Rückgrat – 26. Mai 2017

Familien sind das Rückgrat ganzer Gemeinschaften

Betselot und Tigist sind ein eingeschweißtes Team. Gemeinsam arbeitet die kleine Familie an ihrer Zukunft in einer der ärmsten Regionen Äthiopiens.

"Ich will Schauspieler werden", legt sich Betselot fest. Der Neunjährige besucht die Schauspielklasse in der Hermann-Gmeiner-Schule zwar erst seit Kurzem, für die Schauspielerei ist er aber bereits Feuer und Flamme. Tigist muss sich mit seinem Berufswunsch ihres Sohnes erst noch anfreunden. Dennoch stimmen sie seine ambitionierten Pläne glücklich. Seit dem Tod von Betselots Vater vor einigen Jahren sind Zukunftsperspektiven für die kleine Familie nämlich keine Selbstverständlichkeit mehr. 
 

Erdrückende Armut

Tigist und Betselot leben in einem kleinen Haus in Bahir Dar im Nordwesten des Landes. Die Region gilt als sozialer und ökonomischer Brennpunkt. Die meisten Menschen in dieser landwirtschaftlich geprägten Gegend leben in erdrückender Armut.
 
Die große Dürre im vergangenen Jahr traf die Menschen dort besonders hart. Über 10 Millionen Menschen litten monatelang unter akuter Wasser- und Nahrungsmittelknappheit. Die desaströsen Folgen ausgefallener Ernten werden noch lange nachwirken. Bereits jetzt ist jedes vierte Kind unterernährt.


Auch für Tigist und Betselot war die Dürre eine große Belastung. Nach vielen herausfordernden Monaten kehrt nun langsam wieder Normalität in den Alltag der beiden ein. Das bedeutet, dass Betselot unbeschwert den Schulunterricht besuchen und Tigist ihrer Arbeit in einem Billardgeschäft nachgehen kann.
 

Fixes Einkommen ist Ausnahme

Es ist eine Ausnahme, dass die junge Frau den Lebensunterhalt für die Familie alleine bestreiten kann. Die Alphabetisierungsrate von Frauen liegt in der Region bei nur 25 Prozent. Die Hälfte aller Mädchen werden vor Erreichen des 15. Lebensjahres zwangsverheiratet. Der Zugang zu Bildung ist für den Großteil der Frauen nahezu unmöglich.
 
Die SOS-Sozialzentren bieten im Rahmen der Familienstärkung kostenlose Tagesbetreuung für Kinder erwerbstätiger Mütter an. Die Kinder erhalten auch eine warme Mahlzeit.
 

Auffangnetz Familienstärkung

Die kleine Familie fand nach dem Tod des Vaters in einem SOS-Familienstärkungsprogramm neuen Halt. Während Betselot in den SOS-Kindergarten und in weiterer Folge in die Hermann-Gmeiner-Schule aufgenommen wurde, konnte Tigist eine Fortbildung machen.


"Die gezielte Stärkung von Familien außerhalb der Kinderdörfer ist für uns in den letzten Jahren auch in Äthiopien immer wichtiger geworden. Wir wollen aktiv verhindern, dass Kindern von ihren Familien getrennt werden"

Valerie Neuhold-Maurer über die Familienstärkung
 

Großer Wirkungskreis

"Wir können über die Familienstärkung tausende Kinder erreichen und binden ihre Familien in einen nachhaltigen Entwicklungsprozess ein. Familien sind das Rückgrat ganzer Gemeinschaften", so die Äthiopien-Expertin der Internationalen Abteilung von SOS-Kinderdorf.

Sollte es bei Betselot übrigens mit der Schauspielkarriere nicht klappen, hat er sich schon einen alternativen Berufswunsch überlegt: Fußballprofi! Jetzt muss er nur noch seine Mutter einweihen...
 

Weiterführende Informationen: 

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