Schulbeginn – 17.08.20

Schulperspektive ab Herbst: Bildungsminister Faßmann schickt SchülerInnen und Eltern auf Schnitzeljagd

Plan für Schulstart im Coronaherbst lässt immer noch viele Fragen offen. Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen wurden nicht adressiert.

„Bildungsminister Faßmann meint, die Eltern sollten sich keine Sorgen machen, doch viele Fragen bleiben weiterhin unbeantwortet“, sagt SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser in einer ersten Reaktion auf die Ankündigungen des Bildungsministers. „Die wichtigen Fragen – wann muss ein Kind zu Hause bleiben, wann wird die Klasse geschlossen und was passiert dann mit dem Unterricht, wurden vom Bildungsminister heute leider wieder nicht beantwortet“, so Moser. „Bei den brennendsten Punkten verweist er auf die Zuständigkeit der Gesundheitsbehörden. Aber es kann doch nicht sein, dass Eltern sowie Schülerinnen und Schüler wie bei einer Schnitzeljagd nach Informationen suchen müssen“, so Moser.

Als Beispiel nennt Moser das Chaos im Zusammenhang mit dem Homeschooling. „Offenbar hat auch das Bildungsministerium erkannt, dass für unter 15-jährige diese Unterrichtsmethode wenig geeignet ist. Deshalb ist Homeschooling erst ab der Sekundarstufe 2 ab der orangen Ampel eine Option. Doch wie werden Jüngere bei bis zu zweiwöchigen Klassenschließungen unterrichtet? Es ist nicht auszuschließen, dass eine Klasse öfter in Quarantäne muss und der Unterricht in der Schule für mehrere Wochen ausfällt. Was geschieht dann?“, hinterfragt Moser.

Abgesehen von der Art des Unterrichts ist auch die Antwort der Betreuung von Kindern bei Kindergarten- und Schulschließungen nach wie vor völlig unbefriedigend gelöst. „Auch hier weist Faßmann die Verantwortung zurück und verweist auf das Sonderbetreuungsmodel der Arbeitsministerin. Doch seien wir realistisch. Wie viele Unternehmen werden der siebten, achten und neunten Sonderurlaubswoche von Eltern zustimmen, wenn sie auf 70 Prozent der Personalkosten sitzen bleiben? Dieses Modell ist mittlerweile völlig ungeeignet, um Eltern zu entlasten,“ sagt Moser.

Äußerst bedauerlich findet Moser, dass der Bildungsminister sich in keinem einzigen Satz direkt an die Kinder, Schülerinnen und Schüler gewandt hat. „Die Generation-Corona ist verunsichert und auch sehr belastet. Es wäre wichtig gewesen, hier ein paar Worte zu finden, um zu signalisieren, dass sich der Minister seiner Verantwortung gegenüber der jungen Menschen bewusst ist“, so Moser.