SOS-Kinderdorf Dong Hoi

Vietnam war eins der ersten L√§nder, in denen das SOS-Kinderdorf-Modell der familiennahen Betreuung f√ľr notleidende Kinder eingef√ľhrt worden war. Seit Beginn unserer T√§tigkeit in den 1960er Jahren haben wir unsere Programme kontinuierlich auf das ganze Land ausgeweitet.

Frauen und Mädchen von Ausbeutung bedroht

Spielende Kinder im Garten des SOS-Kinderdorfs (Foto: SOS-Archiv)
Spielende Kinder im Garten des SOS-Kinderdorfs (Foto: SOS-Archiv)

Dong Hoi ist die Hauptstadt der Provinz Quang Binh, die √ľber 100 000 Einwohner z√§hlt. Die Stadt liegt in an der K√ľste der N√∂rdlichen Zentralregion von Vietnam und hat einen zw√∂lf km langen wei√üen Sandstrand. In j√ľngster Zeit hatte Dong Hoi ein rasantes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Der Dienstleistungssektor stellt die wichtigste Quelle f√ľr Einkommen und Besch√§ftigung dar.

Dennoch gehört Quang Binh nach wie vor zu den ärmsten Provinzen des Landes. Das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen liegt mit knapp 400 US-Dollar weit unter dem Landesdurchschnitt von 700 US-Dollar. Zahlreiche junge Menschen ziehen daher auf der Suche nach einem besseren Leben in andere Landesteile. Viele Vietnamesen versuchen auch im Ausland eine Arbeit zu finden. Schätzungen zufolge leben insgesamt rund 500 000 Vietnamesen in anderen Ländern.

Frauen und Mädchen sind von Verschleppung und sexueller Ausbeutung bedroht. Häufig wird ihnen eine gutbezahlte Arbeit beispielsweise in der Fabrik einer Stadt versprochen. Stattdessen werden sie gezwungen, kommerzielle Sexarbeit zu verrichten. Nach Angaben eines UNICEF-Berichts stammen geschätzte 60 Prozent der 45 000 Prostituierten, die in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh arbeiten, aus Vietnam. Kinder, die bei Verwandten aufwachsen, weil ihre Eltern im Ausland arbeiten, sind in besonderem Maße gefährdet.

Zahlreiche M√ľtter k√∂nnen ihre Kinder nicht ausreichend versorgen

Die ethnischen Minderheiten von Quang Binh leiden unter besonders hohen Armutsraten. In der Provinz leben 24 verschiedene Volksgruppen, davon 23 in entlegenen Gebirgsregionen. Ihr Leben ist von Armut, Analphabetentum, schwerer Mangelernährung und Krankheiten gekennzeichnet. Nur wenige haben Zugang zu Basisdienstleistungen.

Diese Menschen leiden nicht nur unter zahlreichen Entbehrungen, sondern sind auch vielen Risiken ausgesetzt: die Vereinigte Staaten haben wiederholt schwere Bedenken √ľber die hohe Zahl der internationalen Adoptionen in Vietnam ge√§u√üert. Zu den „Ungereimtheiten“ der Adoptionen z√§hlen beispielsweise F√§lle, in denen arme M√ľtter, die weder lesen noch schreiben k√∂nnen, Dokumente unterzeichnen mussten, durch die sie alle Rechte an ihren Kindern verloren haben.

Notleidende Eltern, die ihre Kinder nicht ausreichend versorgen k√∂nnen, erliegen manchmal der falschen Hoffnung, dass eine zeitweilige Fremdunterbringung das Beste f√ľr ihre Kinder sei. Wenn sie in die F√§nge von Menschenh√§ndlern geraten, werden Kinder zur Adoption verkauft oder ins Ausland verschleppt. Manchen M√ľttern wird eingeredet, dass es ihre Kinder im Ausland bei reicheren Familien besser haben k√∂nnten.

Unsere Arbeit in Dong Hoi

SOS-Familie in ihrem Zuhause (Foto: SOS-Archiv)
Eine SOS-Familie macht zusammen Haus√ľbung  (Foto: SOS-Archiv)

Angesichts des gro√üen Bedarfs an familiennaher Betreuung in der Region wurde im Jahr 2006 das SOS-Kinderdorf Dong Hoi er√∂ffnet. Die Idee, dass an diesem Ort Kinder unterst√ľtzt werden sollten, kam von der in Paris ans√§ssigen Organisation Aide √† l'Enfance du Vietnam (AEVN), die in verschiedenen L√§ndern in Not geratenen vietnamesischen Kindern geholfen hat. Die lokalen Beh√∂rden stellten kostenlos ein Grundst√ľck zur Verf√ľgung und dank der Spenden von AEVN und SOS-Kinderdorf Frankreich wurden die ersten Familienh√§user gebaut. Bis zu 120 Kinder aus der Region, die nicht l√§nger bei ihren Eltern leben k√∂nnen, finden in zw√∂lf SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M√ľttern f√ľrsorglich betreut. Wann immer es m√∂glich und im besten Interesse des Kindes ist, sorgen wir daf√ľr, dass die Kinder den Kontakt zu ihren leiblichen Eltern aufrechterhalten k√∂nnen.

Bis zu 190 Kinder aus den SOS-Familien besuchen den SOS-Kindergarten zusammen mit den Kindern aus der Gemeinde, schlie√üen Freundschaften und sind dadurch gut in ihre Umgebung integriert. √Ąltere Kinder besuchen die nahegelegenen Schulen.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren m√∂chten, k√∂nnen in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen. Mit der Unterst√ľtzung qualifizierter Fachkr√§fte k√∂nnen sie ihre Zukunft planen, Verantwortung zu √ľbernehmen lernen und sich auf ein Leben in Selbst√§ndigkeit vorbereiten.


 

 

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