SOS-Kinderdorf Gikongoro

Der V├Âlkermord von 1994 hat in Ruanda tausende Menschenleben gekostet, die ohnehin unterentwickelte Infrastruktur des Landes komplett zerst├Ârt und das Land einer ganzen Generation von Lehrern, ├ärzten und Beamten beraubt. Bis heute hat Ruanda nur ein sehr schwaches soziales Gef├╝ge.

Dringender Bedarf an einer neuen Generation von ausgebildeten Fachkr├Ąften


Zwei Jungen auf der Wiese im SOS-Kindergarten (Foto: S. Vinamont)

Gikongoro liegt im Verwaltungsbezirk Nyamagabe in der S├╝dprovinz von Ruanda. Der Bezirk Nyamagabe umfasst die ├Âstliche H├Ąlfte des Nyungwe-Regenwaldes. Aufgrund der hier lebenden Schimpansen und anderen Primaten kommen immer wieder Touristen in die Region.

Die Lebensbedingungen sind sehr hart. Lediglich 52 Prozent der Ruander haben Zugang zu sauberem Wasser. Hier im S├╝den des Landes ist die Lage besonders kritisch. W├Ąhrend im Norden ausreichend Wasser aus Bergquellen vorhanden ist, leidet die Bev├Âlkerung im S├╝den immer wieder an Wasserknappheit. Das verschmutzte und verunreinigte Trinkwasser f├╝hrt zu zahlreichen wasserbedingten Krankheiten. 40 Prozent aller Patienten in den Gesundheitszentren sind an Malaria erkrankt, und auch HIV/AIDS stellt ein gro├čes Problem der ├Âffentlichen Gesundheit dar.

Viele Familien werden durch Krankheit in noch tiefere Armut gest├╝rzt. Die meisten Menschen sind Subsistenzbauern - wenn sie nicht arbeiten k├Ânnen, haben sie nichts zu essen. Es mangelt an Sozialf├╝rsorge, kostenloser medizinischer Versorgung und Unterst├╝tzungsnetzwerken in den Gemeinden.

Im Verwaltungsbezirk Nyamagabe gibt es 263 LehrerInnen. Die meisten sind zwar ausgebildet, arbeiten aber als Freiwillige und werden gelegentlich von den Eltern der Sch├╝lerInnen bezahlt. Da die meisten Schulen w├Ąhrend des Krieges zerst├Ârt worden waren, wird der Unterricht h├Ąufig in kirchlichen oder privaten Geb├Ąuden abgehalten. Meist gibt es weder flie├čendes Wasser noch Strom oder sanit├Ąre Einrichtungen. Es herrscht gro├čer Mangel an Unterrichtsmaterial, einem nationalen Lehrplan und weiterem gut ausgebildeten Lehrpersonal. Die durchschnittliche Klassengr├Â├če liegt derzeit bei 33 Sch├╝lerInnen, obwohl l├Ąngst nicht alle Kinder zur Schule gehen.

Der Mangel an ausgebildeten Fachkr├Ąften ist ein landesweites Problem und trifft besonders den landwirtschaftlichen Sektor, in dem der Gro├čteil der Bev├Âlkerung arbeitet. Fehlende Kenntnisse ├╝ber moderne Anbaumethoden und veraltete Ger├Ąte f├╝hren zu Umweltbelastungen und infolgedessen zur geringer Produktivit├Ąt und Mangelern├Ąhrung.

Dringender Bedarf an Unterst├╝tzung f├╝r Familien

Das SOS-Kinderdorf Gikongoro wurde im Jahr 1992 f├╝r die gro├če Zahl der gef├Ąhrdeten Kinder errichtet, die im B├╝rgerkrieg, der beim V├Âlkermord von 1994 seinen grausamen H├Âhepunkt erreichte, ihre Eltern verloren hatten. In j├╝ngster Zeit haben wir unsere Angebote weiter ausgebaut, um durch das SOS-Familienst├Ąrkungsprogramm mehr notleidende Familien in der Bev├Âlkerung zu erreichen. Wir stellen sicher, dass Kinder Zugang zu Nahrung, Bildung und medizinischer Versorgung erhalten und helfen Familien bei der Versorgung ihrer Kinder, beispielsweise durch Unterst├╝tzung bei der Einkommensf├Ârderung und dem Ausbau der elterlichen Kompetenzen.

Kinder und ihre Betreuungspersonen erhalten Beratungen und psychologischen Beistand, und wir helfen Familien, die an HIV/AIDS erkrankt sind. In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen setzen wir uns f├╝r die St├Ąrkung gemeindebasierter Unterst├╝tzungssysteme f├╝r notleidende Familien ein. Derzeit werden ├╝ber 320 Kinder und ihre Familien durch unsere Leistungen beg├╝nstigt.

Unsere Arbeit in Gikongoro


Im Computerraum der SOS-Schule (Foto: M. Peru)

Bis zu 120 Kinder aus der Region, die nicht l├Ąnger bei ihren Eltern leben k├Ânnen, finden in zw├Âlf SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M├╝ttern f├╝rsorglich betreut.

Etwa 75 Kinder aus dem Kinderdorf und der Nachbarschaft besuchen den SOS-Kindergarten. Dadurch k├Ânnen die Kinder in unserer Obhut Freundschaften schlie├čen und sind bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert.

Aufgrund des dringenden Bedarfs an Bildungseinrichtungen in der Region hat die Er├Âffnung einer SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule einen wichtigen Beitrag zur Bildung in Gikongoro geleistet. In der Schule werden derzeit ├╝ber 430 Sch├╝lerInnen unterrichtet.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren oder sich eine Arbeit suchen m├Âchten, k├Ânnen in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen und werden von qualifizierten Fachkr├Ąften beim ├ťbergang ins Erwachsenenleben begleitet. Sie bleiben nat├╝rlich weiter in engem Kontakt mit ihrer SOS-Mutter und ihren Geschwistern.
 

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