Monica Lienhart - die Gemeinschaft hat mir Sicherheit gegeben!

Monika Lienhart ist mit ihren Schwestern nach dem frühen Tod ihrer Mutter im SOS-Kinderdorf in Imst aufgewachsen. Ihr Blick zurück ist dankbar, aber nicht verklärt.

„Sie fehlt mir schon noch manchmal“, sagt Monika Lienhart, als sie auf ihre leibliche Mutter zu sprechen kommt. Monika war acht Jahre alt, als ihre Mutter mit nur 32 Jahren verstarb und sie und ihre sechs Schwestern in Kapfenberg als Halbwaisen zurückließ.


Es war ein hartes Leben, in das die Kinderschar gestoßen wurde. Ihre Eltern lebten getrennt, so dass sie nach dem Tod der Mutter völlig auf sich gestellt waren. Britische Besatzungstruppen organisierten eine Ausspeisung, die den Kindern täglich  eine warme Mahlzeit verschaffte. Monikas älteste Schwester musste die Rolle der Mutter übernehmen und dafür sorgen, dass ihre fünf jüngeren Schwestern einen halbwegs geordneten Tagesablauf hatten: dass es Essen und saubere Kleidung gab und alle in die Schule gingen. Ein zu harter Job für ein Mädchen, das gerade einmal 15 Jahre alt war. Dass das nicht gut gehen würde, war abzusehen: Es fehlte den Kindern an allem, was Kinder im täglichen Leben brauchten – aber am meisten fehlte die Mutter.

Im Januar 1958 schlug schließlich die Gemeindeschwester, die ab und zu bei den Kindern vorbeischaute, Alarm. Die Zustände, in denen die Mädchen leben mussten, waren unerträglich geworden. Sie wandte sich ans Jugendamt. In kurzer Zeit konnte – ein kleines Wunder damals – ein Ort ausfindig gemacht werden, an dem die Mädchen ein neues Zuhause finden konnten. Und vor allem zusammenbleiben durften. Bis auf Monikas älteste Schwester - sie war mit 15 bereits zu alt, um im SOS-Kinderdorf in Imst aufgenommen wzu werden. „Das schmerzt mich noch heute manchmal“, sagt Monika Lienhart.
 
Monika Lienhart (im Bild mit ihrem Mann Alfred) blickt gerne auf die Zeit im SOS-Kinderdorf zurück. Fotos: Privat.

"Wo sind wir hier?"

Monika Lienharts erster Eindruck, als sie mit ihren Geschwistern nach Imst kam, war zwiespältig: Die Mädchen wurden liebevoll in ihrer neuen Familie, in der bereits fünf Kinder lebten, aufgenommen. Aber sie, die das Leben in der Stadt gewohnt waren, mussten sich nun auf dem Land zurechtfinden – im Wald, weit ab von der Stadt Imst. "Aber wir hatten unsere SOS-Kinderdorf-Mutter, wir waren versorgt, geachtet – und wir hatten alle ein eigenes Bett. Das war fast das Größte! Und dann die Gemeinschaft im Dorf – also die war schon sehr stark. Das hat uns auch Sicherheit gegeben."
 
Und Frau Krapf, die SOS-Kinderdorf-Mutter? „Sie war unsere SOS-Kinderdorf-Mutter, die emotionale Distanz zwischen uns ist im Laufe der Jahre geschwunden. Es war halt am Anfang nicht leicht, Emotionen zu zeigen. Jetzt besuche ich sie wöchentlich im Altersheim, wir mögen uns gerne und wir unterstützen sie in ihren Angelegenheiten. Aber sie war nicht unsere Mama. Das war aber bei vielen Kindern in Imst anders. Da war die SOS-Mutter die richtige Mutter. Mit allen Emotionen.“
 
Aus dem Dorf und hinein ins Leben

„Ab meinem 15. Lebensjahr durfte ich einmal jährlich nach Hause in die Steiermark fahren. Ich traf dort meinen Vater und meine älteste Schwester. Diese Besuche waren für mich enorm wichtig, weil ich so erkannte, dass wir trotz allem eine Familie waren, auch wenn wir nicht mehr zusammen lebten.

Ich war ja immer eine gute Schülerin. Mein Wunsch war es, nach Schulabschluss eine Friseurlehre zu machen. Das wäre mein Traumjob gewesen! Aber der damalige Dorfleiter Herr Herregger rief mich zu sich und sagte, dass ein Mädchen, das so gute Schulleistungen bringt, eine weitere Ausbildung machen muss. Ich entschied mich für die Krankenschwesternschule. Am Anfang hatte ich nicht die besten Noten, aber dann packte mich der Ehrgeiz und zum Schluss habe ich mit Auszeichnung bestanden!

Ja, und so bin ich Krankenschwester geworden: Hab im Spital gearbeitet, geheiratet, Kinder bekommen und jetzt, in der Pension, bin ich hauptberuflich Oma. Rückblickend kann ich sagen, dass es mir eigentlich sehr gut gegangen ist, angesichts der Umstände, in die wir hineingeboren wurden. Und die Zeit im Kinderdorf, war wichtig, prägend und immer wieder schön. Ich blicke gerne zurück aber ich schau ich ganz gerne in die Zukunft und freue mich auf das, was noch kommt.“
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