Wunden des Krieges heilen

Trauma-Spezialistin und Psychologin Teresa Ngigi ist in den Krisenregionen dieser Welt zu Hause. Seit drei Jahren ist die Expertin bei SOS-Kinderdorf tätig und schafft die Voraussetzungen, damit alle MitarbeiterInnen, die mit Kindern aus Krisengebieten arbeiten, Traumatas erkennen und behandeln können.

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Seit 20 Jahren ist Teresa Ngigi als Psychologin tätig und seit drei Jahren für SOS-Kinderdorf in den Krisengebieten wie Ruanda, Somalia, Sierra Leone und Mosambik unterwegs. Sie hat dort viel erlebt, doch was Kinder in Syrien erleiden müssen, das ist selbst für die Expertin an der Grenze des Ertragbaren.

"Was die Kinder dort erlebten, ist selbst für Erwachsene schwer zu ertragen. Viele haben den grausamen und qualvollen Tod ihrer nächsten Angehörigen mit eigenen Augen erleben müssen. Sie kamen in Flüchtlingslagern. Sie wurden dort allein gelassen, vernachlässigt, missbraucht, sie waren völlig auf sich allein gestellt! Dabei brauchen Kinder gerade nach Krisenfällen Stabilität. Sie brauchen Zuverlässigkeit und das Gefühl ein Zuhause zu haben", sagt Frau Ngigi.

Auf einem Besuch in einem syrischen Flüchtlingslager im Libanon hat sie das Schicksal von vier Geschwistern besonders bewegt. Die Kinder mussten einen Mord miterleben, der zur Inhaftierung ihrer Eltern führte. Um die vier Geschwister - im Alter zwischen einigen Monaten und sieben Jahren – kümmerte sich niemand.

Der Leiter des Lagers wandte sich an SOS-Kinderdorf, das die Geschwister sofort aufnahmen. "Der Zustand der Kinder war besorgniserregend. Sie waren völlig apathisch und traumatisiert“, erzählt Ngigi. „Als ihre neue SOS-Kinderdorf-Mutter die Geschwister zum ersten Mal sah, versprach sie ihr Leben dafür zu geben, dass diese Kinder nun endlich eine Kindheit bekommen, die sie verdienen!"

"Das hat mich zutiefst berührt", erzählt Frau Ngigi. "Wir brauchen Menschen mit einem großen Herzen und der notwendigen Ausbildung!" Drei Jahre später haben die Kinder große Fortschritte gemacht. "Sie sind aktiv, lebenslustig und brillant in der Schule", erklärt sie. "Sie haben das, was wir posttraumatisches Wachstum und Resilienz nennen, auf so eindrucksvolle Weise entwickelt. Deshalb setzte ich so große Hoffnung in SOS-Kinderdorf, weil es in solchen Situationen buchstäblich Leben rettet!"

Frau Ngigi, gebürtige Kenianerin, lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Italien. Ob sie denn der anspruchsvolle Job nach so vielen Jahren immer noch erfüllt? "Wenn ich sehe, wie Kinder gedeihen, wachsen und förmlich aufblühen – also glücklich sind - dann ist das für mich die Erfüllung. Mehr kann ich nicht verlangen."