Sozialpädagogin lernt mit einem 10-jährigen Mädchen am Schreibtisch, im Hintergrund hängen selbstgemalte Bilder an der Wand
Tag der sozialen Arbeit – 19.03.24

Sozialpädagog*innen & Sozialarbeiter*innen tragen große Verantwortung

Dank gebührt den Sozialpädagog*innen und Sozialarbeiter*innen, die das Leben vieler Kinder und Familien positiv beeinflussen. Eine davon ist Silvia Warmuth. Sie begleitet seit 13 Jahren Kinder und Jugendliche in Osttirol auf einem Stück ihres Weges.

In einer Wohngruppe von SOS-Kinderdorf in Nußdorf-Debant (Osttirol) arbeitet Silvia Warmuth. Sie ist eine engagierte Sozialarbeiterin, die ihren Beruf seit 13 Jahren, nämlich die Betreuung von Kindern und Jugendlichen, mit Leidenschaft ausübt. Dabei war es für Silvia nicht immer klar, dass sie in diesem Beruf landen würde „Ich wollte eigentlich Physiotherapeutin werden, doch das hat nicht geklappt“, erinnert sich Silvia. „Und als ich dann hier angefangen habe, dachte ich, ich werde das nicht mein ganzes Leben machen.“ Silvia hat damals eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin an der FH Kärnten absolviert und dann 2011 bei SOS-Kinderdorf ihren ersten Arbeitgeber gefunden. „Mittlerweile bin ich sehr froh und dankbar, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe. Ich kann mir mein Leben gar nicht mehr anders vorstellen und ich denke, ich werde bis zur Pension weitermachen“, erklärt die 35-Jährige.  


„Ich möchte eine schöne Kindheit ermöglichen“

In der Wohngruppe in Nußdorf-Debant betreut Silvia gemeinsam mit sechs weiteren Pädagog*innen im Dienstrad fünf Kinder im Alter von 12 bis 17 Jahren, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern aufwachsen können. „Viele denken, dass es hier nur um ein bisschen Aufpassen und Spielen geht. Dabei gehört viel mehr zu dem Beruf dazu“, so Silvia. „Die Kinder kommen aus schwierigen Verhältnissen, haben Schicksalsschläge, fehlende Fürsorge, Alkohol- oder Drogenprobleme, oder auch Gewalt in der Familie erlebt. Es ist unsere Aufgabe, ihnen Sicherheit zu vermitteln und eine Beziehung aufzubauen, sodass sie wieder Vertrauen entwickeln können.“ 

Die Pädagog*innen sind sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag für die Kinder und Jugendlichen da. Zudem werden – soweit möglich – regelmäßige begleitete Kontakte zu den Eltern ermöglicht. Denn auch wenn Kinder im SOS-Kinderdorf aufwachsen, spielen die Eltern weiterhin eine wichtige Rolle in ihrem Leben.

Silvia Warmuth

„Die Kinder geben sich oftmals selbst die Schuld dafür, wenn es in der Familie gerade nicht funktioniert. Ich möchte, dass sie sich trotz der schwierigen Umstände an eine schöne Kindheit zurück erinnern können. Denn wir alle haben nur eine Kindheit.“

Silvia Warmuth


Ein Stück des Weges begleiten

Ein Tag in der Wohngruppe umfasst ähnliche Aufgaben wie in jeder Familie: Es werden Arzttermine und Therapien koordiniert, Hausaufgaben kontrolliert, es wird gekocht, gemeinsam gegessen und natürlich die Freizeit gemeinsam gestaltet – mit basteln, Rad fahren, schwimmen und vielem mehr. Zudem hat jedes Kind eine eigene Bezugsbetreuung, die stets ein offenes Ohr für Probleme hat, zu den Sprechtagen in der Schule geht und auch gemeinsame Ausflüge unternimmt. Silvia betreut ihr Bezugskind schon seit dem vierten Lebensjahr, inzwischen ist das Mädchen 17 Jahre alt. „Über die Jahre hat sich eine starke Bindung zwischen uns aufgebaut. Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie sie sich entwickelt hat. Sie hat sich immer schwer getan in der Schule. Jetzt hat sie den Hauptschulabschluss geschafft und beginnt mit einer Lehre“, erzählt Silvia. „Es ist die größte Motivation für mich zu sehen, dass Kinder aus zerrütteten Familien trotzdem die Chance erhalten, aus ihrem Leben etwas machen zu können und in der Gesellschaft Fuß zu fassen.“


„Wir tragen große Verantwortung“

In den 75 Jahren, die SOS-Kinderdorf nun besteht, hat sich auch die Betreuung stark weiterentwickelt. „Waisenkinder gibt es bei SOS-Kinderdorf schon lange nicht mehr, auch wenn das viele immer noch denken. Alle Mitarbeitenden sind professionell ausgebildet und es gibt laufend Fortbildungen, wie z.B. zu Traumapädagogik“, erzählt Silvia. Auch die Zusammenarbeit im Team, regelmäßige Supervision und der kollegiale Austausch spielen eine wichtige Rolle. Silvia möchte anderen jungen Menschen Mut machen, sich für den Sozialbereich zu entscheiden. „Natürlich ist es ein fordernder Bereich, man erhält nicht jeden Tag ein Danke oder eine Anerkennung. Aber jeder Ausflug gemeinsam, jede Ausbildung, die angefangen wird, jedes Kinderlachen ist für mich persönlich ein Highlight. Da weiß man, man hat es geschafft.“

Von der Gesellschaft würde sich die Sozialarbeiterin mehr Wertschätzung für ihren Beruf wünschen. „Unsere Arbeit besteht eben nicht nur aus Spielen und Aufpassen. Wir ermöglichen Zukunftsperspektiven für Kinder und Jugendliche, die einen schwierigen Start ins Leben hatten. Wir erfüllen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und tragen große Verantwortung.“ 

Guido Fuß

„Wir sind zutiefst dankbar für den unermüdlichen Einsatz unserer Sozialpädagog*innen und Sozialarbeiter*innen im SOS-Kinderdorf Nußdorf-Debant. Trotz unterschiedlicher Herausforderungen – wie psychischer Belastungen, Teuerungen, Fachkräftemangel, Nachwehen der Corona-Pandemie – sind sie jeden Tag aufs Neue für junge Menschen da. Sie sind die Herzstücke unserer Organisation und machen einen bedeutenden Unterschied im Leben der Kinder und Familien.“ 

Guido Fuß

SOS-Kinderdorf Nußdorf-Debant
  • Das SOS-Kinderdorf Nußdorf-Debant ist das zweitälteste Österreichs und bietet eine Vielzahl an Betreuungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Familien in Osttirol. 
  • Die Angebote umfassen mehrere Wohngruppen für Kinder und Jugendliche, Klein-WGs und SOS-Kinderdorf-Familien. Hier werden Kinder und Jugendliche rund um die Uhr von ausgebildeten Pädagog*innen betreut. Im Betreuten Wohnen werden Jugendliche in eigenen angemieteten Trainingswohnungen in ein selbständiges Leben begleitet. 64 Kinder und Jugendliche fanden 2022 bei SOS-Kinderdorf in Osttirol ein neues Zuhause.
  • Auch Prävention spielt eine wichtige Rolle – belastete Familien werden im Rahmen der mobilen Familienarbeit gestärkt, damit sie zusammenbleiben können. 70 Kinder, Jugendliche und ihre Familien wurden 2022 durch die mobilen Familienarbeit in Osttirol unterstützt.
  • Derzeit beschäftigt das SOS-Kinderdorf in Osttirol über 80 Mitarbeiter*innen.

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