60 Jahre SOS-Kinderdorf

60 Jahre: SOS-Kinderdorf von 1949 bis heute

1949: Hermann Gmeiner setzt neue Maßstäbe

Auch vier Jahre nach Ende des Nationalsozialismus und den Schrecken des Zweiten Weltkriegs sind die Zerstörungen und die Verelendung in Österreich unübersehbar. Besonders schlimm ist es für verwaiste und verlassene Kinder. Der Medizinstudent Hermann Gmeiner, groß geworden in einer Bauernfamilie und selbst früh Halbwaise, ist erschüttert darüber, wie diese Kinder abgeschoben und "verwahrt" werden. Er ist überzeugt, dass Hilfe nur dann wirksam sein kann, wenn jedes Kind in einer Familie oder einem familienähnlichen Umfeld aufwachsen kann. Mit wenig Geld gründet er gemeinsam mit Freunden den SOS-Kinderdorf-Verein. Noch im selben Jahr beginnt der Bau am ersten SOS-Kinderdorf in Imst im österreichischen Bundesland Tirol. Mit diesem Betreuungsmodell setzt Gmeiner neue Maßstäbe in der außerfamiliären, langfristigen Begleitung von Kindern.

1950er Jahre: Das SOS-Kinderdorf-Modell zieht Kreise

40 Kinder leben zu Beginn der 1950er Jahre im SOS-Kinderdorf Imst. Bis Ende des Jahrzehnts wird es in Österreich, Deutschland, Frankreich und Italien schon 20 SOS-Kinderdörfer geben. Und aus 15.000 Freunden, die mit einem kleinen monatlichen Betrag SOS-Kinderdorf unterstützen, wurden bis zum heutigen Tag sechs Millionen Menschen, die mit Patenschaften und Spenden das finanzielle Rückgrat unserer Arbeit bilden. Bis heute kommt der Großteil der Spenden für die weltweite Arbeit aus europäischen Ländern, mehr als die Hälfte der Spendengelder kommt aus Deutschland.

1960er Jahre: Über die Grenzen Europas hinaus

Mit dem Bau eines SOS-Kinderdorfes im vom Krieg gezeichneten Südkorea beginnt SOS-Kinderdorf sein Engagement außerhalb von Europa. Weitere Länder in Asien folgen, so auch Indien, das heute das Land mit den meisten Projekten ist; darunter alleine 39 SOS-Kinderdörfer. Den Auftakt in Amerika bildet Ecuador im Jahr 1964. Heute ist SOS-Kinderdorf in 22 Ländern des amerikanischen Kontinents aktiv, insgesamt sind es derzeit 132 Länder und Territorien, in denen sich SOS-Kinderdorf engagiert.

1970er Jahre: Mit der Hilfe von vier Millionen Freunden

In Côte d'Ivoire entsteht 1971 das erste SOS-Kinderdorf auf afrikanischem Boden. 2009 ist SOS-Kinderdorf in 45 afrikanischen Ländern vertreten - von Kapstadt in Südafrika bis Draria in Algerien, von Somaliland im Osten bis zu Äquatorialguinea an der Atlantikküste. In Indien entsteht 1971 in Dharamsala ein großes SOS-Kinderdorf für tibetische Kinder. Heute leben dort 2.000 Kinder; weitere tibetische Dörfer folgen. Ende der 1970er Jahre gibt es bereits 143 SOS-Kinderdörfer. Angesichts des hohen Bedarfs an weiteren sozialen Leistungen vor allem in außereuropäischen Ländern erweitert SOS-Kinderdorf mit den Jahren sein Engagement. An vielen Standorten werden Kindergärten, Schulen und Berufsbildungszentren eröffnet, dazu kommen medizinische Zentren und Sozialzentren. Einschneidend war 1976, als nach dem Vietnamkrieg die beiden SOS-Kinderdörfer von der Regierung geschlossen wurden. Erst 1989 war die Revitalisierung der beiden Dörfer möglich.

