Junge schreibt auf Tafel

SOS-Kinderdorf zu Ausbildungspflicht

Vergebene Chance zur Integration von jungen Flüchtlingen

Kinderhilfsorganisation kritisiert, dass asylwerbende Jugendliche ausgeklammert bleiben. "Deutschlernen allein ist keine Ausbildung", so SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser.

Wien (6.7. 2016) – "Mit dem Ausklammern von asylwerbenden Jugendlichen aus der Ausbildungspflicht verzichtet die Politik auf ein wichtiges Instrument für die Integration"; kommentiert SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser das heute im Nationalrat beschlossene neue Gesetz zur Ausbildungspflicht bis 18. Denn so wie für österreichische sei auch für geflüchtete Jugendliche Schule und Ausbildung zentral, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.

"Deutschlernen allein ist noch keine Ausbildung", kritisiert Moser im Hinblick auf die angekündigten zusätzlichen Sprachkursangebote. "Diese jungen Menschen brauchen eine Perspektive – stattdessen werden sie dazu gezwungen, wertvolle Lebenszeit zu verschwenden." Dies stelle eine Verletzung der Kinderrechtskonvention dar, so Moser weiter. "Denn dort ist klar festgehalten: Jeder Minderjährige hat das Recht auf bestmögliche Entwicklung und Entfaltung – völlig unabhängig von seiner Herkunft."

Teure Versäumnisse

Aber auch dem österreichischen Staat sei mit dieser Regelung nicht geholfen. "Wenn wir jungen Menschen die Möglichkeit nehmen zu lernen und zu arbeiten, schauen wir einer verlorenen Generation beim Großwerden zu – mit allen Konsequenzen: Perspektivenlosigkeit, Depression, Kriminalität, Radikalisierung." Es sei davon auszugehen, so Moser weiter, dass "sich die Versäumnisse von heute Morgen rächen – und eine ganze Reihe neuer Kosten verursachen".

Wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit

SOS-Kinderdorf begrüßt grundsätzlich das Vorhaben, zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche in Österreich zu schaffen. Eine über den Pflichtschulabschluss hinausgehende Ausbildung abzuschließen sei ein wichtiger Schritt in Richtung selbstbestimmtes Leben, sagt Moser. "Genauso wichtig sind erweiterte Berufsberatungsangebote und die Schaffung ausreichender niederschwelliger Ausbildungsangebote."

Ob diese Ziele durch die Normierung einer Ausbildungspflicht verwirklicht werden kann, bleibe abzuwarten: "Aus unserer Sicht fehlen konkrete Pläne zur Umsetzung dieser Angebote – zudem werden jungen Menschen nur wenige Anreize gesetzt, eine Ausbildung zu beginnen", kritisiert Moser.

Strafandrohung ist zu wenig!

Alleine die Androhung von Strafe sei sicher nicht ausreichend, um Jugendliche zu einer Bildungsberatung zu motivieren. Es brauche konkrete Angebote für Jugendliche, die Ausbildungsstellen suchen, aber keine finden. "Eine wichtige Rolle komme dabei den Arbeitgebervertretern zu. Es braucht ein klares Bekenntnis von Unternehmen, dieses neue Gesetz mit Leben zu erfüllen - sprich qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze zu schaffen und diese auch langfristig zu sichern", so Moser.

Rückfragen:

Martina Stemmer,SOS Kinderdorf/Presse
Email: martina.stemmer@sos-kinderdorf.at,
Tel. 0676 88144243
 
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