SOS-Kinderdorf in Mazedonien

SOS-Kinderdorf begann seine T√§tigkeit in Mazedonien im Jahr 1995 mit Unterst√ľtzung des Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen f√ľr Mazedonien. SOS-Kinderdorf hat seine Aktivit√§ten weiter ausgebaut, um auf die Bed√ľrfnisse von gef√§hrdeten Kindern und Familien in der Hauptstadt Skopje einzugehen. Im Jahr 2015 begannen wir ein Nothilfeprogramm in Reaktion auf die Fl√ľchtlingskrise.

Dank des Familienstärkungsprogramms kann dieses Mädchen in die Schule gehen (Foto: K. Ilievska).
Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Skopje (Foto: SOS-Archiv)

Die fr√ľhere jugoslawische Republik Mazedonien ist ein Binnenstaat und grenzt im Norden an Serbien, im Nordwesten an das Kosovo, im Osten an Bulgarien, im S√ľden an Griechenland und im Westen an Albanien. Die Hauptstadt Skopje hat ca. eine halbe Million Einwohner. Die Gesamtbev√∂lkerung betr√§gt mehr als 2 Millionen (Juli 2013, Sch√§tzung), davon sind 64 Prozent Mazedonier und ca. ein Viertel Albaner. Zu den anderen Minderheiten z√§hlen T√ľrken (3,9 Prozent), Roma (2,7 Prozent) und Serben (1,8 Prozent). Die offizielle Landessprache ist Mazedonisch. Die meisten Albaner und T√ľrken sind Moslems, die meisten Slawen geh√∂ren der √∂stlich-orthodoxen oder mazedonisch-orthodoxen Kirche an.

Sinkende Lebensstandards

Obwohl sich die Wirtschaft Mazedoniens seit 1991 langsam erholt, hat das Land immer noch eins der niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen in Europa. Seit der Unabh√§ngigkeit ist der Lebensstandard sogar noch gesunken. Dar√ľber hinaus gibt es eine wachsende Einkommensschere. Die Arbeitslosenquote ist unver√§ndert hoch und wird zur Zeit auf circa 30 Prozent gesch√§tzt. Die tats√§chliche Anzahl der Menschen ohne regelm√§√üiges Einkommen d√ľrfte wesentlich h√∂her liegen. Fast 30 Prozent der Bev√∂lkerung lebt unterhalb der staatlich festgelegten Armutsgrenze. Familien mit zwei Erwachsenen und drei oder mehreren Kindern haben ein h√∂heres Risiko arm zu sein. Diese Kombination aus Armut und hoher Arbeitslosigkeit hat viele Menschen dazu gen√∂tigt, auf der Suche nach Arbeit auszuwandern.

Die meisten Erwerbstätigen in Mazedonien arbeiten im Dienstleistungssektor. Ungefähr 25 Prozent der Bevölkerung ist in der Industrie, 17 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt.
Mazedonien ist seit 2005 ein Kandidat f√ľr den EU-Beitritt. Ein wesentliches Thema bez√ľglich der Zulassung Mazedoniens  ist die Korruption. Einige internationale Organisationen sind in Mazedonien t√§tig, um die Korruption zu bek√§mpfen und den interethnischen Dialog und die Zusammenarbeit zu f√∂rdern. Sie setzen sich au√üerdem gegen die Ungleichheit der Geschlechter ein und unterst√ľtzen Opfer h√§uslicher Gewalt.

Kinder wurden durch die j√ľngsten Ver√§nderungen schwer betroffen

Dank des Familienstärkungsprogramms kann dieses Mädchen in die Schule gehen (Foto: K. Ilievska).
Dank des Familienstärkungsprogramms kann dieses Mädchen in die Schule gehen (Foto: K. Ilievska).

Die Kinder in Mazedonien leiden unter dem gesunkenen Lebensstandard. Da Eltern oft M√ľhe haben, eine Arbeit zu finden, hat die Armut zugenommen, und Haushalte mit Kindern sind in besonderem Ausma√ü betroffen. Sechs Prozent aller Kinder m√ľssen Kinderarbeit leisten; Statistiken zufolge arbeiten sie meist im Familienbetrieb. Zw√∂lf Prozent der Kinder werden verheiratet, bevor sie das Alter von 18 Jahren erreicht haben.

Die Kindersterblichkeit bei Kindern unter f√ľnf Jahren ist nach wie vor hoch - mit 8,1 Todesf√§llen pro 1000 Lebendgeburten liegt die Rate √ľber dem Durchschnitt der Europ√§ischen Union (4,7 F√§lle pro 1000 Geburten). Diese Zahl ist in l√§ndlichen Gebieten h√∂her als in den St√§dten. Dar√ľber hinaus sind Kinder in l√§ndlichen Gebieten noch vor weitere Probleme gestellt - sie brechen h√§ufiger die Grundausbildung ab und haben weniger Chancen auf eine Sekundarausbildung.

Die Kinder der Roma sind besonders benachteiligt; bei ihnen sind die Armuts- und Schulabbrecherquoten noch höher. Lediglich ein Drittel aller Roma-Kinder besucht eine Sekundarschule.

Die ver√§nderten wirtschaftlichen Bedingungen haben neue Gr√ľnde daf√ľr geschaffen, warum Kinder in Pflege gegeben werden. Eine wachsende Anzahl von Kindern wird in Betreuungseinrichtungen untergebracht, weil ihre Familien in Armut leben. Obwohl es Bem√ľhungen gibt, diese Kinder in die Obhut von Verwandten zu geben, landet ein F√ľnftel von ihnen in staatlichen Einrichtungen. 
 

SOS-Kinderdorf in Mazedonien

Neben der familienp√§dagogischen Betreuung in SOS-Kinderdorf-Familien hat SOS-Kinderdorf eine Reihe neuer Einrichtungen und Programme geschaffen, um Kinder, Jugendliche und ihre Familien in den Gemeinden selbst zu unterst√ľtzen. Seit dem Jahr 2002 unterst√ľtzen wir Kinder und Jugendliche in einem sehr armen Teil von Skopje. Zusammen mit den lokalen Beh√∂rden wurden im Jahr 2007 Familienst√§rkungsprogramme ins Leben gerufen, um vom Verlust der elterlichen F√ľrsorge bedrohte Kinder zu unterst√ľtzen.
 
Als Reaktion auf die Fl√ľchtlingskrise von 2015, konzentriert sich das SOS-Nothilfeprogramme auf die Unterst√ľtzung von Kindern (vor allem von unbegleiteten Kindern), Jugendlichen, M√ľttern mit Kindern und Schwangeren. SOS-Kinderdorf arbeitet mit anderen lokalen Hilfsorganisationen zusammen, und reagiert auf die sich st√§ndig ver√§ndernde Situation. Wir sorgen f√ľr Schutz und Nahrungsmittel, sowie medizinische Hilfe. In den Lagern in Gevgelija und Tabanovce  haben wir Essenspakete verteilt. Wir haben auch SOS-Nothilfe-Kindertagesst√§tten eingerichtet - hier k√∂nnen Kinder spielen und haben eine Auszeit von ihrer stressigen Flucht in ein sicheres Gebiet. Wir haben auch einen Raum, in dem Fl√ľchtlinge ihre Handys aufladen und freien Zugang zu Computern und Internet haben k√∂nnen.
 

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