1980er Jahre: Hermann Gmeiner hinterlässt ein globales, humanitäres Netzwerk

Helmut Kutin, aufgewachsen im SOS-Kinderdorf Imst und maßgeblich für den Aufbau von SOS-Kinderdorf in Asien verantwortlich, folgt Hermann Gmeiner 1985 als Präsident von SOS-Kinderdorf nach. Hermann Gmeiner stirbt am 26. April 1986. Für Gmeiner lag die Wurzel für Frieden und gegenseitige Achtung in der Art und Weise, wie Kinder groß werden. Seinem kindzentrierten Ansatz und seiner humanitären Mission, für die er mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert war, fühlt sich SOS-Kinderdorf bis heute verpflichtet. Ende der 1980er Jahre folgen das erste SOS-Kinderdorf in den USA und ein SOS-Kinderdorf nach dem verheerenden Erdbeben von 1988 in Armenien, das damals noch Teil der Sowjetunion war.
Hermann Gmeiner: "Gutes tun und das Gute in der Welt zu vermehren, ist letzten Endes keine Frage der Methode, sondern der mitfühlenden und mitverantwortenden Liebe, die wir anderen gegenüber empfinden."

1990er Jahre: 50 Jahre alt und kein Ende der Notwendigkeit

Das Ende der Sowjetunion ermöglicht zu Beginn der 1990er Jahre, die Arbeit von SOS-Kinderdorf in Osteuropa zu reaktivieren bzw. auszubauen. SOS-Kinderdorf wird in Russland und Polen tätig, neue Projekte werden in Rumänien und Bulgarien realisiert. Heute ist SOS-Kinderdorf in den meisten osteuropäischen und zentralasiatischen Staaten im Bereich der außerfamiliären Betreuung und in der Familienhilfe aktiv. Parallel dazu engagiert sich SOS-Kinderdorf in dieser Region intensiv in Projekten zur Verbesserung der Betreuungsqualität in der Fremdunterbringung von Kindern.

1995 erhält SOS-Kinderdorf einen Beraterstatus im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Das Lobbying für Kinderrechte und Kinderschutz wird intensiviert. Heute setzt sich SOS-Kinderdorf in verschiedenen NGO-Netzwerken, Gremien und Projekten im Interesse von Kindern, besonders jener ohne elterliche Betreuung, ein.

400 SOS-Kinderdörfer feiern 1999 gemeinsam den 50. Geburtstag von SOS-Kinderdorf.

2000 - 2009: Mit zusätzlichen Programmen ins neue Millennium

Im Jahr 2002 erhält SOS-Kinderdorf International die weltweit höchst dotierte humanitäre Auszeichnung, den Conrad N. Hilton Humanitarian Prize. Mit dem Preisgeld von 1 Mio. USD werden die HIV/AIDS-Programme für Familien in Afrika erweitert.

SOS-Kinderdorf intensiviert sein weltweites Engagement für benachteiligte Familien und Familien in Krisensituationen. Damit soll Kindern der Verbleib in ihrer Herkunftsfamilie gesichert werden. Diese präventive Familienhilfe bildet heute neben der Betreuung in den SOS-Kinderdörfern den zweiten Arbeitsschwerpunkt.

Das größte Nothilfe- und Wiederaufbauprogramm, das SOS-Kinderdorf je durchgeführt hat, wird nach der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 in vier Ländern gestartet. Seit Ende der 1980er Jahre hat SOS-Kinderdorf rund 100 Nothilfeprogramme an verschiedenen Einsatzorten der Welt durchgeführt.

Im 60. Geburtsjahr des ersten SOS-Kinderdorfs in Imst gibt es 499 weitere SOS-Kinderdörfer = 500 SOS-Kinderdörfer für über 57.000 Kinder!

Die SOS-Kinderdorffamilie wächst auch nach dem Jubiläum Jahr für Jahr stetig weiter. 2013 gibt es weltweit bereits 545 SOS-Kinderdörfer, in denen 6.555 SOS-Kinderdorf-Familien mit insgesamt 61.926 Kindern leben! (Stand Januar 2013)


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