SOS-Kinderdorf Retalhuleu

Zahlreiche Menschen in Guatemala, vor allem die indigene Bev├Âlkerung in Nordosten des Landes, leiden an hohen Armutsraten und sozialer Ausgrenzung. Kinder aus unterprivilegierten Familien, alleinerziehende M├╝tter und sehr junge Eltern sind besonders gef├Ąhrdet und dringend auf Unterst├╝tzung angewiesen.

Die indigenen Einwohner der l├Ąndlichen Gebiete, vor allem Frauen, sind bislang gr├Â├čtenteils von den sozio├Âkonomischen Fortschritten ausgeschlossen

Kleines M├Ądchen bei den Hausaufgaben (Foto: J. Lugtigheid) Kleines M├Ądchen bei den Hausaufgaben (Foto: J. Lugtigheid) Retalhuleu, die Hauptstadt des gleichnamigen Departements, liegt an der Pazifikk├╝ste Guatemalas. Das Departement Retalhuleu hat etwa 300 000 Einwohner. Die Industrie, die Landwirtschaft und die Herstellung von Kunstgegenst├Ąnden sind die tragenden S├Ąulen der Wirtschaft.

In Guatemala ist der Wohlstand extrem ungleich verteilt. Die reichsten 20 Prozent halten ├╝ber 50 Prozent des nationalen Einkommens in ihren H├Ąnden, w├Ąhrend auf die ├Ąrmsten 20 Prozent weniger als f├╝nf Prozent entfallen. Knapp zwei Drittel der Guatemalteken leben auf dem Land und m├╝ssen mit weniger als einem Drittel des Volkseinkommens und der Verbrauchsg├╝ter auskommen. Die Armutsraten, vor allem bei der indigenen l├Ąndlichen Bev├Âlkerung und bei Frauen, z├Ąhlen zu den h├Âchsten in ganz Lateinamerika.

Unmittelbare und langfristige Folgen der Armut

Kinder aus den ├Ąrmsten Familien m├╝ssen h├Ąufig die Schule abbrechen, da ihre Eltern weder ohne ihren finanziellen Beitrag ├╝berleben noch f├╝r Schulmaterial wie B├╝cher oder Schuluniformen aufkommen k├Ânnen.

Die Kinderarbeit ist in diesem Departement ein ernstes und deutlich sichtbares Problem. In den l├Ąndlichen Gebieten von Retalhuleu arbeiten zahlreiche Kinder - manche bereits mit f├╝nf oder sechs Jahren – in den Steinbr├╝chen. Diese Arbeit ist f├╝r sie extrem gef├Ąhrlich und gesundheitssch├Ądlich; viele von ihnen leiden an Hautkrankheiten oder Atemwegserkrankungen, manche werden sogar blind oder verlieren durch Unf├Ąlle Gliedma├čen. Aufgrund der isolierten Lage der Steinbr├╝che haben Kinder, die hier arbeiten, meist weder Zugang zum Bildungssystem noch zu einer medizinischen Versorgung.

Wenn Kinder kein sicheres und f├Ârderliches Umfeld und keinen Zugang zu Bildung haben, sind ihre Zukunftschancen ├Ąu├čerst gering. Viele Kinderarbeiter m├╝ssen in viel zu jungen Jahren f├╝r sich selbst sorgen, da ihre Eltern nicht in der Lage sind, auf sie zu achten und ausreichend zu betreuen. Dies kann zu Entwicklungsst├Ârungen und psychologischen Problemen f├╝hren, unter denen die Betroffenen auch im sp├Ąteren Leben als Erwachsene leiden.

Unsere Arbeit in Retalhuleu

Jungen spielen im Freien (Foto: J. Lugtigheid ) Jungen spielen im Freien (Foto: J. Lugtigheid) SOS-Kinderdorf begann seine T├Ątigkeit in Retalhuleu im Jahr 1980. Heute leitet unser Sozialzentrum ein Familienst├Ąrkungsprogramm, um die Not der Gemeinde auf ganzheitliche und nachhaltige Weise zu lindern. In der Kindertagesst├Ątte und durch das Tagesm├╝tterprogramm k├Ânnen erwerbst├Ątige Eltern und alleinerziehende M├╝tter ihre Kinder in sicherer Obhut lassen, w├Ąhrend sie arbeiten und ihren Lebensunterhalt verdienen.

Die Sozialzentren bieten daneben Kurse ├╝ber Themen der Kindeserziehung und der pers├Ânlichen Entwicklung sowie Kochkurse und Lehrg├Ąnge zur Schmuckherstellung. Im Kinderdorf gibt es auch Beratungen und psychologischen Beistand f├╝r Kinder mit traumatischen Erfahrungen und Kinder, die eine schwierige Phase durchlaufen und auf Unterst├╝tzung angewiesen sind.

Bis zu 98 Kinder aus Retalhuleu, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen k├Ânnen, finden in 15 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M├╝ttern f├╝rsorglich betreut. Die Kinder besuchen die nahegelegenen Schulen und sind daher sehr gut in ihre Umgebung integriert. Kinder, die vor ihrer Aufnahme im Kinderdorf Traumata erlitten haben, erhalten sowohl von unseren Mitarbeitern als auch von ausgebildeten Psychologen professionelle Hilfe.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren m├Âchten, k├Ânnen in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen. Mit der Unterst├╝tzung qualifizierter Fachkr├Ąfte k├Ânnen sie ihre Zukunft planen, Verantwortung zu ├╝bernehmen lernen und sich auf ein Leben in Selbst├Ąndigkeit vorbereiten.



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