SOS-Kinderdorf Mekele

Im ├Ąu├čersten Norden ├äthiopiens leidet die Bev├Âlkerung seit Jahrzehnten an gewaltsamen Konflikten, D├╝rren und Nahrungsmittelknappheit. Unz├Ąhlige Kinder m├╝ssen viel zu fr├╝h erwachsen werden und haben keine Chance auf eine gl├╝ckliche Kindheit.

Das Leben dieser alten V├Âlker ist von zunehmender Unsicherheit gepr├Ągt


Im Kindergarten (Foto: B. Bakkane) 

Makalle (Mek’ele auf tigrayisch) ist die Hauptstadt der Region Tigray im Norden ├äthiopiens nahe der Grenze zu Eritrea und hat ca. 170 000 Einwohner. Die meisten Bewohner der Region geh├Âren der Volksgruppe der Tigray-Tigrinya an. Die Stadt ist ein bedeutendes Wirtschafts-, Industrie- und Bildungszentrum des Landes. Die Gegend war Schauplatz schwerer K├Ąmpfe w├Ąhrend des ├äthiopischen B├╝rgerkriegs (1974-1991) und in j├╝ngster Zeit auch des eritreisch-├Ąthiopischen Krieges (1998-2000) - einem Grenzkonflikt, der Hunderte von Millionen Dollar gekostet und zehntausende Todesopfer gefordert hatte. Die Beziehungen der beiden Staaten sind bis heute sehr angespannt und instabil.

Das Volk der Tigray lebt seit Jahrtausenden in dieser Region. Die Christianisierung begann im vierten Jahrhundert. Lange Zeit hielten die Tigray ihren traditionellen Lebensstil aufrecht, arbeiteten als Kleinbauern und lebten in kleinen Gemeinden oder „Pfarrbezirken“. In j├╝ngster Zeit leiden die Bewohner der Region aufgrund von Kriegen, D├╝rren, Nahrungsmittelknappheit, steigenden Lebensmittelpreisen und Arbeitslosenraten unter extrem prek├Ąren Bedingungen.

Eine gesicherte Mahlzeit ist keineswegs selbstverst├Ąndlich

In den Stadtgebieten arbeiten heutzutage viele Menschen auf dem informellen Sektor als Stra├čenverk├Ąufer, verrichten Gelegenheitsjobs oder versuchen durch Betteln etwas Geld zum ├ťberleben aufzutreiben. Im Jahr 2008 lebten mehr als 58% der Gesamtbev├Âlkerung von Tigray in absoluter Armut (von weniger als einem US-Dollar pro Tag).

Ein Anstieg der Lebensmittelpreise bedeutet f├╝r viele Familien, dass sie einen ├╝berproportional hohen Teil ihrer Eink├╝nfte f├╝r Nahrung ausgeben m├╝ssen, wodurch nur wenig f├╝r andere Bed├╝rfnisse wie Medizin, Kleidung oder Unterrichtsmaterialien f├╝r Kinder ├╝brig bleibt. Zahlreiche Kinder brechen die Schule ab und verrichten stattdessen Gelegenheitsarbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen. In den schlimmsten F├Ąllen verlassen frustrierte V├Ąter ihre Familien; Eltern erkranken aufgrund der prek├Ąren Umst├Ąnde, und Kinder versuchen alleine auf der Stra├če zu ├╝berleben. Solch schwere Lebensbedingungen ziehen weitere soziale Probleme nach sich, darunter steigende Verbrechens- und Prostitutionsraten. Viele M├Ądchen und Frauen werden zur Sexarbeit gezwungen.

Kinder ohne elterliche F├╝rsorge, kinder- und frauengef├╝hrte Haushalte, Menschen mit HIV/AIDS und ├ältere ohne Familienangeh├Ârige sind die schw├Ąchsten Glieder der Gesellschaft. SOS-Kinderdorf unterst├╝tzt in Makalle gef├Ąhrdete Familien und Kinder ohne elterliche F├╝rsorge.

Unsere Arbeit in Makalle


Student in der Krankenpflegeschule (Foto: M. Peru)

SOS-Kinderdorf begann seine T├Ątigkeit in Makalle im Jahr 1976. Heute leiten die SOS-Sozialzentren ein Familienst├Ąrkungsprogramm f├╝r die lokale Bev├Âlkerung. Wir versuchen, Eltern ganzheitlich und nachhaltig zu unterst├╝tzen, ihnen zu Eigenst├Ąndigkeit und wirtschaftlicher Unabh├Ąngigkeit zu verhelfen und den Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung sicherzustellen. Wir bieten Lehrg├Ąnge und Unterst├╝tzung bei der Einkommensf├Ârderung, Beratungen und psychologischen Beistand. In den Sozialzentren k├Ânnen 150 Kinder betreut werden, w├Ąhrend ihre Eltern arbeiten, und wir betreiben eine Farm, auf der Kinder und junge Menschen Kenntnisse in Milchwirtschaft, Gefl├╝gelzucht und Gem├╝seanbau erwerben k├Ânnen.
Rund 5000 Patienten aus der lokalen Gemeinde werden jedes Jahr in unserem medizinischen Zentrum ├Ąrztlich behandelt. Die Angebote umfassen partizipative Gesundheitsvorsorge, reproduktive Gesundheit, Geburtsvor- und Nachsorge sowie freiwillige HIV-Tests.

Bis zu 190 Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen k├Ânnen, finden in 19 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M├╝ttern f├╝rsorglich betreut. Die Kinder besuchen den SOS-Kindergarten Makalle und die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule zusammen mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Derzeit werden 960 Sch├╝lerInnen in der Prim├Ąr- und Sekundarstufe unterrichtet.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren m├Âchten, k├Ânnen in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen. Mit der Unterst├╝tzung qualifizierter Fachkr├Ąfte k├Ânnen sie ihre Zukunft planen, Verantwortung zu ├╝bernehmen lernen und sich auf ein Leben in Selbst├Ąndigkeit vorbereiten.
Das SOS-Berufsbildungszentrum Makalle bietet ca. 45 Auszubildenden eine dreij├Ąhrige Ausbildung in Krankenpflege. Dank einer Vereinbarung mit dem Gesundheitsministerium k├Ânnen die AbsolventInnen in staatlichen Krankenh├Ąusern und Gesundheitszentren Arbeit finden.
 



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