Handy & Co

Ein Tag ohne Handy? "Geht gar nicht!"

Wie das Smartphone den Alltag von 10-jährigen verändern kann. Der Kinderdorfbote hat sich bei Erstklässlern von Wiener Gymnasien umgehört ...

"Mir ist so fad!" Sätze wie dieser gehören für Christina, Emil und Sylvia fast der Vergangenheit an. Rund um ihren 10. Geburtstag haben sie ihr sehnlichst gewünschtes Smartphone bekommen. Seitdem ist die Langeweile kaum mehr ein Thema. Denn mit dem Smartphone lässt sich vieles machen: telefonieren, chatten, spielen, Videos machen und schauen, fotografieren, Musik hören und und und. Das bedeutet ein Freiheitsgefühl für die Heranwachsenden und Wunscherfüllung unmittelbar auf Knopfdruck.
 


Warum war der Wunsch nach dem Handy schon in der Volksschule so groß? "Weil in der vierten Klasse einfach schon viele ein Handy hatten und weil ich mit Freunden WhatsApp haben wollte", erzählt Christina. Die glitzernde Handyhülle verziert sie immer wieder neu und ist ihr mittlerweile fast genauso wichtig wie die umfassenden Funktionen des technischen Wunderdinges. Für den 10-jährigen Emil dreht sich seit dem Ende seiner Volksschulzeit der Nachmittag oft vor allem um coole Fußballvideos auf Youtube. "Ich bemühe mich, dass ich schnell mit der Hausübung fertig bin, dann kann ich nachher in Ruhe Videos schauen."
 


Es tut gut zu wissen, dass ich eigentlich fast immer irgendwen von meinen Freunden und Kollegen erreichen kann, der mir weiterhilft.

Christina
10 Jahre


Bei den drei Schülern piepst, zwitschert und vibriert es. Die Klassen- WhatsApp-Gruppe ist eine dankbare Anlaufstelle für Fragen rund um Hausübungen: "Welche Seite ist in Mathe auf? Kann mir jemand den Englisch-Übungszettel schicken?" Diese Möglichkeit, sich schnell und unkompliziert austauschen zu können, möchten sie nicht mehr missen. Christina: "Es tut gut zu wissen, dass ich eigentlich fast immer irgendwen von meinen Freunden erreichen kann, der mir weiterhilft."
 
 

Fürs Lesen bleibt mir weniger Zeit

Ein Tag ohne Handy? Da sind sie sich einig: "Geht gar nicht!" Und doch war es bis vor einigen Wochen selbstverständlich möglich. Was hat sich verändert? "Fürs Lesen bleibt mir jetzt schon weniger Zeit", überlegt Christina. "Und das Basteln ist auch weniger geworden." Sylvia kostet das Klavierüben mehr Überwindung als noch vor einem halben Jahr. Bedeutet es doch, sich vom Spielen, Chatten oder Video schauen losreißen zu müssen. In den vergangenen Wochen haben sich bei den beiden Mädels sogenannte "Youtuberinnen" mit ihren Videos über Schminktipps, Reisen, Duschschaum, Haustiere und Rezepte einen fi xen Platz in der Freizeit erobert.
 
 

Handy-Regeln: Das Einhalten fällt schwerer als ursprünglich gedacht

Die Online-Zeit verrinnt fast unbemerkt. Schnell wird aus dem "Nur kurz Nachrichten checken" eine Dreiviertelstunde. Bevor Christina das Handy bekommen hatte, wurde zu Hause viel darüber gesprochen, was sie machen darf, was nicht, wie viel und wann und wo. Ihre "Handyregeln" hat sie im Vorfeld selbst überlegt, formuliert und mit Glitzerstift auf einem Zettel festgehalten. Da steht etwa: "Kein Handy bei Tisch! Kein Handy bei der Hausübung! Nur zu begrenzten Zeiten spielen!" Doch sich daran zu halten fällt jetzt, da das Smartphone da ist, "viel schwerer als gedacht", gibt sie zu.

Was sie von handyfreien Tagen halten? "Nix! Höchstens, wenn auch die Erwachsenen sich dran halten und ihr Handy für 24 Stunden wegsperren", antwortet Christina. "Dann setzen wir uns zusammen und haben alle genug Zeit zum gemeinsamen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen", meint Emil und alle drei lachen verschmitzt.
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