SOS-Kinderdorf Vilnius

Angesichts des dringenden Bedarfs an familiennaher Betreuung fĂŒr Kinder ohne elterliche FĂŒrsorge, wurde in Vilnius das erste litauische SOS-Kinderdorf errichtet. Die UnterstĂŒtzung notleidender Familien in den lokalen Gemeinden stellt einen wichtigen Bestandteil unserer Arbeit in Vilnius dar.

In der Hauptstadt leben zahlreiche Familien an der Armutsgrenze

Wir lernen zusammen (Foto: A. Gabriel )
Wir lernen zusammen (Foto: A. Gabriel )
Das SOS-Kinderdorf Vilnius wurde in Virsuliskes, einem Vorort etwa drei Kilometer nördlich des Stadtzentrums errichtet. Vilnius liegt im SĂŒdosten des Landes und hat etwa 560 000 Einwohner. Die Bevölkerung setzt sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen: 58 Prozent sind Litauer, Polen (19 Prozent) und Russen (14 Prozent) bilden die beiden grĂ¶ĂŸten Minderheiten.
Die Hauptstadt Vilnius ist das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes.  

In der Region wird ein Großteil des nationalen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Die Nahrungsmittelerzeugung und -verarbeitung, die chemische Industrie und die Holzwirtschaft stellen wichtige Quellen fĂŒr Einkommen und BeschĂ€ftigung dar. Auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen sind viele Menschen aus den Ă€rmeren Gegenden Litauens in die Region gezogen.

Die jĂŒngste Wirtschaftskrise und die Preissteigerungen haben viele Familien in Mitleidenschaft gezogen. Zahlreiche Kinder unter 17 Jahren leben an der Armutsgrenze, obwohl einige Familien mittlerweile staatliche UnterstĂŒtzung erhalten. Die Kinder, die von SOS-Kinderdorf betreut werden, stammen hĂ€ufig aus zerrĂŒtteten Familien. Einige Eltern sind alkohol- oder drogenabhĂ€ngig und vernachlĂ€ssigen oder schlagen ihre Kinder. Andere Familien können aufgrund der finanziellen Not nicht fĂŒr ihre Kinder sorgen; sie haben weder Arbeit noch eine menschenwĂŒrdige Behausung. Manche Eltern ziehen auf der Suche nach Arbeit ins Ausland und lassen ihre Kinder zurĂŒck.

In Zusammenarbeit mit den Behörden UnterstĂŒtzung leisten

Obwohl die Regierung einige Programme fĂŒr Kinder ohne elterliche FĂŒrsorge ins Leben gerufen hat, ist unsere Arbeit heute noch genauso dringend erforderlich wie zu Beginn unserer TĂ€tigkeit in Litauen. SOS-Kinderdorf arbeitet sehr eng mit den lokalen Behörden zusammen, damit Kinder die benötigte Hilfe erhalten, sei es psychologischer Beistand oder Bildung. Die UnterstĂŒtzung fĂŒr Familien und Kinder ohne elterliche FĂŒrsorge, eine KindertagesstĂ€tte fĂŒr erwerbstĂ€tige Eltern und maßgeschneiderte Angebote fĂŒr junge Menschen an der Schwelle zur UnabhĂ€ngigkeit bilden das HerzstĂŒck der Arbeit unserer Organisation in der Region.

Unsere Arbeit in Vilnius

Freude ĂŒber ein liebevolles Zuhause (Foto: M. MĂ€gi)
Freude ĂŒber ein liebevolles Zuhause (Foto: M. MĂ€gi)
FamilienstĂ€rkung: SOS-Kinderdorf unterstĂŒtzt Familien in den Vilnius und Alytus Distrikten durch Bildungsangebote, Nahrungsmittelhilfen und medizinische Versorgung. In Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und anderen Dienstleistern helfen wir Familien, deren Kinder vom Verlust der elterlichen FĂŒrsorge bedroht sind. Wir helfen Eltern beim Ausbau der elterlichen Kompetenzen und bei der Einkommensförderung. DarĂŒber hinaus stĂ€rken wir die Gemeinde selbst, damit Menschen in Not eine Anlaufstelle haben. Daneben organisieren wir Freizeitangebote, um den Zusammenhalt der lokalen Bevölkerung zu fördern.

Betreuung in Familien: Kinder, die nicht lĂ€nger bei ihren Familien leben können, finden in SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Die Kinder aus dem SOS-Kinderdorf besuchen gemeinsam mit den Kindern aus der lokalen Bevölkerung die nahegelegenen Schulen und sind dadurch gut in ihre Umgebung integriert. 

Kurzzeitbetreuung: Wir bieten auch Kurzzeitbetreuung fĂŒr Kinder, die dringend Pflege benötigen. Wir arbeiten mit den Herkunftsfamilien, sodass die Kinder wieder mit ihnen leben können. Wenn dies nicht möglich ist, können die Kinder bei uns bleiben, bis eine permanente Betreuungsfamilie gefunden wird.

UnterstĂŒtzung junger Menschen: Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen, können in die SOS-Jugendeinrichtung umsiedeln. Die Heranwachsenden leben in betreuten Wohngemeinschaften, wĂ€hrend sie eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren und sich unter der Aufsicht ausgebildeter FachkrĂ€fte auf ein Leben in UnabhĂ€ngigkeit vorbereiten.