SOS-Kinderdörfer in Brasilien

Die Arbeit von SOS-Kinderdorf in Brasilien begann Ende der 60er Jahre. Obwohl Brasilien in den letzten Jahren ein stetiges Wirtschaftswachstum zu verzeichnen hatte, konnten immer noch weite Teile der Bev√∂lkerung bislang nicht vom Fortschritt ihres Landes profitieren. Die sozio√∂konomische Situation f√ľr die Menschen in den Vororten vieler Gro√üst√§dte und in l√§ndlichen Gebieten ist √§u√üerst prek√§r.

Ein rasantes Wirtschaftswachstum

Beim Geburtstagsfeier (Foto: P. Wittmannl)
Beim Geburtstagsfeier (Foto: P. Wittmannl)

Die Republik Brasilien ist das gr√∂√üte Land auf dem s√ľdamerikanischen Kontinent und grenzt im Norden an Venezuela, Guyana, Surinam und Franz√∂sisch-Guyana, im S√ľden an Uruguay, im S√ľdosten an Argentinien und Paraguay, im Westen an Bolivien und Peru sowie im Nordwesten an Kolumbien. Die Landeshauptstadt ist Brasilia, obwohl sowohl Rio de Janeiro als auch Sao Paolo aufgrund ihrer Bedeutung als touristische Reiseziele die bekannteren St√§dte sind. Die Bev√∂lkerung des Landes bel√§uft sich auf ca. 198 Millionen.

Nach mehr als drei Jahrhunderten unter portugiesischer Herrschaft erkl√§rte Brasilien im Jahr 1822 seine Unabh√§ngigkeit. In den letzten Jahren war Brasilien durch ein stetiges Wirtschaftswachstum gekennzeichnet, das derzeit ca. 5 Prozent pro Jahr betr√§gt. Die Entdeckung gro√üer Offshore-√Ėlvorkommen k√∂nnte der Wirtschaft des Landes einen weiteren Aufschwung verleihen. Brasilien geh√∂rt mittlerweile zu der Gruppe der jungen aufstrebenden Wirtschaftsm√§chte, die auch als "BRICs" bezeichnet werden - ein Akronym f√ľr Brasilien, Russland, Indien und China.

Trotz des wirtschaftlichen Fortschritts leben viele Brasilianer in Armut

Im Laufe des letzten Jahrzehntes hat Brasilien seine Position im Ranking stetig verbessert. Das Armutsniveau wurde w√§hrend der Amtszeit von Pr√§sident Lu√≠s Ignacio da Silva (“Lula”) deutlich gesenkt. W√§hrend im Jahr 2003 ca. 38 Prozent der Brasilianer unterhalb der Armutsgrenze lebten, war diese Zahl bis im Jahr 2011 auf etwa 21 Prozent gesunken. Dennoch ist die extreme Armut in vielen Landesteilen nach wie vor weit verbreitet, vor allem im Nordosten und in den gr√∂√üten Stadtzentren des Landes. Fast jeder vierte Brasilianer fristet ein Dasein in Baracken, in denen es nur selten Zugang zu sauberem Trinkwasser oder eine Stromversorgung gibt. Die ungleiche Verteilung der Einkommen ist auch im heutigen Brasilien ein gro√ües Problem. Es gibt eine tiefe Kluft zwischen arm und reich, was zu einer sozialen und wirtschaftlichen Spaltung des Landes f√ľhrt.

Die Entwaldung des Amazonas-Gebietes, die von zahlreichen NGOs und Umweltschutzvereinigungen scharf kritisiert wird, ist nach wie vor ein Thema von sowohl nationalem als auch globalem Interesse. Ein großer Teil der Regenwälder des Amazonas, in denen eine Vielzahl indigener brasilianischer Stämme beheimatet sind, wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte zerstört.

Die rasant zunehmende Kriminalit√§t ist in den gr√∂√üten St√§dten des Landes ein ernstes Problem. Sao Paolo und Rio de Janeiro geh√∂ren zu den gef√§hrlichsten Stadtzentren in Nord- und S√ľdamerika. In den Favelas ist das Leben Tausender Brasilianer von extremer Armut und unvorstellbaren sozialen Lebensbedingungen gepr√§gt. Es gibt keine geregelte Trinkwasserversorgung, keine Stromversorgung und keine Abwasserkanalisation.

Wegen der Armut sind Kinder gezwungen zu arbeiten

Mädchen im SOS-Kinderdorf (Foto: P. Wittmann)
Mädchen im SOS-Kinderdorf (Foto: P. Wittmann)

Brasilien ist – demographisch gesehen – ein sehr junges Land; ca. 25 Prozent der Bewohner des Landes sind j√ľnger als 15 Jahre. In den Regionen mit einer hohen Arbeitslosenquote laufen Kinder h√§ufig Gefahr, in einer unsicheren h√§uslichen Umgebung aufzuwachsen. Die Kinderarmut ist vor allem im Nordosten des Landes weit verbreitet. Sehr h√§ufig m√ľssen kleine Kinder arbeiten, um eine ganze Familie mit Nahrung zu versorgen.

1,5 Millionen Kinder in Brasilien leben in Behausungen, die keine festen W√§nde haben. Im Amazonas-Gebiet leben erschreckende 97 Prozent der Kinder ohne ein funktionierendes Abwassersystem, wodurch diese Kinder f√ľr Krankheiten aller Art sehr anf√§llig sind. Unterern√§hrung und Ern√§hrungsunsicherheit sind auch im heutigen Brasilien nach wie vor anhaltende Probleme.

Die Regierung hat mittlerweile soziale F√ľrsorgeprogramme wie z.B. die “Bolsa Familia” ins Leben gerufen, um den Hunger und die extreme Armut von Familien mit niedrigen Einkommen zu bek√§mpfen. In den gr√∂√üten St√§dten des Landes, vor allem in Rio de Janeiro und S√£o Paulo, landen Kinder ohne elterliche F√ľrsorge h√§ufig auf der Stra√üe, wo sie der Gewalt von Stra√üenbanden, sexuellem Missbrauch und Drogenabh√§ngigkeit ausgesetzt sind. Die meisten von ihnen m√ľssen Kinderarbeit verrichten - sie putzen Schuhe oder verkaufen Kleinwaren an Ampeln oder am Stra√üenrand.
 

SOS-Kinderdorf in Brasilien

Die ersten SOS-Kinderd√∂rfer wurden in Brasilia, Porto Alegre und Po√° errichtet. Die sozio√∂konomische Lage von Millionen von Menschen wurde durch die Wirtschaftskrise weiter verschlimmert, unter der das Land mehrere Jahre gelitten hatte. Im Jahr 2003 rief die Organisation ein SOS-Familienst√§rkungsprogramm ins Leben, um vom Verlust der famili√§ren F√ľrsorge bedrohten Kindern und Jugendlichen zu helfen. Derzeit unterst√ľtzt unsere Organisation brasilianische Kinder und Jugendliche an landesweit verschiedenen Standorten durch Kindertagesst√§tten, Schulen, medizinische Zentren und Berufsbildungszentren. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht l√§nger bei ihren Familien leben k√∂nnen, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung.
 

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