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Interview

"Kinder in die digitale Welt begleiten"

Elke Prochazka, Internet-Expertin bei 147 Rat auf Draht, gibt praktische Tipps zum Umgang von Kindern und Jugendlichen mit neuen Medien.

Eltern gehen das Thema digitale Medien ja meist von der Gefahrenseite her an. Ist der Nachwuchs wirklich so digital naiv wie ihre Erziehungsberechtigten glauben?

Prochazka: Es fällt Kindern leicht, Apps oder Spiele intuitiv zu nützen, darin sind sie sehr fit. Allerdings überblicken sie die damit verbundenen Risiken und Auswirkungen zu wenig – so wie auch viele Erwachsene. Wir sind ja auch alle „Traffic-Light-Natives“, und trotzdem lehren wir Kindern aller Generationen die Grundsätze der Verkehrserziehung. Das braucht es auch in derselben Selbstverständlichkeit im Digitalen.

Wer ist in der digitalen Welt Ihrer Erfahrung nach mehr überfordert: Erwachsene oder Kinder?

Prochazka: Erwachsene fühlen sich selbst eher damit überfordert. Bei Kindern und Jugendlichen beginnt diese Überforderung dann, wenn sie in einer Problemsituation stecken, mit der sie nicht gerechnet haben. Zum Beispiel, wenn sie in eine Abzockfalle tappen oder intime Fotos von ihnen verbreitet werden.

Was sind die größten Fehler, die Eltern in Bezug auf Smartphone und Co machen?

Prochazka: Das sind sicher generelle Verbote. Denn dann nimmt man sich die Chance, Kinder beim Einstieg zu begleiten und eine Ansprechperson bei Problemen zu sein. Kinder nutzen ja auch die digitalen Geräte ihrer Freunde oder ihrer ohne den Schutz der Wissensvermittlung durch die Eltern.

Gibt es eine Faustregel, wie viel Internet in welchem Alter normal ist?

Prochazka: Bei jüngeren Kindern gilt es, sich an der Konzentrationsfähigkeit zu orientieren. Da muss man beobachten, wie lange das Kind bei einem Spiel konzentriert dabei bleibt und sich zum Beispiel Levels auszumachen, die das Kind an einem Stück durchspielen kann. Ich würde sagen: Normal ist, wenn Online-Aktivitäten ein Teil der Freizeitgestaltung sind, aber nicht der ausschließliche. Wenn das Kind immer mehr in die Online-Welt gerät, ist es wichtig sich zu fragen, warum die Offline-Welt so unattraktiv ist. Gibt es Probleme mit Gleichaltrigen? Ist das Kind überfordert?

Ab wann sollen Kinder Smartphones haben?

Prochazka: Das hängt individuell vom Kind ab. Oftmals ist der Übertritt in die Mittelschule oder Gymnasium Anlass für ein Handy. Dann ist es auch ein ganz wesentlicher Bestandteil in der Kommunikation unter Jugendlichen. Gerade wenn es um Hausaufgaben geht, sind Jugendliche ohne Handy oft völlig von den Mitschülerinnen und Mitschülern abgeschnitten.

Wie redet man mit dem Nachwuchs über seine Internetnutzung?

Prochazka: Wichtig ist, eine Ansprechperson zu bleiben. Das kann nur dann gelingen, wenn man die Welt, die den Nachwuchs begeistert, nicht schlecht macht. Viel eher gilt es, sie von Beginn an mit Kindern zu erkunden und sich gemeinsam über Risiken und die Möglichkeiten zu informieren. Dieses Wissen kann dann gerade im Jugendalter helfen. Hier ist es wichtig, bei Problemen gemeinsam nach Lösungen zu suchen, anstatt mit Strafen zu reagieren.

Ist es in Ordnung, sein Kind in den sozialen Medien zu beobachten – also zu schauen, was es von sich preis gibt und mit wem es befreundet ist?

Prochazka: Es gibt Kinder, die sich von sich aus mit ihren Eltern vernetzen wollen. Man sollte aber auch akzeptieren, wenn sie das nicht möchten. Gerade bei Kindern, die beginnen, sich online zu bewegen, sollten aber klare Regeln ausgemacht werden. Je näher diese Regeln an der Realität der Kinder und Jugendlichen dran sind, umso eher sind sie auch bereit, sie einzuhalten. Gerade dann wenn sie den Nutzen für sie selbst erkennen.

Welchen Einfluss hat die permanente Möglichkeit, sich selbst darzustellen, auf das Aufwachsen?

Prochazka: Kinder und Jugendliche haben online die Chance, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, sich so zu präsentieren, wie sie sich selbst gerne sehen möchten. Andererseits kreiert sich jeder Jugendliche auch selbst als Marke. Hier brauchen Jugendliche gerade uns Erwachsene, die ihnen Rückmeldung unabhängig von dieser Darstellung geben, die ihnen sagen, dass sie etwas wert sind, wie sie eben sind. Unabhängig davon, was sie leisten und können. Auch das gemeinsame kritische Hinterfragen ist wesentlich.

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Elke Prochazka

ist Psychologin bei 147 Rat auf Draht. Sie leitet Projekte wie SeXtalks 2.0 und #ME und ist zertifizierte Saferinternet.at-Trainerin.

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