und nicht an die individuellen BedĂŒrfnisse der Kinder angepasst; Kinder dĂŒrfen nicht mitentscheiden, und es gibt wenig Kontakt zur Außenwelt.

In den Institutionen werden die Rechte der Kinder auf einen Umgang mit ihrer leiblichen Familie nicht gewahrt; die Kinder werden oft in Heimen untergebracht, die weit weg von zu Hause sind, und von ihren Geschwistern getrennt. Wenn die Kinder diese Institutionen verlassen, sind sie nicht in der Lage selbstÀndig zu leben, und laut staatlicher Angaben werden 41 Prozent kriminell.

Kinder aus Roma-Familien, Kinder mit Behinderungen, aus Migrantenfamilien und aus wirtschaftlich und sozial benachteiligten Familien sind besonders vom Verlust der elterlichen FĂŒrsorge bedroht. Roma-Kinder stellen mit 60 Prozent den grĂ¶ĂŸten Anteil aller Kinder in Betreuungsheimen dar. Ebenso wie Kinder mit Behinderungen werden sie in den staatlichen Institutionen nicht ausreichend betreut und integriert.

Die Anzahl der Kinder, die eine Schule besuchen, ist zwar relativ hoch, aber die QualitĂ€t der Schulbildung hĂ€ngt von der ethnischen Zugehörigkeit und dem Wohlstand der Eltern ab. Bei der Beurteilung zur Einschulung werden kulturelle und sprachliche Unterschiede oft nicht genĂŒgend berĂŒcksichtigt. Dies fĂŒhrt zur Ausgrenzung bestimmter Gruppen von Kindern.

Amnesty International hat die tschechischen Behörden angeklagt, nicht genĂŒgend gegen die “systematische Diskriminierung” von Roma-Kindern im Bildungssystem zu unternehmen. Roma-Kinder werden oft nicht gemeinsam mit anderen Kindern unterrichtet, und die QualitĂ€t der Bildung in den Schulen, die sie besuchen, ist oft niedriger als in anderen Bildungseinrichtungen.

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