SOS-Kinderdorf Vater
Professionalität

"Das ist kein Widerspruch!"

Der Imster SOS-Kinderdorf-Leiter Jörg Schmidt über Professionalität in der Betreuung fremduntergebrachter Kinder und Jugendlicher.

Kinder brauchen Liebe und Zuneigung. Steht Professionalität nicht im Widerspruch zu diesen grundlegenden Bedürfnissen?


Im Gegenteil! Es handelt sich um zwei Seiten einer Medaille: Unsere Aufgabe ist es, mit Kindern und Jugendlichen in Beziehung zu treten. Und das muss von Herzen kommen. Es ist wichtig, die Kinder und Jugendlichen von innen heraus ‚anzustrahlen‘. Das ist Herzlichkeit, Emotion, Gefühl.


Was heißt dann, "professionell" zu sein?


Diese Herzlichkeit der ersten Begegnung bedeutet nicht, dass das Kind das sofort akzeptiert und sagt: ‚Danke, dass du jetzt bei mir bist und dann ist alles gut‘. Die ersten Reaktionen können sein: Ängstlichkeit,Vorsicht, Scheu, auch offene Ablehnung. Das sollten professionelle Pädagoginnen und Pädagogen nicht persönlich nehmen. Da braucht es eine fundierte Ausbildung, Eigenreflexion inklusive. Die Mechanismen des Verhaltens traumatisierter Kinder und Jugendlicher müssen bekannt sein, pädagogische Haltungen und Konzepte gelebt und eingesetzt werden. Kinder testen dich als erstes ab.


Ist professionelles Arbeiten fehlerloses Arbeiten?


Natürlich nicht. Wir haben eine gelebte Fehlerkultur. Wir sprechen Fehler an, wir machen darauf aufmerksam, wir suchen nach Alternativen, um sie nicht mehr zu wiederholen, und wir praktizieren ‚Wiedergutmachung‘. Die Kinder dürfen erleben, dass auch Erwachsene Fehler machen. Eine Entschuldigung macht nicht schwach, sondern stark, schafft Vertrauen und festigt die Beziehung. Ein Fehler ist aber keine Grenzüberschreitung: Dafür gibt es einen klaren pädagogischen Leitfaden und die verpflichtende Meldung an die Kinder- und Jugendhilfe.


Wie funktioniert die Aus- und Weiterbildung?


Unsere gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen in ständigem Lernen, so werden neue Erkenntnisse in der Traumapädagogik adaptiert und umgesetzt, es gibt regelmäßige Fortbildungen und Supervision. Weil professionelles Handeln immer gemeinschaftliches Handeln ist.
 

Mehr Informationen

/* pageName= Das ist kein Widerspruch pagePrefix= breadCrumb=Aktuelles / Themen / --SOS-Kinderdorf-Bote / --SOS-Kinderdorf-Bote 263 / Das ist kein Widerspruch mainDomain=sos-kinderdorf.at langIdentifier=AT,de */