SOS-Kinderdörfer in Armenien

Nach dem verheerenden Erdbeben von 1988 in Spitak, bei dem 25 000 Menschen getötet und eine halbe Million Menschen in Armenien obdachlos wurden, beschloss SOS-Kinderdorf ein Soforthilfeprogramm fĂŒr Kinder anzubieten, die ihre Eltern verloren hatten. Kurze Zeit spĂ€ter begann die Organisation ihre langfristig angelegte Arbeit in Kotayk, das direkt an das zerstörte Gebiet angrenzt. Seit dieser Zeit unterstĂŒtzt SOS-Kinderdorf Kinder, junge Menschen und Familien in Armenien und unterhĂ€lt derzeit Einrichtungen und Programme an drei verschiedenen Standorten.

Ein Binnenland an der Grenze zwischen Europa und Asien

Kinder in unserer Obhut wachsen gemeinsam in einem liebevollen Zuhause auf (Foto: K. Ilievska).
Kinder in unserer Obhut wachsen gemeinsam in einem liebevollen Zuhause auf (Foto: K. Ilievska).

Die Republik Armenien ist ein Bergland an der Grenze zu Westasien und liegt zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Sie grenzt im SĂŒdosten an den Iran, im Osten an Aserbaidschan, im SĂŒdwesten und Westen an die TĂŒrkei und im Norden an Georgien. In Armenien leben ca. drei Millionen Menschen, die Hauptstadt Jerewan hat ungefĂ€hr eine Million Einwohner.
Armenien wurde 1991 offiziell als unabhÀngiger Staat anerkannt. Die Jahre nach der UnabhÀngigkeit von der Sowjetunion waren von Schwierigkeiten geprÀgt. Armenien litt unter wirtschaftlicher InstabilitÀt und war Schauplatz von gewalttÀtigen Auseinandersetzungen zwischen Karabach-Armeniern und Aserbaidschanern. 1994 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, aber bis dahin hatten ca. 30 000 Menschen ihr Leben verloren, und eine Million Menschen waren zu Vertriebenen geworden.

Eine Gesellschaft mit einer tiefen Kluft zwischen Stadt und Land

Die komplexen diplomatischen Beziehungen Armeniens zu seinen Nachbarn TĂŒrkei und Aserbaidschan hatten negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und somit auch auf das Leben der einfachen BĂŒrger. Berichte internationaler Organisationen belegen, dass 35 Prozent der Bevölkerung in Armut leben. Die Arbeitslosenquote betrĂ€gt 17 Prozent.

Die Menschen in lĂ€ndlichen Gebieten sind aufgrund der schlechten Infrastruktur und weniger BeschĂ€ftigungsmöglichkeiten benachteiligt. Sauberes Wasser und sanitĂ€re Einrichtungen sind nicht immer vorhanden und die QualitĂ€t der Gesundheitsversorgung ist auf dem Land nach wie vor schlecht. Die Anzahl der Kinder in lĂ€ndlichen Gebieten, die vor Erreichen des fĂŒnften Lebensjahres sterben, ist fast doppelt so hoch wie bei Kindern, die in StĂ€dten leben. Als Folge der Abwanderung in die StĂ€dte oder ins Ausland sind einige lĂ€ndliche Gebiete von Entvölkerung bedroht.

Seit 1990 sind in Armenien die Bevölkerungszahlen aufgrund der Auswanderung von Menschen auf der Suche nach einem höheren Lebensstandard gesunken. Bargeldsendungen, die von im Ausland lebenden Armeniern nach Hause geschickt werden, machen seither einen wichtigen Anteil des armenischen Bruttoinlandsproduktes aus.

Es ist notwendig, in die Zukunft der Kinder zu investieren.

Dank der UnterstĂŒtzung von SOS-Kinderdorf, kann dieses kleine MĂ€dchen wieder bei seiner leiblichen Mutter wohnen (Foto: K. Ilievska).
Dank der UnterstĂŒtzung von SOS-Kinderdorf, kann dieses kleine MĂ€dchen wieder bei seiner leiblichen Mutter wohnen (Foto: K. Ilievska).

Das Familienleben hat sich aufgrund der jĂŒngeren sozialen, wirtschaftlichen und politischen VerĂ€nderungen ebenfalls gewandelt. Viele Eltern, vor allem VĂ€ter, sind auf der Suche nach Arbeit ausgewandert. Der typische armenische Wanderarbeiter ist verheiratet, mĂ€nnlich und zwischen 41 und 50 Jahren alt. Die Frauen, die zurĂŒckbleiben, finden es schwieriger, Arbeit zu finden und verdienen weniger als ihre mĂ€nnlichen Kollegen. Dies wirkt sich auf das Leben der Kinder in ihrer Obhut. SchĂ€tzungsweise vier Prozent der Kinder unter 14 Jahren gehen arbeiten, um mehr Geld fĂŒr die Familie zu verdienen.

Obwohl sich die Situation in den letzten Jahren verbessert hat, erhĂ€lt der Gesundheits- und Bildungssektor erhĂ€lt nach wie vor nicht genĂŒgend staatliche Förderung. Die Regierung hat die Verbesserung des Bildungssystems zur PrioritĂ€t erklĂ€rt. Was das Gesundheitssystem angeht, haben MĂŒtter und Kinder vor allem in lĂ€ndlichen Regionen nur schwer Zugang zu qualitativ hochwertiger GesundheitsfĂŒrsorge.

Trotz der jĂŒngsten Initiativen erhalten die Familien nicht die UnterstĂŒtzung, die sie benötigen, um selbst fĂŒr ihre Kinder sorgen zu können. Infolgedessen besteht die Mehrzahl der Kinder in Pflegeheimen aus sogenannten "Sozialwaisen", bei denen ein oder beide Elternteile noch leben. Sie werden oft aufgrund von Armut oder daraus resultierenden Folgen in Pflegeheime gegeben. Die meisten werden nach wie vor in WaisenhĂ€usern untergebracht, von denen einige bereits seit der Sowjetzeit existieren. Kinder, die in diesen Einrichtungen aufwachsen, sind oft stigmatisiert, was fĂŒr ihre zukĂŒnftige Entwicklung hinderlich ist. Alternative Betreuungsmöglichkeiten sind besonders fĂŒr Kinder mit Behinderungen nur sehr begrenzt vorhanden.

SOS-Kinderdorf in Armenien
Das erste SOS-Kinderdorf wurde 1990 in Kotayk eröffnet. 1995 öffnete der SOS-Kindergarten seine Pforten, in dem Kinder aus der Umgebung durch qualifizierte FachkrĂ€fte betreut werden. 2006 begann SOS-Kinderdorf mit der EinfĂŒhrung von FamilienstĂ€rkungsprogrammen. Diese Programme arbeiten direkt mit Familien, Gemeinden, Kommunalbehörden und anderen Dienstleistern zusammen, um es Familien zu ermöglichen, ihre Kinder effizient zu versorgen. Dadurch stellt SOS-Kinderdorf sicher, dass Kinder in ihren eigenen Familien aufwachsen können. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht lĂ€nger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.

Im Jahr 2014 begannen wir in Yerevan ein Nothilfeprogramm, fĂŒr die syrisch-armenische FlĂŒchtlinge. Wir unterstĂŒtzten 300 Kinder aus 150 Familien durch Unterkunft und medizinische Versorgung, Bildung und finanzielle Subventionen. 

 

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