Lebenswege

Ein Sommer wie damals...

Im SOS-Kinderdorf Feriencamp am schönen Caldonazzo-See scheint die Zeit still zu stehen. Überall begegnet man Geschichten aus fast 70 Jahren Sommer, Sonne, SOS-Kinderdorf. Erst auf den zweiten Blick erkennt man eine Institution im Wandel.

Caldo – das ist Sommer, das ist der See, das sind Zelte, Lagerfeuer, Abenteuer. Seit 1953 machen hier Kinder, die in SOS-Kinderdörfern in ganz Europa aufwachsen, zusammen Urlaub. Nebenbei lernen sie hier andere Kulturen kennen und schließen Freundschaften fürs Leben.

Auch vom SOS-Kinderdorf in Pinkafeld kommen seit vielen Jahren Kinder und ihre Betreuer*innen nach Caldonazzo. „Am besten finde ich hier den See“, sagt etwa der 11-jährige Thomas, der sich gerade mit seinen WG-Kolleg*innen vor dem Pinkafeld-Bungalow zur Nachmittagsjause versammelt hat. Konrad, sein WG-Kollege ist immer noch verschwitzt vom nachmittäglichen Sportprogramm. Der Giro di Caldo stand heute am Programm und Konrad hat die asphaltierte Camp Runde in einer Spitzenzeit absolviert. „Unter 30 Sekunden! So schnell war nicht mal mein Betreuer!“, strahlt er.

Der große Giro die Caldo steht am Programm. Wer schafft die Campingplatz-Runde am schnellsten? 

Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Feriendorf zu betreiben

Zehn Mitarbeiter*innen kümmern sich das ganze Jahr darum, das SOS-Feriendorf in Schuss zu halten, alles zu planen und vor allem den intensiven Sommer vorzubereiten. Denn jeden Juli erwacht das Sommer-Camp zum Leben: Im Schnitt sind 500 – 600 Kinder und Jugendliche gleichzeitig im Camp. Am Ende der Sommersaison werden wieder 1.700 Kinder und Jugendliche ihre Ferien in Caldonazzo verbracht haben. Das erfordert eine gute Logistik und ein tolles Team. In den beiden Camp-Monaten Juli und August packen rund 40 Mitarbeiter*innen mit an, um den Kindern einen tollen Sommer zu bereiten. Viele Mitarbeiter*innen kehren jeden Sommer wieder.

Gabriel ist einer von ihnen. Er hat bereits als Kind die Ferien in Caldo verbracht, weil sein Vater im Sommer für das Erste-Hilfe-Zelt im Camp verantwortlich war. Heute leitet Gabriel das Sportteam und überlegt sich mit seinen Kolleg*innen täglich neue Aktivitäten für die Kinder: Ballspiele, Wuzzel-Turniere, oder eben ein Rad-Rennen.

Gabriel und sein Team sorgen für ein abwechslungsreiches Sportprogramm am Camp. 

Am Rad der Zeit

Geschichten wie Gabriels hört man in Caldo an jeder Ecke. Viele der Kolleg*innen, die den Sommer über in Caldonazzo arbeiten, erinnern sich gerne an ihre eigene Kindheit in Caldo zurück. So auch Robert, der sich um den Fahrradverleih des Feriendorfes kümmert. Er ist bei SOS-Kinderdorf in Polen aufgewachsen und war als Kind einige Male in Caldonazzo. Inzwischen gehört er fix zur Sommer-Crew des Camps und wartet jeden Sommer die Räder in seiner Werkstatt, damit die großen und kleinen Gäste mit Fahrrädern die Gegend erkunden können.

Robert kam selbst als Kind nach Caldo - heute repariert er die Fahrräder

Auf zu neuen Ufern

Viele Dinge sind also sehr beständig hier am Caldonazzosee, doch viele Dinge ändern sich auch. Carmen Eberle ist Leiterin des Feriendorfs und vereint beide Seiten in einer Person: Beständigkeit und Erneuerung. „Ich bin selbst hier im Feriendorf aufgewachsen, weil mein Vater früher für das Camp verantwortlich war. Man wohnt und lebt und wächst mitten drin auf. Es war sehr schön, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Aber es war nicht immer einfach, die eigene Familie mit SOS-Kinderdorf teilen zu müssen.“ In diesem Zusammenhang hätte sich einiges verändert und heute ist es nicht mehr für alle Wohngruppen und SOS-Kinderdörfer selbstverständlich, ihren ganzen Sommer hier im Feriencamp zu verbringen. „Das ist eine natürliche Entwicklung und wir sind gefragt neue Anreize zu schaffen und neue Zielgruppen anzusprechen“, so Carmen.

 

Carmen Eberle führt das Feriendorf in die Zukunft

Nicht nur das Programm wird laufend weiterentwickelt, auch die Unterkünfte sollen erneuert werden. Der Fokus soll weiterhin auf Camping und Naturnähe liegen, aber die Unterkünfte müssen mit der Zeit gehen und einen gewissen Komfort bieten. Damit sich in Caldo auch weiterhin Kinder, Jugendliche und ihre Betreuer*innen wohlfühlen. Bei anstehenden Umbauten soll auch auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen geachtet werden.

Erinnerungen, die bleiben

Wie wird das Feriendorf in zehn Jahren aussehen? Darüber machen sich Carmen und ihr Team regelmäßig Gedanken und entwickeln Strategien für die Zukunft. „Das Camp wird sich wahrscheinlich mit der Zeit noch weiter verkleinern, dafür aber mehr Flexibilität für individuelle Bedürfnisse bieten. Wir wollen Caldonazzo auf jeden Fall für die Kinder in der Betreuung von SOS-Kinderdorf als Ferienort erhalten, aber wir wollen uns auch öffnen und Platz machen für neue Ideen und Zielgruppen“, so Carmen.
 

Die beliebten Rutschen am Steg bleiben jedenfalls erhalten. 

 

So soll der Sehnsuchtsort Caldonazzo für viele weitere Generationen ein Ort zum Träumen bleiben, wo Menschen Sommermomente erfahren, die sie ein Leben lang begleiten werden.

Manches verändert sich, doch die Rettungsschwimmer haben, wie seit vielen Jahren, immer alles im Blick.

Feriendorf Caldonazzo

Das SOS-Feriendorf wurde 1953 gegründet, als ein Ort, an dem Kinder nicht nur Urlaub machen konnten, sondern auch Abenteuer und Erlebnisse in der Natur erleben durften. Die ersten Jahre waren sehr bescheiden, doch im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das SOS-Feriendorf zu einem Ort internationaler und multikultureller Begegnung europäischer SOS-Kinderdörfer. Trotz der Komplexität an Organisation eines so großen Feriendorfes, ist der Ursprungscharakter von „unbeschwertem Ferien- und Sommerspaß“ geblieben. Viele Generationen von Kindern konnten seitdem ihre Sommerferien in Caldonazzo verbringen.

Jeden Sommer öffnet das Feriendorf im Juli und August seine Pforten und bietet Platz für bis zu 1.000 Gäste. Die Anlage steht auch Kindern, Jugendlichen und Familien anderer Institutionen offen und ist ein Ort der Begegnung, wo die Kinder eine bunte Vielfalt von Sprachen und Kulturen erleben können.

Spenden für SOS-Kinderdorf

Schon seit 1949 hilft SOS-Kinderdorf verlassenen Kindern und bedürftigen Familien in Österreich und in 137 Ländern weltweit. Mit Ihrer Spende helfen Sie Kindern und Jugendlichen und geben ihnen die Chance auf ein liebevolles Zuhause.

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