SOS-Kinderdörfer in Armenien

Nach dem verheerenden Erdbeben von 1988 in Spitak, bei dem 25 000 Menschen get√∂tet und eine halbe Million Menschen in Armenien obdachlos wurden, beschloss SOS-Kinderdorf ein Soforthilfeprogramm f√ľr Kinder anzubieten, die ihre Eltern verloren hatten. Seit dieser Zeit unterst√ľtzt SOS-Kinderdorf Kinder, junge Menschen und Familien in Armenien und unterh√§lt derzeit Einrichtungen und Programme an drei verschiedenen Standorten. Angesichts j√ľngster Entwicklungen unterst√ľtzen wir Kinder und Familien, die vom Konflikt in Berg-Karabach betroffen sind.

Ein Binnenland an der Grenze zwischen Europa und Asien

Kinder in unserer Obhut wachsen gemeinsam in einem liebevollen Zuhause auf (Foto: K. Ilievska).
Kinder in unserer Obhut wachsen gemeinsam in einem liebevollen Zuhause auf (Foto: K. Ilievska).

Die Republik Armenien ist ein Bergland an der Grenze zu Westasien und liegt zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Sie grenzt im S√ľdosten an den Iran, im Osten an Aserbaidschan, im S√ľdwesten und Westen an die T√ľrkei und im Norden an Georgien. In Armenien leben ca. drei Millionen Menschen, die Hauptstadt Jerewan hat ungef√§hr eine Million Einwohner.


Armenien wurde 1991 offiziell als unabhängiger Staat anerkannt. Die Jahre nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion waren von Schwierigkeiten geprägt. Armenien litt unter wirtschaftlicher Instabilität und war Schauplatz von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Karabach-Armeniern und Aserbaidschanern. 1994 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, aber bis dahin hatten ca. 30 000 Menschen ihr Leben verloren, und eine Million Menschen waren zu Vertriebenen geworden.

Am 27. September 2020 brachen in der Region Kämpfe zwischen armenischen und aserbaidschanischen Streitkräften aus. Beide Seiten meldeten Opfer unter Soldaten und der Zivilbevölkerung.

Eine Gesellschaft mit einer tiefen Kluft zwischen Stadt und Land

Berichte internationaler Organisationen belegen, dass 29 Prozent der Bevölkerung in Armut leben. Die Arbeitslosenquote beträgt 18 Prozent.


Die Menschen in l√§ndlichen Gebieten sind aufgrund der schlechten Infrastruktur und weniger Besch√§ftigungsm√∂glichkeiten benachteiligt. Sauberes Wasser und sanit√§re Einrichtungen sind nicht immer vorhanden und die Qualit√§t der Gesundheitsversorgung ist auf dem Land nach wie vor schlecht. Die Anzahl der Kinder in l√§ndlichen Gebieten, die vor Erreichen des f√ľnften Lebensjahres sterben, ist fast doppelt so hoch wie bei Kindern, die in St√§dten leben.

Seit 1990 sind in Armenien die Bevölkerungszahlen aufgrund der Auswanderung von Menschen auf der Suche nach einem höheren Lebensstandard gesunken. Bargeldsendungen, die von im Ausland lebenden Armeniern nach Hause geschickt werden, machen seither einen wichtigen Anteil des armenischen Bruttoinlandsproduktes aus.

Es ist notwendig, in die Zukunft der Kinder zu investieren.

Dank der Unterst√ľtzung von SOS-Kinderdorf, kann dieses kleine M√§dchen wieder bei seiner leiblichen Mutter wohnen (Foto: K. Ilievska).
Dank der Unterst√ľtzung von SOS-Kinderdorf, kann dieses kleine M√§dchen wieder bei seiner leiblichen Mutter wohnen (Foto: K. Ilievska).

Das Familienleben hat sich aufgrund der j√ľngeren sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ver√§nderungen ebenfalls gewandelt. Viele Eltern, vor allem V√§ter, sind auf der Suche nach Arbeit ausgewandert. Der typische armenische Wanderarbeiter ist verheiratet, m√§nnlich und zwischen 41 und 50 Jahren alt. Die Frauen, die zur√ľckbleiben, finden es schwieriger, Arbeit zu finden und verdienen weniger als ihre m√§nnlichen Kollegen. Dies wirkt sich auf das Leben der Kinder in ihrer Obhut. Sch√§tzungsweise vier Prozent der Kinder unter 14 Jahren gehen arbeiten, um mehr Geld f√ľr die Familie zu verdienen.


Obwohl sich die Situation in den letzten Jahren verbessert hat, erh√§lt der Gesundheits- und Bildungssektor erh√§lt nach wie vor nicht gen√ľgend staatliche F√∂rderung. Die Regierung hat die Verbesserung des Bildungssystems zur Priorit√§t erkl√§rt.
Trotz der j√ľngsten Initiativen erhalten die Familien nicht die Unterst√ľtzung, die sie ben√∂tigen, um selbst f√ľr ihre Kinder sorgen zu k√∂nnen. Kinder werden oft aufgrund von Armut oder daraus resultierenden Folgen in Pflegeheime gegeben. Die meisten werden nach wie vor in Waisenh√§usern untergebracht, von denen einige bereits seit der Sowjetzeit existieren. Kinder, die in diesen Einrichtungen aufwachsen, sind oft stigmatisiert.



SOS-Kinderdorf in Armenien

Familienst√§rkungsprogramme: Wir arbeiten mit lokalen Einrichtungen, um Familien zu unterst√ľtzen, damit sie zusammenbleiben k√∂nnen. Wir bieten psychologische Unterst√ľtzung, gew√§hrleisten, dass Kinder die Schule besuchen k√∂nnen und medizinische Hilfe erhalten, wenn sie sie ben√∂tigen.


Betreuung in SOS-Kinderdorf-Familien: Wenn Kinder nicht mehr bei ihren leiblichen Familien bleiben k√∂nnen, werden sie in einer SOS-Familie betreut. Wo immer es m√∂glich ist , arbeiten wir eng mit den Herkunftsfamilien der Kindern zusammen, damit diese in ihre Familien zur√ľckkehren k√∂nnen. Wir unterst√ľtzen die Familien w√§hrend der Zeit des Wandels und Anpassung.


Jugendprogramme: Wir unterst√ľtzen junge Menschen, bis sie in der Lage sind, ein selbst√§ndiges Leben zu f√ľhren. Gro√üe Aufmerksamkeit wird darauf gelegt, sicherzustellen, dass sie die richtige Bildung und Schulung erhalten, um Arbeit zu finden.
Nothilfeprogramm: Im Oktober 2020 begann die Planung f√ľr die Provision von Notfallhilfe f√ľr Kinder und Familien, die vom Berg-Karabach-Konflikt betroffen sind. Diese Hilfeleistung wurde an die jeweiligen Bed√ľrfnisse angepasst und umfasste medizinische und psychologische Unterst√ľtzung. Kinder, die von ihren Familien getrennt wurde, wurden in Schutz genommen und umsorgt.

 



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