SOS-Kinderd├Ârfer in Kap Verde

Obwohl Kap Verde viele Jahre lang politische Stabilit├Ąt genossen hat, leben eine Reihe von Kindern auf den Inseln nach wie vor unter ├Ąu├čerst prek├Ąren Bedingungen. Die Kinderarbeit stellt nach wie vor ein gro├čes Problem dar. SOS-Kinderdorf unterst├╝tzt seit mehr als drei Jahrzehnten die Kinder in Kap Verde im Rahmen von zwei verschiedenen Programmen.

Ein politisch stabiles Land


Mittagessen im SOS-Sozialzentrum (Foto: C. Ladavicius).
Kap Verde ist ein Inselstaat und liegt im Zentralatlantik ca. 570 Kilometer vor der K├╝ste Westafrikas. Das Archipel, das aus zehn Inseln und f├╝nf Inselzellen besteht, wurde im 15. Jahrhundert von den Portugiesen entdeckt und kolonialisiert. Die Unabh├Ąngigkeit wurde im Jahr 1975 erkl├Ąrt. Aufgrund der begrenzten wirtschaftlichen M├Âglichkeiten, der Armut und den wiederholten Naturkatastrophen haben viele Kapverden die Inseln verlassen, um woanders ein neues Leben zu beginnen.

Obwohl Kap Verde nur ├╝ber sehr wenige nat├╝rliche Ressourcen verf├╝gt, wurde das Land als Beispiel f├╝r Frieden und Stabilit├Ąt in der Region gelobt. Daher belegt es auf dem Human Development Index der Vereinten Nationen einen der h├Âchsten Pl├Ątze unter den afrikanischen Staaten. Mit 72 Jahren liegt die durchschnittliche Lebenserwartung weit ├╝ber dem afrikanischen Durchschnitt. Aufgrund des Mangels an nat├╝rlichen Ressourcen basiert die Wirtschaft gr├Â├čtenteils auf dem Dienstleistungssektor. Das BIP des Landes ist von 2000 bis 2009 best├Ąndig gestiegen. Im Jahr 2008 stieg Kap Verde offiziell aus der Kategorie der "am wenigsten entwickelten L├Ąnder" zu den L├Ąndern mit "mittlerem Einkommen" auf. Derzeit umfasst die Gesamtbev├Âlkerung der Kapverden ca. 512 000 Einwohner.

Die Landflucht aufgrund von anhaltenden D├╝rren versch├Ąrft die Lage in Praia

Obwohl sich Kap Verde zweifelsfrei in einer besseren Lage als viele andere Nationen auf dem afrikanischen Kontinent befindet, sind noch viele Probleme zu bew├Ąltigen. Aufgrund des Klimas in der Sahelzone, das durch lange D├╝rreperioden gekennzeichnet ist, fehlt es auf den Kapverden h├Ąufig an sauberem Wasser. Ca. 20 Prozent der Bev├Âlkerung haben keinen Zugang zur Trinkwasserversorgung. Im Laufe des 20. Jahrhunderts sind ca. 200 000 Menschen an den Folgen der D├╝rren gestorben. Aufgrund der gro├čen Wasserknappheit haben viele Menschen die l├Ąndlichen Regionen verlassen und sind nach Praia gezogen. Auch die Wirtschaft des Landes leidet unter den wiederholten D├╝rreperioden, in denen die Ernte vertrocknet. Tausende Bewohner haben keinen Zugang zu ordentlichen sanit├Ąren Anlagen, menschenw├╝rdigen Behausungen und guten staatlichen Sozialleistungen. Das Leben auf Kap Verde ist f├╝r diejenigen, die auf der sozio├Âkonomischen Leiter an unterster Stelle stehen, ein t├Ąglicher Kampf ums ├ťberleben.

