Nadine See

30 Jahre alt, SOS-Kinderdorf-Mutter seit Jänner 2018

 

Wann hast du das erste Mal vom Beruf SOS-Kinderdorf-Mutter gehört?

Ich kannte das Berufsbild eigentlich nicht bevor ich angefangen habe bei SOS-Kinderdorf zu arbeiten. Das Bild, das ich im Kopf hatte, war ein sehr veraltetes. Ich hatte keine konkrete Vorstellung, welche Kinder dort betreut werden. Richtig kennen gelernt habe ich den Beruf dann, als ich als Familienpädagogin in einer SOS-Kinderdorf-Familie gearbeitet habe.
 

Warum hast du dich entschieden, SOS-Kinderdorf-Mutter zu werden?

Ich habe davor in sozialpädagogischen Wohngruppen gearbeitet und da war alles immer so zerrissen. Der eine Betreuer geht und der andere kommt. In einer SOS-Kinderdorf-Familie ist der Alltag beständiger. Man kann starke Beziehungen aufbauen und viel mit den Kindern gemeinsam arbeiten. Aber mein Entschluss war eigentlich nicht ganz freiwillig. Ich war ja ursprünglich Familienpädagogin in einer SOS-Kinderdorf-Familie. Als die SOS-Kinderdorf-Mutter gekündigt hat wollten wir als Team die Familie erhalten. Irgendwer von uns musste den Job übernehmen und da hab ich mir gedacht, was soll‘s, ich mach‘s!
 

Was macht den Beruf deiner Meinung nach besonders?

Besonders ist, dass man die Kinder im gesamten Alltag begleiten kann. Man bekommt einfach alles mit, vom Aufstehen bis zum Kochen. Man kann auch sehr selbständig arbeiten, viel unternehmen, Ausflüge am Wochenende machen oder gemeinsam in den Urlaub fahren. Ich bin aber auch nicht alleine. Wir arbeiten als Team und helfen uns gegenseitig. Gerade die Teamarbeit ist mit meinen Kolleginnen besonders toll, ohne sie würde es nicht gehen. Ganz wichtig ist es für eine SOS-Kinderdorf-Mutter das richtige Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz zu finden. Ich bin ja nicht die leibliche Mama. Die Kinder haben eine Familie, eine leibliche Mutter, die sie regelmäßig sehen. Ansonsten ist es ein Beruf wie jeder andere, wir müssen genauso professionell arbeiten wie in jedem Job.
 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?

Wie normaler Familienalltag eigentlich. Ich wecke die Kinder, richte ihnen Frühstück, schaue dass sie zur Schule gehen. Am Vormittag habe ich dann auch Zeit für mich, wenn ich keine Termine mit oder für die Kinder wahrnehmen muss. Außerdem mache ich Haushaltsarbeit und richte schon das Mittagessen her. Am Nachmittag stehen Hausübungen und Freizeitgestaltung an. Natürlich haben wir auch Teamsitzungen oder Familienrunden, bei denen das ganze Team mit den Kindern zusammen sitzt und Wichtiges bespricht. Am Abend essen wir gemeinsam, schauen fern, lernen vielleicht noch und dann gehen die Kinder schlafen. Ich verbringe 5 Tage die Woche in der SOS-Kinderdorf-Familie. In der restlichen Zeit werden die Kinder von meinen Kolleginnen betreut.
 

Wie sieht dein Werdegang aus, welche Ausbildung hast du absolviert?

Ich habe eigentlich schon gerne auf Kinder aufgepasst als ich selbst noch ein Kind war und wollte auch immer einen Sozialberuf ergreifen. Trotzdem bin ich erst über Umwege dorthin gekommen. Nach der Schulzeit habe ich eine Tischlerlehre angefangen, dann aber schnell gemerkt, dass das doch nicht das Richtige ist. Ich habe mich zum Grundwehrdienst gemeldet und wollte danach eigentlich zur Polizei. Dabei ist mir aber ein schwerer Skiunfall dazwischen gekommen. Ich habe die Zeit genutzt, um mich neu zu orientieren und mich danach als Kindergartenhelferin beworben. Den Job hab ich bekommen, war aber nicht ganz glücklich mit den Befugnissen und Möglichkeiten die ich hatte. Ich wollte Kinder fordern und fördern und selbst Entscheidungen treffen. Deshalb habe ich schließlich eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Fachbetreuerin an der FH Oberösterreich gemacht. Während meiner Studienzeit war ich bereits als Praktikantin im SOS-Kinderdorf Altmünster. Ich habe mir auch andere Träger angesehen und war im mobilen und im stationären Bereich tätig, aber letztlich wollte ich wieder bei SOS-Kinderdorf arbeiten.
 

Was ist die größte Einschränkung oder Herausforderung in deinem Beruf?

Auf jeden Fall eine Partnerschaft zu führen, wenn der Partner nicht auch im Sozialbereich tätig ist. Er muss zumindest großes Verständnis dafür haben. Mein Partner kommt einer Arbeit mit geregelten Arbeitszeiten nach. Ich arbeite auch oft am Wochenende oder habe Nachdienste, da bleibt nicht so viel gemeinsame Zeit. Schwierig wird es sicher auch, wenn wir dann mal eine eigene Familie gründen wollen.
 

Was machst du in deiner Freizeit?

Ich verbringe sie mit meinem Freund in unserer gemeinsamen Wohnung. Ich trenne mein Privatleben strikt von meiner Arbeit. Es wäre auch möglich, dass mein Partner mit in die SOS-Kinderdorf-Familie zieht, aber für mich kommt das nicht in Frage. Mein Freund kommt mich und die Kinder schon gelegentlich besuchen oder wir fahren auch mal in unserer Wohnung vorbei, aber das kommt sehr selten vor. Wichtig ist für mich, dass ich in meiner Freizeit auch wirklich frei habe. Die Kinder wissen dann auch Bescheid. An manchen Tagen sind meine Kolleginnen für sie da. Das funktioniert aber natürlich nur, weil ich ein super Team habe! Wir machen die Dienstplanung auch immer gemeinsam und nehmen Rücksicht auf die Pläne der jeweils anderen.
 

Welchen Ratschlag würdest du Personen geben, die sich für den Beruf SOS-Kinderdorf-Mutter oder SOS-Kinderdorf-Vater interessieren?

Auf jeden Fall sich den Beruf real anzusehen, zum Schnuppern zu kommen und den Alltag mal eine Woche mitzuerleben. Man muss den Alltag sehen, das kann man sich sonst nicht vorstellen. SOS-Kinderdorf-Mutter zu sein ist es ein emotionaler aber auch ein sehr schöner Job.
 

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