SOS-Sozialzentrum Gandaki

SOS-Sozialzentrum Gandaki: Schicksalswender für Indira und Shirisha

Nepal gehört zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Nepalesen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, die meisten als Kleinbauern in den schwer zugänglichen Regionen des Landes.

Andere Menschen, vor allem jüngere, versuchen, im Ausland Geld zu verdienen. Viele Männer gehen in die arabischen Golfstaaten, um dort als Arbeiter zu mehr Wohlstand zu kommen. Zurück bleiben oft die Familien – nicht wenige zerbrechen dabei.

Als wären die Sorgen durch Armut nicht schon groß genug, müssen alleinstehenden Frauen auch noch verzweifelt um Anerkennung in der Gesellschaft kämpfen, denn egal ob getrennt lebend oder geschieden - in Nepal hat eine Frau ohne Mann einen sehr schweren Stand. Als Witwe steht eine Frau in Nepal auf verlorenen Posten.


Indira lernt in der SOS-Schule in Gandaki gut und ist glücklich. Fotos: Wolfgang Kehl
Im SOS-Sozialzentrum Gandaki, das zum gleichnamigen Kinderdorf in der Annapurna-Region gehört, finden vor allem Mütter Unterstützung, die sich und ihre Kinder alleine durchbringen müssen. Ein Mädchen namens Indira geht in die SOS-Schule Gandaki. Indira fällt auf, denn zum Schreiben sitzt sie auf dem Boden und schreibt mit dem Stift zwischen den Zehen. Indira wurde mit stark verkürzten Armen geboren. Sie stammt aus einer Familie der unteren Kaste in einem Dorf in den Bergen. Der Vater ist in die Golfstaaten zum Arbeiten gegangen und hat sich von dort zwei Jahre lang nicht gemeldet. Die Schule in dem Bergdorf sah sich nicht imstande, Indira trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung einzuschulen. Abgesehen davon hätte der Schulweg für das Kind einfach drei Stunden betragen. Also hat ihre Mutter das Mädchen genommen und ist in die Stadt Pokhara gegangen. Am Stadtrand von Pokhara, in der SOS-Schule Gandaki, bekam Indira einen Platz. Sie lernt gut und sie ist glücklich. Aber auch für die Mutter war die Begegnung mit SOS ein Wendepunkt im Leben: Im SOS-Zentrum Pokhara hat die Mutter zur gleichen Zeit eine Ausbildung zur Näherin bekommen. Gemeinsam mit ihrer Schwester betreibt die Mutter nun eine kleine Schneiderwerkstatt und kann so sich und ihre Tochter ernähren. Die Mutter selbst sagt, dass SOS die einzige Einrichtung weit und breit sei, die ihr geholfen hat. Täglich kommt sie in die Schule, um ihre Tochter abzuholen.




Shirisha kann heute ihre Kinder zur Schule schicken und arbeiten.
Eine andere Frau, die Rückhalt und die Kraft zum Neubeginn im SOS-Sozialzentrum Gandaki gefunden hat, bestreitet ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Lebensmitteln an einer belebten Straße von Pokhara. Shirisha ist Witwe. Ihr Mann ist an AIDS gestorben, sie selbst und das jüngste ihrer drei Kinder sind HIV-positiv. Früher hat Shirisha von einem Handkarren aus Obst und Gemüse in der Stadt verkauft. Dann hat die Polizei den Straßenverkauf verboten. Shrisha war am Ende ihrer Kräfte. Auch hier haben die Leute vom SOS-Sozialzentrum Wege aufgezeigt, wie Shrisha einen Neuanfang wagen kann: Mit einem Darlehen konnte die Mutter einen kleinen Laden mieten. Ein Raum hinter dem Ladenlokal ist die Wohnung der Familie. „Als ich in größter Not war, bekam ich von SOS Hilfe. Wir wären ohne SOS wohl nicht mehr am Leben.“ Der Wohnraum ist nur mit dem Nötigsten ausgestattet, der Alltag als Händlerin ist hart. Aber dennoch: Ihre Kinder können zur Schule gehen und sie hat einen Weg aus einer scheinbar ausweglosen Not gefunden. Und ihre Würde.


Die Frauen im SOS-Sozialzentrum wollen keine Almosen, sondern Unterstützung. Foto: Christian Moser
Die meisten Menschen, die im SOS-Sozialzentrum Gandaki und in den anderen Zentren von SOS-Nepal Hilfe finden, sind Frauen wie Shirisha oder Indiras Mutter. Im Gespräch mit diesen Frauen hört man immer wieder, dass sie keine Almosen empfangen haben. Es geht darum, mit Unterstützung von SOS wieder nach vorne zu schauen. Ist dieser Weg eingeschlagen, dann spüren die Frauen etwas, was ihnen längst verloren schien: Den Glauben an die eigene Kraft. Das Gefühl, wieder Boden unter den Füßen zu haben und das Wissen, dass die eigenen Kinder auf dem besten Wege sind, gut versorgt zur Schule zu gehen und damit die erdrückenden Last der Armut jeden Tag ein kleines bisschen weiter abzuschütteln. Vielen dieser Frauen Nepals ist der Weg zu Bildung und Anerkennung versagt geblieben. Es dennoch geschafft zu haben und zu wissen, dass wenigstens die nächste Generation diesen Teufelskreis der Armut zu durchbrechen, ist für sie ein später Lohn für viel erlittene Not. Und ein unendliches Glück.

 

 
 
 
 
 
 
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