SOS-Kinderdorf Mallasa

Obwohl in den letzten Jahren deutliche Fortschritte erzielt worden sind, geh√∂rt das Binnenland Bolivien nach wie vor zu den √§rmsten L√§ndern Lateinamerikas. Viele Familien leben in extremer Armut. In La Paz ist die soziale Kluft besonders deutlich sp√ľrbar.

Täglicher Überlebenskampf in einer stetig wachsenden Metropole


Zuhause beim Hausaufgabenmachen  (Foto: F. Espinoza)

La Paz, Verwaltungshauptstadt Boliviens und zweitgr√∂√üte Stadt des Landes, liegt in einem Kessel auf einer H√∂he von 3000 bis ca. 4100 Metern und erstreckt sich auf die H√§nge der umliegenden Berge. Der Gro√üraum von La Paz z√§hlt 2,3 Millionen Einwohner. La Paz ist das wichtigste Industriezentrum des Landes; hier werden unter anderem √ľber zwei Drittel aller Tabakprodukte, Kleidungsst√ľcke und Werkzeuge hergestellt. Obwohl sich die Wirtschaft des Landes in den letzten Jahren erholt hat, gibt es in La Paz einen gro√üen informellen Sektor: ausgedehnte M√§rkte und Stra√üenh√§ndler pr√§gen das Stadtbild.

Die Klassenunterschiede sind in La Paz besonders deutlich sp√ľrbar. Auf der einen Seite leben die kleine Elite der Reichen und die neue Mittelklasse in den niedrig gelegenen Gebieten um das historische Stadtzentrum, auf der anderen Seite fristet die arme Mehrheit der Bev√∂lkerung ein Dasein in den st√§ndig wachsenden Elendsvierteln, die sich √ľber die H√§nge am Stadtrand erstrecken. Viele dieser Slumbewohner stammen aus den umliegenden l√§ndlichen Gebieten. Etwa die H√§lfte der Bev√∂lkerung ist indigener Abstammung.

Ca. 42 Prozent der Bewohner von La Paz – √ľber eine Million Menschen – leben in extremer Armut und haben weder Zugang zu sauberem Trinkwasser noch zu sanit√§ren Einrichtungen. Obwohl sich die Einschulungsrate in den letzten Jahren in Bolivien landesweit deutlich verbessert hat, besuchen in La Paz nach wie vor sch√§tzungsweise 42 000 Kinder keine Schule.

Kinder brauchen Schutz und Unterst√ľtzung f√ľr eine gesunde und erfolgreiche Zukunft

Die Kinderarbeit stellt in La Paz ein gro√ües Problem dar. Viele Eltern sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder zum Familieneinkommen beitragen, oder finden es schlichtweg normal. Das Leben in den Stra√üen der Gro√üstadt ist gef√§hrlich; diese Kinder sind zahlreichen Risiken ausgesetzt. Viele schn√ľffeln Klebstoff, trinken Alkohol oder nehmen Drogen. Es gibt ganze „Stra√üenfamilien” – junge M√ľtter ohne Bildung, Arbeit und Unterkunft, die mit ihren Kindern auf der Stra√üe leben. Eine Kindheit in Armut kann schwere Folgen f√ľr die k√∂rperliche, geistige und kognitive Entwicklung eines Kindes nach sich ziehen.

Unsere Arbeit in Mallasa


    
Beim Spielen im Kinderdorf Foto (Foto: F. Espinosa)

SOS-Kinderdorf begann seine T√§tigkeit in Mallasa, einem Stadtteil von La Paz etwa 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, im Jahr 1983. Unsere Sozialzentren bieten ein ganzheitliches und nachhaltiges Familienst√§rkungsprogramm, um die Not der lokalen Bev√∂lkerung zu lindern. Dazu geh√∂rt ein Tagesm√ľtterprogramm, in dem Kinder in sicherer Obhut betreut werden k√∂nnen, w√§hrend Eltern oder alleinerziehende M√ľtter arbeiten und ihren Lebensunterhalt verdienen.
Bis zu 110 Kinder, die nicht l√§nger bei ihren Eltern leben k√∂nnen, finden in 12 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M√ľttern f√ľrsorglich betreut. Die Kinder besuchen die √∂rtlichen Schulen zusammen mit den Kindern aus der Nachbarschaft und sind dadurch gut in ihre Umgebung integriert.

Die SOS-Berufsbildungszentren in Mallasa bieten Kurse in Graphik, Design, Tischlerei, Drucktechnik, Schneiderei, Elektrotechnik und Mechanik. Ein Zentrum ist speziell auf die F√∂rderung von M√§dchen ausgerichtet, f√ľr die bis zu 170 Ausbildungspl√§tze z.B. im Bereich der B√ľroarbeit mit Schwerpunkt IT zur Verf√ľgung stehen.

Unser SOS-Jugendprogramm bietet Wohngemeinschaften f√ľr bis zu 95 junge Menschen. Begleitet durch qualifizierte Fachkr√§fte k√∂nnen sie ihre Ausbildung oder ihr Studium absolvieren und sich auf ein Leben in Selbst√§ndigkeit vorbereiten.
 





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