SOS-Kinderdorf Jimma

√Ąthiopien ist mit seinen rund 80 verschiedenen Bev√∂lkerungsgruppen von sprachlicher und kultureller Vielfalt gepr√§gt. Die Oromo z√§hlen zu den gr√∂√üten Minderheiten. Die Region Oromiya war wiederholt Schauplatz von Grenzstreitigkeiten und internen religi√∂sen Konflikten. Zahlreiche Bewohner leben unter prek√§ren Umst√§nden.

Kinder sind die größten Opfer von Armut und Entbehrungen


Kleines M√§dchen in Jimma (Foto: SOS-Archiv) 
Das siebte SOS-Kinderdorf √Ąthiopiens wurde in Jimma in der Region Oromiya errichtet. Jimma (oder Jima) ist die gr√∂√üte Stadt im S√ľdwesten √Ąthiopiens und hat knapp 160 000 Einwohner. Mit einer Gesamtbev√∂lkerung von √ľber 27 Millionen ist Oromiya sowohl an Fl√§che als auch an Einwohnerzahlen der gr√∂√üte Bundesstaat √Ąthiopiens.

Angesichts der j√ľngsten sozio√∂konomischen Entwicklung beschloss SOS-Kinderdorf die Unterst√ľtzung von notleidenden Familien und Kindern ohne elterliche F√ľrsorge in der Region Oromiya. Die Lebenshaltungskosten sind in den letzten Jahren explodiert, Nahrung und Kleidung sind f√ľr Durchschnittsverdiener unerschwinglich geworden. Die Kosten f√ľr Gesundheitsversorgung und Bildung sind ebenfalls betr√§chtlich gestiegen. Einer offiziellen Marktstatistik zufolge war bei den Lebenshaltungskosten von 2010 bis 2011 ein Anstieg um 55,4 Prozent zu verzeichnen.

Frauen spielen bei der Armutsbekämpfung eine entscheidende Rolle

Angesichts dieser zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Lage haben viele Familien Probleme, ihre Kinder zu versorgen. Die Geburtenrate von Oromiya ist mit durchschnittlich 6,2 Kindern pro Frau die h√∂chste in ganz √Ąthiopien. Wie auch in anderen Landesteilen gibt es teils aus Tradition und teils aus Mangel an Verh√ľtungsmitteln oder Kenntnissen √ľber Verh√ľtungsmethoden sehr viele kinderreiche Familien (in Oromiya verh√ľten nur 13 Prozent aller Haushalte). M√§dchen werden meist sehr jung verheiratet und gr√ľnden schon fr√ľh gro√üe Familien.

Zahlreiche M√§dchen und Frauen leiden an der Geschlechterungleichheit in √Ąthiopien. In Oromiya k√∂nnen nur 29,5 Prozent der Frauen im Gegensatz zu 61,5 Prozent der M√§nner lesen und schreiben. Ohne Bildung haben junge Frauen nur wenige Chancen im Leben; sie sind von Ehem√§nnern oder m√§nnlichen Verwandten abh√§ngig und daher in einer sehr schwachen Position. Das sichere Bildungsangebot f√ľr alle Kinder in unserer Obhut und aus der Gemeinde ist daher ein Schwerpunkt unserer Arbeit in der Region.

Unsere Arbeit in Jimma


Im SOS-Kinderdorf Jimma (Foto: SOS-Archiv)
SOS-Kinderdorf begann seine T√§tigkeit in Jimma im Jahr 2012. Das SOS-Sozialzentrum leitet ein Familienst√§rkungsprogramm f√ľr die lokale Bev√∂lkerung. Wir versuchen, Eltern ganzheitlich und nachhaltig zu unterst√ľtzen, ihnen zu Eigenst√§ndigkeit und wirtschaftlicher Unabh√§ngigkeit zu verhelfen und den Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung sicherzustellen. Wir bieten Lehrg√§nge und Unterst√ľtzung bei der Einkommensf√∂rderung sowie Beratungen und psychologischen Beistand. In den Kindertagesst√§tten der Sozialzentren werden bis zu 450 Kinder betreut. Sie erhalten Mahlzeiten und nehmen am Vorschulunterricht teil, w√§hrend ihre Eltern zur Arbeit gehen. Unser Ziel ist die St√§rkung von Familien und der Gemeinde insgesamt, damit Kinder in einem sicheren und betreuten Umfeld aufwachsen k√∂nnen und vor dem Verlust der elterlichen F√ľrsorge bewahrt werden.

Unser medizinisches Zentrum behandelt jedes Jahr rund 6000 Patienten aus der Gemeinde. Die Angebote umfassen Beratungen, Behandlungen, kleinere chirurgische Eingriffe, Impfungen, Familienplanung, Geburtsvor- und Nachsorge, freiwillige HIV-Tests und Gesundheitserziehung.
Bis zu 150 Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen k√∂nnen, finden in 15 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M√ľttern f√ľrsorglich betreut.

Zusammen mit den Kindern aus der Nachbarschaft besuchen sie den SOS-Kindergarten Jimma. Dadurch sind die Kinder aus den SOS-Familien bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert. Etwa 460 Sch√ľlerInnen werden in der SOS-Hermann-Gmeiner-Schule in der Prim√§r- und Sekundarstufe unterrichtet.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren m√∂chten, k√∂nnen in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen. Mit der Unterst√ľtzung qualifizierter Fachkr√§fte k√∂nnen sie ihre Zukunft planen, Verantwortung zu √ľbernehmen lernen und sich auf ein Leben in Selbst√§ndigkeit vorbereiten.



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