Wieder daheim!?

„Rückkehr“ mit Höhen und Tiefen

Das Forschungsprojekt „Rückkehr von fremduntergebrachten Kindern und Jugendlichen in ihre Herkunftsfamilien“ geht – zumindest was die Auswertung betrifft – in seine Endphase und an dieser Stelle sollen erste Einblicke in sich abzeichnende Ergebnisse ermöglicht werden.

Dafür haben wir 33 Interviews mit Jugendlichen, Eltern, SOS-Kinderdorf-Fachkräften sowie der Kinder- und Jugendhilfe zu 11 Familien analysiert. Wie es den Familien aus dem Forschungsprojekt heute geht, können wir in 5 Gruppen zusammenfassen:

Den Weg dorthin schildern Familien sehr eindrücklich als einen mit Höhen und Tiefen – vor und während der Fremdunterbringung, aber auch nach der Rückkehr.

„Weil manches hat mir auch gestunken wegen dem Kleinen. Weil sie ihn mir weggenommen hat.  Weil mir ist ja das wie ein Raub vorgekommen am Anfang. Aber jetzt wo ich den Abstand. Gott sei Dank hat sie ihn mir weg genommen. Weil ich wäre meschugge geworden. Ich hätte mich vielleicht hier eingegraben und hätte mich nur mehr ins Bett gelegt und hätte nur mehr geplärrt. Und der Bub wäre daneben eingegangen. Seelisch und verkümmert. […] Aus dem Buben wäre nicht das geworden, was er jetzt ist. Ich muss sagen, gelungen war, der Norbert hat doch seinen Weg gefunden. Ich meine, Wunder kannst in so einer Situation keine erwarten.“ (I1_Mutter)
 
Die Frage, wie Kinder, Jugendliche und deren Familien während der Fremdunterbringung begleitet werden, wie die Rückkehr entschieden und vorbereitet wird, ist ein zentraler Fokus im Forschungsprojekt. Die Gestaltung des Überganges – eine Phase, die in den allermeisten Familien auch mit großen Unsicherheiten und Sorgen verbunden ist – kristallisiert sich als hoch bedeutsam für die weitere Entwicklung heraus. Eine Mutter erinnert sich: "Ja, uns hat es alle halt dann ein bisschen erschlagen. Weil Ferien und Wochenende halt doch nicht das gleiche ist, als wie, so und jetzt bin ich ganz da." (I7_Mutter) Wie gelingt Familien, die sich während der Fremdunterbringung in den allermeisten Fällen nur an Wochenenden oder in den Ferien erlebt haben, diese „Übersetzung“ in einen gemeinsamen Alltag mit all seinen Herausforderungen?

Aber auch Fachkräfte schildern eindrücklich Höhen und Tiefen in den Hilfeverläufen, den Kooperationsverhältnissen innerhalb der Einrichtung, zwischen Einrichtungen und Kinder- und Jugendhilfe, der Ermöglichung von passgenauen Unterstützungsleistungen und der eigenen Auseinandersetzung damit, wie sie eine Rückkehr einordnen.

Aus der ersten Analyse unterschiedlicher Rückkehrprozesse haben wir Wechselwirkungen abgeleitet, zwischen
 
  • der Ermöglichung von Entwicklungsschritten von Kindern und Jugendlichen während der Fremdunterbringung und den damit verbundenen Bewältigungsleistungen für die Zeit nach der Rückkehr,
  • der Weiterentwicklung der Eltern bzw. jener Familienmitglieder, zu denen die Rückkehr erfolgt,
  • der Frage, ob Elternteil und Kind/Jugendliche/r in der Reintegrationsphase auf sich allein gestellt sind oder auf ein soziales Netz und/oder auf ein passgenaues, professionelles - manchmal auch niederschwelliges - Unterstützungsnetz zurückgreifen  können sowie
  • den fachlichen Leitlinien und Rahmenbedingungen von Fachkräften der behördlichen Kinder- und Jugendhilfe und den KJH-Einrichtungen.

Mit diesem generationsübergreifenden Blick, der gleichzeitig die Bedeutung der Beziehungsqualität von Fachkräften und Familienmitgliedern aus den Interviews aufgreift, geht es zentral auch um das Thema bzw. Wechselwirkungen zwischen „Zugehörigkeit und Autonomie“ bzw. „Kontinuitäten und Brüchen“.

Die vorliegenden Auswertungen werden nun in zahlreichen Fachartikeln ausgearbeitet.

Der Tiefpunkt im letzten halben Jahr war der Tod unserer Forschungspartnerin von der Universität Graz, Helga Kittl-Satran. Mit ihrer fachlichen Expertise und Herzlichkeit, mit Klarheit und Humor hat sie wesentlich dazu beigetragen, dass sich vom Beginn dieses Forschungsprojektes an zwischen uns dreien ein tolles Forscherinnenteam entwickelt hat. Umso betroffener macht es uns, dass Helga den Kampf gegen ihre schwere Krankheit verloren hat. Ihre wichtige Beteiligung im Forschungsprojekt werden wir weiterhin sichtbar machen.


Kontakt und Information:
 
DSA Mag.a Christina Lienhart
Telefon +43 (0) 512 5918 413
Mag.a Bettina Hofer
Telefon +43 (0) 512 5918 411
Forschung & Entwicklung
Fachbereich Pädagogik │SOS-Kinderdorf
Stafflerstraße 10a│6020 Innsbruck

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