Ramadan – 16. Mai 2018

5 Fragen, 5 Antworten: So erklärst du deinen Kindern den Ramadan

Für über eine Milliarde Muslime in zahlreichen Ländern beginnt am 15. Mai der Fastenmonat Ramadan. Einmal im Jahr sollen gläubige Muslime einen Monat lang vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang fasten, also nichts essen und trinken. Hier erfahrt ihr, warum der Fastenmonat trotzdem eine feierliche und fröhliche Zeit ist und wie ihr das Thema euren Kindern mit einfachen Worten erklären könnt.

Was ist der Ramadan?  

Ramadan heißt der Monat, in dem gläubige Muslime fasten. In dieser Zeit essen und trinken sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts. Auf der ganzen Welt gibt es mehr als eine Milliarde Muslime. In Österreich leben etwa 700.000. Ihre Religion ist der Islam. Muslime glauben an den Propheten Mohammed und an Allah - das ist das arabische Wort für Gott.

 

Einen Monat lang bleiben die Teller vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang leer. Das "Fastenbrechen" beginnt mit Sonnenuntergang.

 

Einen Monat fasten? Warum denn das?

Der Koran ist das heilige Buch der Muslime – so ähnlich wie die Bibel für Christen. Im Koran steht, dass Muslime den Ramadan mit all seinen Regeln einhalten sollen. Gläubige Muslime sind der Überzeugung, dass Allah vor allem dann mit ihnen zufrieden ist, wenn sie alle Ramadan-Regeln genau befolgen. Eine dieser Regeln ist das Fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Durch das Fasten machen der Körper und die Seele untertags Pause und kommen zur Ruhe. Das bedeutet bewusst auf etwas verzichten und ist im Ramadan sehr wichtig.

 

Müssen alle Muslime im Ramadan fasten?

Nein. Es gibt auch viele Muslime, die nicht ganz so streng fasten und trotzdem am Ramadan teilnehmen. Manchen Menschen kann das Fasten gesundheitlich schaden. Wenn man zum Beispiel krank ist, muss man nicht fasten. Auch alte Menschen und Kinder dürfen ganz normal essen. Andere Beispiele sind Piloten und Politinnen vor langen Flügen und Ärzte und Ärztinnen bei schwierigen Operationen.

Ramadan bei SOS-Kinderdorf

 

Egal ob Nikolaus, Weihnachten oder Ramadan: in der bunten Welt von SOS-Kinderdorf werden Feste und Traditionen aus verschiedenen Kulturkreisen und Religionen zum Thema gemacht und gemeinsam gefeiert. Das liegt auch daran, dass in Wohngruppen von SOS-Kinderdorf knapp 280 Kinder und Jugendliche leben, die aus ihrem Heimatland flüchten mussten und damit nicht nur ihre Familien, sondern häufig auch ihre Herkunftskultur verlassen mussten – also ihr gewohntes Umfeld.

Unser Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu integrieren. Gleichzeitig sollen ihnen aber ihre Kultur und die damit verbundenen Tradition erhalten bleiben. Wenn sie wollen, dürfen sie also bei uns auch den Fastenmonat Ramadan feiern. 

Im Rahmen des Forschungsprojekts "Kultur und Beziehung" hat sich die Abteilung Forschung & Entwicklung auf sozialwissenschaftlicher Ebene mit der Wechselwirkung zwischen Herkunftskultur und Alltagsleben beschäftigt.

Und was machen Muslime sonst so im Ramadan?

Im Ramadan beten Muslime sehr viel, weil sie in dieser Zeit besonders oft ihren Gott, denken wollen. Deshalb verzichten sie auf vieles, das sie von Gott ablenken könnte, z.B. laute Musik hören, oder den ganzen Nachmittag Computerspielen. Außerdem soll man im Ramadan ganz besonders nett sein und anderen Menschen helfen. Viele Muslime spenden deshalb im Ramadan auch Geld und andere Dinge. Weil man im Ramadan nicht streiten soll, ist dieser Monat oft eine besonders fröhliche Zeit - obwohl man erst nach Sonnenuntergang essen darf.

 

Was genau ist das „Fröhliche“ am Ramadan?

Ramdan ist ein bisschen wie die Zeit vor Weihnachten. Mit Kindern wird viel gebastelt und dekoriert, und man trifft viele Verwandte und Freunde. Am Ende des Fastenmonats feiern Muslime das sogenannte Zuckerfest. Viele Muslime feiern dann drei Tage lang und essen wieder ganz normal. Zu diesem Fest wird die Liebe und Nähe zu den Liebsten gefeiert, was ja an sich eine sehr „süße“ Angelegenheit ist.

"Die Buben versuchen besonders für einander dazusein"

 

Farideh Mirmoeini ist Sozialpädagogin in der Wohngruppe Ober St. Veit in Wien. Farideh berichtet, wie sie und ihre KollegInnen die muslimischen WG-Bewohner im Ramadan begleiten. 

 

An(ge)kommen in der neuen Heimat: SOS-Kinderdorf betreut in Österreich derzeit knapp 280 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. 

 

In der Wohngruppe Ober St. Veit leben derzeit 13 Burschen aus Afghanistan. 10 von ihnen wollen einen Monat lang fasten. Wir besprechen das Thema mit ihnen und hören, dass sie sich in dieser Zeit verstärkt um arme Menschen kümmern wollen, um sie besser zu verstehen. Sie wollen teilen, was ihnen zur Verfügung steht.

Die Buben versuchen füreinander dazusein und wollen Konflikte und Streitigkeiten gemeinsam lösen. Sie wollen respektvoll miteinander umgehen. 

Die Buben wollen auf Aktivitäten verzichten, bei denen sie "keine Kontrolle über die Seele" haben. Dazu zählen das Spielen von gewaltvollen Computerspielen und Trinken von Alkohol. Wir BetreuerInnen unterstützen sie dabei. Über Gespräche finden wir miteinander heraus, was die Seele im Alltag bedrückt und belastet.

Im Ramadan begleiten wir die Buben auch dabei, auf ihre Gesundheit zu achten und sich nicht zu überanstrengen. Wir richten jeden Abend ein Essen für alle her, um das "Fastenbrechen" nach Sonnenuntergang gemeinsam zu feiern.

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