SOS-Kinderdorf Lumbini

Im Bezirk Rupandehi herrscht nach wie vor große Armut, obwohl jedes Jahr tausende Pilger die Geburtsstätte von Buddha besuchen und der Tourismus hohe Wachstumsraten zu verzeichnen hat. Junge Mädchen aus armen, ländlichen Familien sind in besonderem Ausmaß von Diskriminierung, Verschleppung und Ausbeutung bedroht.

Prekäre Lebensbedingungen in den informellen Siedlungen

Eine SOS-Familie im Garten. (Foto: SOS-Archiv)
Eine SOS-Familie im Garten. (Foto: SOS-Archiv)

Das SOS-Kinderdorf Lumbini liegt nahe der Stadt Siddharthanagar (ehemals Bhairahawa) im Bezirk Rupandehi nahe der indischen Grenze und ist nur etwa 20 km von der Geburtsstätte des Gautama Buddha in Lumbini entfernt. Sowohl Buddhisten als auch Hindus, nach deren Glauben Buddha eine Inkarnation des Gottes Vishnu ist, pilgern an diese heilige Stätte. Siddharthanagar selbst hat knapp 100 000 Einwohner und ist ein wichtiges Handelszentrum in der Region.

Neben dem Mount Everest geh√∂rt Lumbini zu den wichtigsten Touristenattraktionen von Nepal. Der Tourismus hat neue Arbeitspl√§tze in der Region geschaffen. Einige Bewohner arbeiten in Hotels, im Fahrradverleih oder als Touristenf√ľhrer. Dennoch haben sich bislang die allgemeinen Lebensbedingungen der lokalen Bev√∂lkerung nicht wesentlich verbessert.

Nepal hatte in j√ľngster Zeit eine rasante Urbanisierung zu verzeichnen: w√§hrend 1991 nur 9,2 Prozent aller Nepalesen in den St√§dten lebten, waren es im Jahr 2011 bereits 17 Prozent. In Siddharthanagar herrscht jedoch gro√üer Mangel an Infrastruktur. Es fehlt an Stra√üen, Kommunikationssystemen, Wasserversorgung, Kanalisation und Strom. Das ungeplante Wachstum hat zu Umweltbelastungen und der Entstehung informeller Siedlungen gef√ľhrt. Die Lebensbedingungen in den Slums sind h√§ufig gesundheitssch√§dlich. Durch hohe √§rztliche Behandlungskosten und krankheitsbedingte Arbeitsunf√§higkeit werden viele Familien in noch tiefere Armut gest√ľrzt. Das Leid der ohnehin armen und gef√§hrdeten Familien wird dadurch weiter vergr√∂√üert.

Kinder brauchen Schutz und Hoffnung f√ľr die Zukunft

Aufgrund der Lage der Stadt an der 2800 km langen offenen Grenze zu Indien ist Siddharthanagar auch ein zentraler Umschlagplatz f√ľr den Menschenhandel. Sch√§tzungen zufolge werden jeden Tag zwischen 1300 und 2000 Menschen √ľber die Grenze nach Indien gebracht. Die Menschenh√§ndler werden nur selten aufgegriffen und strafrechtlich verfolgt. Am st√§rksten gef√§hrdet sind Frauen und M√§dchen aus armen Familien, ethnischen Minderheiten und niedrigen Bildungsschichten, die meist ihre Rechte nicht kennen und nicht wissen, wen sie um Unterst√ľtzung bitten k√∂nnten.

Viele M√§dchen erliegen den falschen Versprechungen der Menschenh√§ndler von gutbezahlter Arbeit und einem besseren Leben in der Gro√üstadt. In ganz Nepal, aber besonders in den l√§ndlichen Gebieten werden Jungen bevorzugt behandelt: sie erhalten meist mehr Nahrung, mehr Bildung und eine bessere medizinische Versorgung. „M√§dchen gro√üzuziehen ist wie den Garten des Nachbarn zu gie√üen“ - so lautet ein nepalesisches Sprichwort. Zahlreiche verschleppte M√§dchen m√ľssen unter sklaven√§hnlichen Bedingungen Hausarbeiten oder kommerzielle Sexarbeit in Bordellen verrichten.

Unsere Arbeit in Lumbini

Kinder aus dem Kinderdorf lernen, wie man einen Computer bedient (Foto: SOS-Archiv)
Kinder aus dem Kinderdorf lernen, wie man einen Computer bedient (Foto: SOS-Archiv)

Angesichts des gro√üen Bedarfs an familiennaher Betreuung in der Region wurde im Jahr 2010 das SOS-Kinderdorf Lumbini er√∂ffnet. Kinder, die nicht l√§nger bei ihren Eltern leben k√∂nnen, finden in Lumbini in einer der 15 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M√ľttern f√ľrsorglich betreut.

In den letzten Jahren gab es einen erh√∂hten Bedarf an Unterst√ľtzung innerhalb der Gemeinschaft. Das SOS-Familienst√§rkungsprogramm gew√§hrleistet, dass gef√§hrdete Familien Zugang zu Grundversorgungsg√ľtern und Dienstleistungen wie medizinischer Betreuung und Bildung haben. Wir bieten auch Schulungen und Beratungen f√ľr Eltern, damit sie finanziell unabh√§ngig werden und f√ľr ihre Kinder selbst sorgen k√∂nnen.

Bis zu 80 Kinder aus dem SOS-Kinderdorf und der Nachbarschaft besuchen zusammen den SOS-Kindergarten. Sie erhalten Vorschulunterricht und werden auf den Schulbesuch vorbereitet. Die Kinder aus den SOS-Familien schließen im Kindergarten Freundschaften und sind dadurch bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert.

√Ąltere Kinder werden in den √∂rtlichen Schulen unterrichtet. Alle Kinder in unserer Obhut erhalten bei Bedarf Nachhilfeunterricht. Dar√ľber hinaus werden im Kinderdorf zahlreiche Freizeitveranstaltungen angeboten. Wir organisieren sportliche Wettk√§mpfe, Tanz- und Gesangsgruppen und traditionelle Volksfeste. Die Kinder selbst haben den „Lumbini-Kinderclub“ zur Unterst√ľtzung notleidender Kinder aus den umliegenden Gemeinden ins Leben gerufen.


 



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