Das Magazin von SOS-Kinderdorf
Digitale Skills

Deutschlernen mit der Roboterbiene

Digitale Skills sollen so selbstverständlich werden wie Lesen, Schreiben, Rechnen – das ist ein allseits beliebter politischer Wunsch. Aber wie kommt der in den Klassenzimmern an?

Das Einmaleins des Programmierens lernen die Schülerinnen und Schüler der Volksschule Breitenlee mit "Bee Bots". Ziel ist, die Roboter mit den Richtungstasten so zu programmieren, dass sie um die Bauklötze auf einer Matte herumfahren. Wer zum Holzbuchstaben in der Mitte gelangt, darf der Klasse die Aufgabe stellen, ein Hauptwort zu buchstabieren.

"Damit versuchen wir, den Kindern das Grundprinzip des Programmierens zu zeigen. So lernen sie, zu verstehen, dass man ein bestimmtes Ergebnis nur bekommt, wenn man eine Reihe von Befehlen eingibt", wird ihre Lehrerin Barbara Zuliani nach der Stunde sagen. Sophie, Lea und die beiden Ninas kichern, als die Roboterbiene zu ihren Füßen anstatt um den Bauklotz fährt. "Das macht noch mehr Spaß als das iPad", sagen sie.

Die Volksschule Breitenlee, die sich am nördlichen Rand Wiens befindet, war die erste in der Bundeshauptstadt mit einer eigenen iPad-Klasse. Bereits 2009/10 fing Lehrerin Barbara Zuliani hier damit an, in ihrem Unterricht digitale Medien einzusetzen. Dieses Konzept will das Bildungsministerium nun nach und nach auf ganz Österreich ausweiten.

Mit der Digitalinitiative "Schule 4.0" werden ab Herbst 2018 – so jedenfalls der Plan – alle 10- bis 14-Jährigen in Österreich ein bis zwei Stunden die Woche in "Digitaler Grundbildung" unterrichtet. Schon heuer startete ein österreichweites Pilotprojekt an insgesamt 169 Neuen Mittelschulen (NMS) und AHS-Unterstufen.
 
Die Volksschule Breitenlee war die erste in der Bundeshauptstadt mit einer eigenen iPad-Klasse.


Für Zuliani liegt das Geheimnis des digitalen Unterrichts im Abwechseln der Methoden. Auch in der Volksschule Breitenlee kommen deshalb immer noch Bücher, Lineal und Bleistift zum Einsatz. "Was ich an den Neuen Medien schätze, ist ihre Kombinierfähigkeit. Die Kinder lernen wie bisher Lesen, Schreiben, Rechnen, aber man kann interaktiver und differenzierter vorgehen und auf jedes Kind besser eingehen", sagt Zuliani. Ein weiterer Vorteil sei auch, dass man beim Unterricht mit Tablets nicht mehr strikt an das Klassenzimmer gebunden sei.
 

Schule 4.0

Zuliani bringt seit September auch Lehrerinnen und Lehrern an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz bei, wie man digitalen Unterricht gestalten kann. "Die neuen Medien bringen weit mehr Möglichkeiten mit sich, es braucht aber auch viel mehr Unterrichtsvorbereitung", sagt sie.

Das sieht Edith Hülber, Direktorin der NMS Konstanziagasse, ähnlich. Ihre Schule ist eine der 169 Pilotschulen, die schon heuer an der Initiative "Schule 4.0" teilnehmen. Hier haben alle 320 Schülerinnen und Schüler ein bis zwei Stunden Informatikunterricht pro Woche. Dabei lernen sie den Umgang mit Textverarbeitungs- und Bildbearbeitungsprogrammen, Videoschnitt und statistische Auswertungen bis hin zu Coding. Drei PC-Räume mit je 16 PCs stehen zur Verfügung. Laptops und Tablets gibt es auch. Die wurden aber großteils vom Elternverein besorgt. Das reicht nicht, wird doch auch in anderen Fächern regelmäßig Computerunterstützung gebraucht.

"Wir sind zwar eine NMS mit Informatik- Schwerpunkt. Trotzdem haben wir keinen WLAN-Zugang für alle", sagt Hülber. Deshalb hofft sie darauf, dass das Bildungsministerium und die Stadt Wien ihre Ankündigung wahrmachen, künftig jeder Schule einen Breitbandbzw. WLAN-Anschluss zur Verfügung zu stellen. Sie befürworte zwar auch, dass jeder Schüler ein Gratis-Tablet bekommen soll. Allerdings sollten die Geräte von den Schulen ausgesucht und für die Zeit des Schulbesuchs verteilt werden. "Es geht darum, dass die digitale Kompetenz so selbstverständlich wird wie Lesen, Schreiben und Rechnen", sagt Hülber.

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