SOS-Kinderdorf Muyinga

Burundi geh√∂rt zu den √§rmsten und am wenigsten entwickelten L√§ndern der Welt und hat sich noch lange nicht von den Jahren des B√ľrgerkrieges erholt. SOS-Kinderdorf unterst√ľtzt seit 1998 gef√§hrdete Kinder in der n√∂rdlichen Provinz Muyinga. Kinder sind heute noch genauso auf unsere Unterst√ľtzung angewiesen wie in der Vergangenheit.

In Burundi herrscht wieder Frieden, aber der Wiederaufbau geht nur langsam voran


Am Spielen im Garten (Foto: SOS-Archiv)

Die Kleinstadt Muyinga liegt auf einer H√∂he von mehr als 1700 m √ľber dem Meeresspiegel und hat ca. 50 000 Einwohner. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im n√∂rdlichen Burundi grenzt im Norden an Ruanda und im Osten an Tansania.

Die Lebensbedingungen in Burundi sind sehr hart: das Land hat eine der 15 weltweit h√∂chsten Arbeitslosenraten zu verzeichnen. Im November 2011 lag die Inflationsrate bei 16,4 Prozent. Die Preise f√ľr Verbrauchsg√ľter wie Reis, Brot, Zucker, Wasser, Strom und Gas sind explodiert und teilweise um fast 50 Prozent, die Wasserkosten sogar um 266 Prozent gestiegen. Infolgedessen k√∂nnen sich zahlreiche Haushalte nicht einmal mit dem N√∂tigsten versorgen, und immer mehr Familien sind auf internationale Hilfsleistungen angewiesen, damit sie sich und ihre Kinder ausreichend ern√§hren k√∂nnen.

Zahlreiche Menschen leben auf den Straßen von Muyinga, weil sie obdachlos geworden sind. Unter ihnen sind auch viele Kinder, die völlig auf sich alleine gestellt und zahlreichen Gefahren ausgesetzt sind. Manche schließen sich Straßenbanden an. Die Nächte in dieser Höhenlage können extrem kalt werden, und es regnet sehr häufig. Diese Umstände gefährden die Gesundheit und das Leben zahlreicher Kinder.

Hinsichtlich der Rechtstaatlichkeit, der politischen Stabilit√§t und der Effektivit√§t der Regierungsbeh√∂rden geh√∂rt Burundi bis heute zu den am wenigsten entwickelten L√§ndern der Welt. Berichten zufolge wurden noch im Jahr 2008 Kindersoldaten in Burundi von K√§mpfern aus der Demokratischen Republik Kongo rekrutiert. Die Kinder von heute leiden nicht nur unter extremer Unsicherheit und Armut, viele von ihnen haben w√§hrend des B√ľrgerkriegs schwere Traumata erlitten oder leben mit √§lteren Geschwistern oder Eltern, die zutiefst traumatisiert worden sind. All diese Faktoren gef√§hrden in hohem Ma√üe die Stabilit√§t zahlreicher Familien.

Dringender Bedarf an Unterst√ľtzung f√ľr Familien

SOS-Kinderdorf begann seine T√§tigkeit in Muyinga im Jahr 1998 mit einem Soforthilfeprogramm f√ľr Kinder, die ihre Eltern verloren hatten oder von ihnen getrennt worden waren. In Muyinga wurden zahlreiche Fl√ľchtlingslager f√ľr tausende von Waisenkindern errichtet. Damals war schnelles Handeln erforderlich, um den betroffenen Kindern bis zur Fertigstellung des Kinderdorfes eine vor√ľbergehende Bleibe zu bieten.

In j√ľngster Zeit haben wir unser Angebot erweitert und ein SOS-Familienst√§rkungsprogramm f√ľr gef√§hrdete Familien aus der Region ins Leben gerufen. Wir sichern Kindern den Zugang zu Nahrung, Bildung und medizinischer Versorgung und unterst√ľtzen Familien bei der Einkommensf√∂rderung und dem Ausbau der elterlichen Kompetenzen, damit sie ihre Kinder besser besch√ľtzen und versorgen k√∂nnen. Kinder und ihre Eltern erhalten Beratungen und psychologischen Beistand. Unsere besondere Unterst√ľtzung gilt Familien, die an HIV/AIDS erkrankt sind. In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen setzen wir uns f√ľr die St√§rkung gemeindebasierter Unterst√ľtzungssysteme f√ľr notleidende Familien ein. Derzeit werden √ľber 400 Kinder und ihre Familien durch das Familienst√§rkungsprogramm beg√ľnstigt.

Unsere Arbeit in Muyinga


 Eine SOS Familie aus Muyinga(Foto: SOS-Archiv)

Bis zu 150 Kinder aus der Region, die nicht l√§nger bei ihren Eltern leben k√∂nnen, finden in 15 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M√ľttern f√ľrsorglich betreut.

Etwa 90 Kinder aus dem Kinderdorf und der Nachbarschaft besuchen zusammen den SOS-Kindergarten, schließen Freundschaften und sind dadurch bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert. Das Angebot der Tagesbetreuung wird besonders von Eltern geschätzt, die arbeiten oder nach Arbeit suchen - sie wissen ihre Kinder in sicherer Obhut. Über 430 Kinder werden in der SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule in Muyinga unterrichtet. Dadurch leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Bildungsangebot der Region.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren m√∂chten, werden durch das SOS-Jugendprogramm auf dem Weg in die Selbst√§ndigkeit weiter unterst√ľtzt. Die jungen Erwachsenen leben in f√ľnf H√§usern (drei f√ľr M√§dchen und zwei f√ľr Jungen) und werden von ausgebildeten SOS-Jugendp√§dagogen begleitet und betreut.
 








 

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