Kinderdorfkind wird Filmstar

Nepal. Hema Shrestha ist Nepals erster weiblicher Action-Star. Was sie über eine Gesellschaft denkt, in der es normal ist, Frauen während der Periode in einen Kuhstall zu sperren. (Artikel von Anja Kröll, SN am 30.01.2014)

Glaubt man einem nepalesischen Sprichwort, ist Hema Shrestha wie ein Tischtennisball. Die Nepalesin mit den langen dunklen Haaren gilt mit 26 Jahren in ihrem Land als alt. Ganz zu schweigen davon, dass sie unverheiratet ist. In dem Himalaya-Staat ist es normal, dass Mädchen mit 15, 16 an den Mann gebracht werden.

Mehr als die Hälfte aller Kinder unter 18 Jahren sind verheiratet. „Eltern, die ihre Töchter verheiraten, haben einen Mund weniger zu füttern. Und die Familie des Mannes erhält eine extra Arbeitskraft“, erklärt Khagendra Nepal, Projektdirektor bei SOS Nepal.

Hema ist anders. Und steht damit auch für ein anderes Nepal. Ein modernes, eines, wie es in Zukunft vielleicht sein könnte. Die Geschichte der Nepalesin beginnt dort, wo Khadengra heute arbeitet. Im SOS-Kinderdorf. Weil ihre Mutter kurz nach ihrer Geburt stirbt, wird Hema mit drei Monaten von ihrem Bruder abgegeben. „Ich war ein kränkliches Kind, bis ich mit Taekwondo begonnen habe“, erzählt die 26-Jährige.


Hema spielte shcon in mehreren Musikvideos mit, jetzt folgt der erste Film. Foto: thepnpmedia
Was dann passiert, erinnert ein wenig an ein Märchen. Hema nimmt 2008 an einer Misswahl teil. „Das hat mein Leben komplett verändert“, sagt die junge Frau. Es folgen Aufträge als Model und Tänzerin, sie dreht mehrere Musikvideos, eröffnet ein eigenes Modegeschäft. Viele Steine seien ihre als Frau in den Weg gelegt worden, sagt Hema. Welche, will sie nicht sagen.

Lieber spricht sie über ihren ersten Film, der in zwei Monaten in den Kinos Premiere feiert. Er heißt „Hasiya“, was übersetzt so viel wie „Die Sichel“ bedeutet. Ein Streifen, in dem Hema zum ersten Mal in der nepalesischen Filmgeschichte die weibliche Hauptrolle in einem Action-Film spielt, eine Frau, die sich in Lederkluft und mit einer Sichel bewaffnet durch das Land kämpft.

Der Kampf der Frauen Nepals, besonders in den ländlichen Gebieten, sieht anders aus. Frauen gelten als Eigentum ihres Mannes oder Vaters. Laut Schätzungen werden 10.000 bis 15.000 nepalesische Mädchen und Frauen jährlich zur Prostitution gezwungen, viele werden an die Bordelle Mumbais verschachert. Jedes fünfte Opfer ist noch nicht 16 Jahre alt. Jede zweite Zwangsprostituierte infiziert sich mit HIV.

„Es ist traurig. Aber langsam macht sich eine Veränderung bemerkbar. Die Frauen emanzipieren sich. Nicht in dem Rahmen, in dem man es in Europa gewöhnt ist, aber es gibt einen Wandel“, sagt Projektleiter Nepal. Aktuell liegt das Land zwischen China und Indien im Gender-Gap-Index, einem Messinstrument für Frauenrechte, auf Platz 126 von 135.

Auch die Regierung kümmert sich mehr um die Rechte der Frauen. So wurde in ländlichen Gebieten mittlerweile verboten, dass Frauen während ihrer Periode für vier Tage in einen Kuhstall gesperrt werden. Erlassen wurde das Gesetz 2005. Ob es wirklich befolgt wird, ist unbekannt.

Frauen müssen in Nepal darum kämpfen, die klassischen Rollenbilder zu druchbrechen. Foto: Wolf Nielsen
„Die Rolle der Frauen in Nepal ist eine sehr, sehr schwierige. Wir haben weniger Möglichkeiten, auch weil einem das die Gesellschaft immer wieder einredet und es die Männer nichts anderes kennen. Ich finde das traurig“, sagt Hema Shrestha. Und nach einer kleinen Pause: „Ich hatte das Glück, in einem gesunden Umfeld aufzuwachsen, in dem Männer und Frauen gleichgestellt sind.“ Ob sie sich als Vorbild für die Frauen ihres Landes sieht? „Ich würde es mir wünschen. Letztlich geht es darum, was man selbst will. Darauf sollte man sich konzentrieren und sich nicht davon abbringen lassen. Das ist meine Botschaft.“

Vielleicht werden sich dann auch eines Tages die nepalesischen Sprichwörter ändern. Das mit dem Tischtennisball geht so: Bis 20 sind Frauen wie Fußbälle. Alle Männer sind hinter ihnen her. Von 20 bis 25 sind Frauen wie Cricket-Bälle. Nur einer ist hinter ihnen her. Ab 25 sind Frauen wie Tischtennisbälle. Niemand will sie haben.

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