Von Pech und Schwefel. Und von der Liebe.

"Nein!", lacht Nadja, Betreuerin in der SOS-Krisenwohngruppe. "Reine Harmonie herrscht nicht zwischen ihnen!"

Die, zwischen denen keine Harmonie herrscht, sind gerade mit ihren Hausaufgaben fertig geworden und stürmen in die kleine Garderobe: Stefan und Anita schnappen sich eilig Mütze und Handschuhe, Schal und ... "Wo sind meine Schuhe?", ruft Stefan. "Einer steht da hinten", sagt Anita und knöpft ihre Jacke zu. Nichts wie raus vor die Tür und rein in den Winter! Auch wenn der Schnee nur für ein Schneemännchen reicht.
 

"Wir waren betroffen,...

... als wir beim Aufnahmegespräch die Geschichte der beiden Geschwister erfahren hatten: Not und Vernachlässigung von klein auf." Nadja berichtet weiter: von der Trennung und vom plötzlichen Tod des Vaters, von der Krankheit der Mutter. Und davon, dass das Schicksal erst mit dem Schuleintritt mit den Kindern ein Einsehen hatte.

Anita und Stefan waren verschüchtert, als sie nach Intervention der Sozialarbeiterin in der SOS-Krisenwohngruppe aufgenommen wurden. Die Zustimmung war ihrer Mutter zunächst nicht leichtgefallen. Schon bald fassten die beiden Vertrauen zu Nadja und zu ihren drei älteren Mitbewohnern. Sie lernten, wie schön es ist, in einer friedvollen Gemeinschaft zu leben, geliebt und geachtet zu werden. Und Pflichten zu haben: "Im Haushalt helfen die beiden nicht so gerne mit, und Aufräumen wird wohl auch kein Hobby werden. Aber vorher wird halt nicht mit den anderen gespielt. Das akzeptieren sie schon."

Stefan, der inzwischen seinen zweiten Schuh entdeckt hat, kratzt für einen Schneeball eine Handvoll Schnee zusammen. Pech und Schwefel: Denn seine Schwester Anita wurde gerade von einem solchen getroffen, sie schnieft beleidigt, während ein anderer Bub lachend davonläuft. An der lautstarken Jagd durchs Kinderdorf, die nun folgt, beteiligen sich mindestens zehn weitere Kinder.

Nach Harmonie klingt das wirklich nicht. Aber nach Kinderglück schon.

SOS-Krisenwohngruppen

In SOS-Krisenwohngruppen werden Kinder aufgenommen, die aufgrund akuter familiärer Krisen schnell einen Platz brauchen, an dem sie für einige Tage, Wochen oder maximal Monate bleiben können. Ziel des Aufenthaltes ist die Erarbeitung individueller Lösungsperspektiven für jedes einzelne Kind.
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