Interview

Wie ein kleiner Bruder

Das SOS-Kinderdorf Rechberg feierte am 9. Juni seinen zehnten Geburtstag. Stefanie und Stefan gehörten zu den ersten Kindern, die hier im Sommer 2008 eingezogen sind. Im OÖN-Interview erzählen sie über ihr Aufwachsen als Kinderdorf-Kinder im Mühlviertel.

Was war denn der erste Eindruck vom neuen Zuhause in Rechberg?
Stefan: Groß – als Sechsjähriger war das schon beeindruckend, hierher zu kommen.
Steffi : Ich erinnere mich an die vielen neuen Gesichter, die da auf einmal da waren. Kein Wunder: Für uns alle hat damals ein völlig neuer Lebensabschnitt begonnen. Da kommt man nicht einfach so an, von heute auf morgen.

Gibt es einen Platz im SOS-Kinderdorf Rechberg, der Sie besonders intensiv an Ihre Zeit dort erinnert?
Steffi: Das Wohnzimmer unserer Kinderdorf-Familie. Dort spielte sich alles ab. Da wurde gemeinsam gegessen, gefeiert, der zurückliegende Tag besprochen. An diesen Platz erinnere ich mich gerne.


Was haben Sie im Familien-Alltag immer besonders gern gehabt bzw. was mochten Sie gar nicht?
Stefan: Ich habe mich immer auf die gemeinsamen Einkaufsfahrten gefreut. Dann war da der Spielplatz unten beim Wald, da habe ich mich sehr gerne aufgehalten, als ich noch jünger war. Was haben wir nicht so gerne gemacht? Hausübungen, aufräumen – so wie alle Kinder halt. Da waren wir nicht anders.

Worüber wurde gestritten und sind dabei auch mal so richtig die Fetzen geflogen?
Stefan: Kleinigkeiten hat es öfter gegeben. Das ist ja klar bei einer Familie mit fünf Kindern. Aber so richtig eskaliert ist es eigentlich nie.
Steffi : Da wäre sicher ein Betreuer dazwischen gegangen. So wirklich wild wurde es nicht. Wir haben uns eigentlich in der Kinderdorf-Familie immer gut vertragen. Vor allem mit Stefan bin ich viel beisammen gesteckt. Ich hab immer auf ihn aufgepasst.
Er ist für mich mein kleiner Bruder.

Wie funktionierte der gesellschaftliche Anschluss in Rechberg?
Stefan: In Rechberg dazuzugehören, war kein Problem. Das war schon in der Volksschule so. Anfangs haben die Klassenkameraden schon gefragt, wegen der Adresse und so, warum ich denn dort lebe. Aber nachdem ich das einmal erklärt habe, war das kein Thema mehr. Ich habe dann auch im Ort Fußball gespielt.
Steffi : Bei mir war das ganz ähnlich. Sowohl in der Volksschule als auch später in der NMS in Bad Zell war ich wie selbstverständlich mit dabei. Ich habe mich nicht als Fremdkörper gefühlt, durfte überall ganz normal dazugehören. Das weiß ich heute noch sehr zu schätzen.


Ihr seid auf dem Sprung in die Welt der Erwachsenen. Wie sieht euer Leben
aus?

Steffi: Ich wohne mittlerweile in Schwertberg und arbeite dort als Restaurantfachfrau
im Gasthof Geirhofer. Im Sommer werde ich mir in Perg eine neue Wohnung suchen.
Stefan: Derzeit lebe ich noch im SOSKinderdorf und habe in Perg beim Strasser eine Lehre im Einzelhandel für Telekommunikation begonnen. Wann ich dann auch mit einer Wohnung auf eigenen Beinen stehen werde, wird sich wahrscheinlich in den
kommenden Monaten entscheiden.

Interview Mag. Bernhard Leitner (OÖ Nachrichten)

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