Ukraine – 09.02.22

Von der Welt vergessen

Sieben Jahre Krieg mit Russland und dazu das Corona-Virus: In der Ukraine leiden immer mehr Kinder unter psychischen Problemen.

Die psychischen Probleme von Kindern und Familien in der Ostukraine nehmen derzeit massiv zu. "Der Gesamtzustand der Menschen ist seit Jahren höchst fragil. Jetzt beobachten wir, wie sich sämtliche Probleme aufgrund der Pandemie weiter verschärfen", so Oleksii Gelyukh, Psychologe von SOS-Kinderdorf vor Ort.
Das Leiden in der Ostukraine finde weitgehend ungeachtet der Weltöffentlichkeit statt. Seit 2014 sind mehr als 13.000 Menschen gestorben, 800.000 wurden aus ihrer Heimat vertrieben, Millionen Menschen in den Oblasten Donezk und Luhansk leiden aktuell unter Gefechten und Belagerung, darunter 430.000 Kinder und Jugendliche. "Die Kinder leben seit Jahren unter Dauerstress und verbringen die meiste Zeit abgetrennt von ihren Freunden. Die Corona-Maßnahmen verstärken die Isolation und bringen das Fass häufig zum Überlaufen", erzählt Oleksii Gelyukh, Psychologe von SOS-Kinderdorf in Luhansk. “Angststörungen und Depressionen nehmen zu, ebenso Entwicklungsverzögerungen, Sprachprobleme und Aggressionen. Angesichts der desolaten Lebensbedingungen ist Home-Schooling für die allermeisten völlig ausgeschlossen.“


Leben in täglicher Gefahr

Nach dem Waffenstillstand vom Juli 2020 nahmen die sicherheitsrelevanten Vorfälle ab, seit 2021 gibt es allerdings wieder Verschärfungen.  In diesem Zeitraum wurden etwa vier Schulen in militärischen Zwischenfällen beschädigt. „Wir bemerken eine generelle Verschlechterung der psychischen Verfassung bei Kindern und ihren Eltern in der Region“, berichtet Gelyukh. "Angesichts der Tatsache, dass viele Kinder in Pflegefamilien ein Trauma im Zusammenhang mit Gewalt oder Verlust erlebt haben, führt selbst minimale Aggression zu einer erneuten Traumatisierung und einem Verlust des Sicherheitsgefühls." 


Eine ungebremste Pandemie

Neben der militärischen Sicherheitslage, macht auch die Corona-Pandemie den jungen Menschen in der Ostukraine zu schaffen. "Die Situation in Luhansk ist schwierig. Oft sind Impfstoffe nur kommerziell erhältlich oder können über zerstörte Straßen nicht in die abgelegenen Orte transportiert werden“, erzählt Serhii Lukashov, National Director von SOS-Kinderdorf in der Ukraine: „Am beunruhigendsten sind die zahlreichen Schulabbrüche von Kindern aufgrund der langen Quarantäne. Vor allem in kleinen Dörfern in abgelegenen Gebieten, wo es kein Internet und keine Notebooks gibt.“ 


SOS Kinderdorf in der Ukraine

SOS-Kinderdorf ist seit über 20 Jahren in der Ukraine tätig. Aus einem Familienstärkungsprogramm in der Stadt Kiew wurde bald auch ein SOS-Kinderdorf in Brovary eröffnet. Seit 2012 und besonders seit dem Krieg 2014 unterstützten wir auch verstärkt bedürftige Familien in der Stadt und Umgebung von Luhansk.

Bitte spenden Sie für die Kinder und Familien in der Ukraine!

Ihr wertvoller Beitrag sorgt dafür, dass junge Mädchen und Burschen gut gewappnet auf Unwegsamkeiten des Lebens reagieren können und ihr Traum von einem gelingenden selbstständigen und ganz normalen Leben wahr wird. DANKE!

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