Ca. 14 Prozent der Kinder unter f├╝nf Jahren leiden an Unterern├Ąhrung. Die Armutsraten sind auf Kap Verde in den letzten Jahren jedoch gesenkt worden, und der Inselstaat ist sogar bei der Verfolgung der UN-Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) auf einem recht guten Weg. In den Untergruppen "Armutsbek├Ąmpfung ", "Prim├Ąrschulbildung" und "Gleichstellung der Geschlechter" kann das Land besonders gute Ergebnisse vorweisen. Die Pressefreiheit ist gesetzlich garantiert und im ganzen Land anerkannt. Kap Verde hat eine der freiesten Medienlandschaften in ganz Afrika.

Kinder gehen nicht zur Schule, weil sie arbeiten m├╝ssen


Kinder aus unserem Familienst├Ąrkungsprogramm genie├čen die M├Âglichkeit zu spielen (Foto: C. Ladavicius).
├ťber die Anzahl der Waisenkinder auf Kap Verde gibt es keine genauen offiziellen Angaben. Aufgrund der schwierigen Lebenssituation der Waisen und der von ihren Eltern verlassenen Kinder auf den Inseln beschloss SOS-Kinderdorf dennoch, das Konzept Hermann Gmeiners in diesem Inselstaat einzuf├╝hren. Obwohl die Regierung der Kapverden eine Reihe von Gesetzen zum Schutz der Kinder vor den schlimmsten Formen der Kinderarbeit verabschiedet hat, m├╝ssen immer noch viele Kinder sehr harte Arbeit verrichten. Hunderte kleiner Jungen arbeiten in der Landwirtschaft, wo sie gef├Ąhrliche Maschinen bedienen m├╝ssen und Pestiziden ausgesetzt sind. Berichten zufolge arbeiten viele Kinder als Hausangestellte, verkaufen Kleinwaren auf den Stra├čen und putzen Windschutzscheiben an Ampeln. H├Ąufig m├╝ssen Kinder arbeiten, um ihre Familien finanziell zu unterst├╝tzen. Viele von ihnen bekommen daher keine vern├╝nftige Grundausbildung. Die kapverdische Regierung hat gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) ein Sozialprogramm verabschiedet, um die schlimmsten Formen der Kinderarbeit auszurotten.

Die S├Ąuglingssterblichkeitsrate der Kapverden ist seit den 90er Jahren deutlich gesenkt worden. W├Ąhrend sie im Jahr 1990 mit 49 pro 1000 Lebendgeburten noch sehr hoch war, konnte diese Zahl bis zum Jahr 2011 auf 23 reduziert werden. Berichten zufolge ist dies der Verdoppelung der Zahl derjenigen Geburten zu verdanken, die von medizinischem Fachpersonal betreut werden. Die HIV/AIDS-Pandemie hat Kap Verde bislang nicht so schwer wie viele andere afrikanische Staaten getroffen.

SOS-Kinderdorf auf Kap Verde

Unsere Organisation begann ihre T├Ątigkeit auf Kap Verde in den 80er Jahren. Im Jahr 1981 wurde zwischen der Regierung von Kap Verde und SOS-Kinderdorf ein gemeinsames Abkommen unterzeichnet. Nur drei Jahre sp├Ąter wurde in der N├Ąhe der Hauptstadt Praia auf der Insel S├úo Tiago das erste SOS-Kinderdorf er├Âffnet. Unsere Organisation beschloss im Laufe der Zeit, ihre Aktivit├Ąten auf dem Inselstaat weiter auszubauen und vor allem in den l├Ąndlichen Regionen f├╝r bessere Bildungseinrichtungen zu sorgen. In Praia wurde eine Grundschule mit 12 Klassen errichtet - diese wird nun von den staatlichen Schulbeh├Ârden geleitet. Im Jahr 2008 haben wir das Familienst├Ąrkungsprogramm begonnen, um Familien, die von Zusammenbruch bedroht sind, zu unterst├╝tzen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht l├Ąnger bei ihren Familien bleiben k├Ânnen, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.


Website von SOS-Kinderdorf Kap Verde
(verf├╝gbar auf Portugiesisch und Englisch)



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