SOS-Kinderdorf Jorpati: Ein magischer Ort

SOS-Kinderdorf Jorpati: Ein magischer Ort

Nepal ist das Land der magischen Orte: Vom Anblick der Achttausender geht eine tiefe Wirkung aus genauso wie vom bunten Treiben der historischen Plätze in Kathmandu - doch auch die SOS-Kinderdörfer in Nepal sind Orte der Magie.

Das kleinste der neun nepalesischen SOS-Kinderdörfer liegt am Stadtrand von Kathmandu. Unser nepalesischer Kollege, den alle nur „Mr. Nepal“ nennen, beschreibt die Situation so: „In Jorpati haben Kinder ein Zuhause gefunden, die unvorstellbares Leid durchgemacht haben und aus der Gesellschaft ausgestoßen waren. Dennoch oder gerade deshalb erlebt man dort unglaublich glückliche Menschen.“

In Jorpati leben Kinder mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. In einem armen Land wie Nepal, wo viele Menschen ums Überleben kämpfen müssen, haben solche Kinder nicht den Hauch einer Chance auf einen adäquaten Umgang – mit Ausnahme ganz weniger Orte, von denen das Kinderdorf Jorpati einer ist.


Ajay blickt mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. Fotos: Wolfgang Kehl
Wir treffen dort den 17jährigen Ajay aus Haus Nr. 3. Er kam mit schwersten Verbrennungen an den Beinen als Vierjähriger nach Jorpati. Verwandte hat er keine mehr. Aber hier hat er drei SOS-Brüder und viele Freunde im Dorf und in der nahe gelegenen Schule. „Das Beste hier,“ sagt er, „ist die Familie. So etwas habe ich früher nie gekannt!“ Ajay tut selbst viel für das gelungene Zusammenleben. Er ist der Chef des dorfeigenen „Kinderclubs“. Ajay hat so gar nichts „Chefmäßiges“ an sich, aber er strahlt eine unglaubliche Wärme aus. Wenn er seine Gitarre auf die Veranda holt, kommen Kinder und Mütter aus dem Dorf zusammen. Alle klatschen und singen mit oder begleiten ihn auf Trommeln. Wie aus dem Nichts entsteht Gemeinschaft, die förmlich mit den Händen zu greifen ist. Die Kinder von Jorpati genießen nicht die Geborgenheit, sie leben diese Geborgenheit. Jeder trägt dazu bei. Ajay schaut übrigens optimistisch in seine Zukunft, allerdings mit einer Einschränkung: „Der Tag, an dem ich das Dorf verlassen werde, wird ein schwerer Tag für mich werden!“



Zehn bis zwanzig Kinder kommen pro Jahr ins SOS-Kinderdorf Jorpati.
Also alles in bester Ordnung in den Kinderdörfern? Ja und nein. Nepal ist ein bettelarmes Land, da bleibt viel zu tun und bei aller Magie auch wenig zu beschönigen. Im SOS-Kinderdorf Bharatpur im Süden treffen wir einen kleinen Jungen. Er stammt aus einer achtköpfigen Familie. Die Leute hatten im Wald Pilze gesammelt und ein paar giftige erwischt. Alle acht starben an Vergiftung, der Kleine hat auch eine Dosis über die Muttermilch abbekommen, konnte aber gerettet werden. Der zuständige Behördenleiter hat aus mehreren Optionen für den Kleinen das SOS-Kinderdorf ausgewählt, weil er damit beste Erfahrungen gemacht hat. Ein Beispiel, wie Kinder von einem Augenblick auf den anderen ihrer Grundlagen beraubt werden – und ein Beispiel, dass SOS das Vertrauen der Menschen genießt, solche Kinder auffangen zu können. Zehn bis zwanzig Kinder kommen pro Jahr neu ins Kinderdorf, weil ihnen der alte Ort zum Leben weggebrochen ist. Ausgestoßene Kinder werden wieder zurückgeholt, traumatisierte Kinder schöpfen neuen Mut, verlassene Menschen finden wieder Anschluss ans Leben.

Die magischen Orte von Nepal dürfen den Blick nicht verstellen für die überall greifbare Not vieler armer Menschen. Die SOS-Kinderdörfer haben den Mut, hinzusehen, damit aus Not ein Neuanfang wird. Die Mittel hierfür verdanken Kinder, Mütter und tatkräftige SOS-Mitarbeiter unseren Spenderinnen und Spendern. Das darf niemals vergessen werden.
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